Diskussion. Sie wird einerseits als populärwissenschaftlicher medialer Aufguss zuvor
fachwissenschaftlich erarbeiteter Ergebnisse verstanden. Andererseits begreifen
Historiker alle Formen von „Öffentlicher Geschichte“ auch als Erinnerungskultur,
die zum Gegenstand historischer Forschung werden kann44 49 51. Als Teil der
Geschichtswissenschaften ist Public History immer noch nicht fest etabliert, denn
viele Fachwissenschaftler stehen der Vermittlung von Geschichte außerhalb akademischer
Zielgruppen noch sehr skeptisch gegenüber0. Irmgard Zündorf, die am
Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam als Referentin für Hochschulkooperation
und Wissenstransfer auch für Projekte zuständig ist, die sich mit Vermittlung
von Geschichte an ein breites Publikum wenden, formulierte 2010 einige
Anforderungen, die an Public Historians in Deutschland gestellt werden. Sie sollen
fähig sein, komplexe historische Forschungsergebnisse für ein historisch nicht vorgebildetes
Publikum interessant und medial angemessen aufbereiten können und
im Unterschied zu Wissenschaftlern auch als Dienstleister agieren '. Public History
versteht sie als „Geschichte für die Öffentlichkeit“ und „Geschichte in der Öffentlichkeit“52.
Schon bevor die geschichtswissenschaftlichen Studiengänge nach den Bologna-Richtlinien
neu strukturiert wurden, haben viele Universitäten Veranstaltungen zu
diesem Themenfeld angeboterf3 54, und einzelne Dozenten haben ihre Erfahrungen
mit praxisbezogenen Veranstaltungen oder Projektarbeit bereits beschrieben \
Ganz neue Wege werden in jüngster Zeit beschritten, weil nun die Konzeption von
forschungs- oder praxisorientierten Master-Studiengängen möglich ist, und damit
auch eine spezifische Public //Afozv-Praxisorientierung realisiert werden konnte:
An der Universität Mannheim entstand ein Masterstudiengang „Geschichte - Wissenschaft
und Öffentlichkeit“. Das Ausbildungsziel wird folgendermaßen beschrieben:
„Fachlich-methodisches Wissen und Können des Historikers [...], die Kompetenz,
geschichtswissenschaftliche Forschungsergebnisse differenziert, und zugleich
allgemein verständlich - „mediengerecht“ - in die Öffentlichkeit zu vermitteln55.
Die Freie Universität Berlin bietet in Zusammenarbeit mit dem Zeithistorischen
Zentrum Potsdam seit 2008/9 einen praxisorientierten Masterstudiengang Public
44 Frank BÖSCH/Constantin GöSCHLER, Der Nationalsozialismus und die deutsche Public
History, in: Public History. Öffentliche Darstellungen des Nationalsozialismus jenseits
der Geschichtswissenschaft, hg. von Frank BÖSCH/Constantin GöSCHLER, Frankfurt a.
M.-New York 2009, S. 7-23.
50 Paul Nolte, Öffentliche Geschichte. Die neue Nähe von Fachwissenschaft, Massenmedien
und Publikum: Ursachen, Chancen und Grenzen, in: Aufklärung, Bildung, „Histotainment“?
Zeitgeschichte in Unterricht und Gesellschaft heute, hg. von Michele Barri-CELLi/Julia
Hornig, Frankfurt a. M. 2008, S. 131-146.
51 Zündorf, Public History (Anm. 39), S. 5.
52 EbdS. 2.
5j Wilfried Schulze, Neue Berufsfelder, neue Formen des Studiums im Fach Geschichte,
in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 52 (2001), S. 4-12.
54 So zum Beispiel Marita Krauss, „Public History“ - Geschichtsstudium und Praxisbezug.
Ein Erfahrungsbericht, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 53 (2002), S.
498-509.
xS http://www.geschichte.uni-mannheim.de/studium/studiengaenge/invisible/ master
geschichte wissenschaft und oeffentlichkeit/index.html (3.1.2012).
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