Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Hüttenlehm  angereicherte  Brandschichten  belegen,  dass  die  Bebauung  im  Bereich
von  Haus  5  zunächst  während  zweier  Bauphasen  in  Fachwerk  ausgeführt  war,  und
dass  eben  diese  Bebauung  durch  Brandeinwirkungen  zerstört  worden  war.
Waren  die  raumbegrenzenden  Strukturen  innerhalb  des  Hauses  Fachwerkkonstruktionen,
  so  gibt  es  nur  wenige  Hinweise  auf  die  Ausführung  der  Dachkonstruktion
  und  des  Daches.  Zwar  deuten  die  wenigen  Dachziegel  auf  eine  Abdeckung
aus  Tegulae  und  Imbrices  hin,  aber  die  Anzahl  ist  zu  gering,  um  einen  abschließenden
  Nachweis  zu  führen.  Wahrscheinlich  aber  wurden  die  Reste  des  Ziegelschutts,
  der  die  eigentliche  Brandschicht  überdeckt  hatte,  entfernt  und  einer  Wiederverwendung
  zugeführt.  Die  Reste  der  die  Zerstörungen  belegenden  Schichten
hingegen  wurden  mit  einer  Sandschicht  aufgefüllt,  planiert  und  nivelliert.  Darüber
entstand  ein  neuer  Laufhorizont  als  neue  Siedlungsschicht.  Vergleichbare  Befunde
hatte  Kolling  auch  bei  den  Haus  5  gegenüberliegenden  Streifenhäusern  festgestellt
Den  beiden  Bauphasen  der  Fachwerkbauphase  folgte  offenbar  eine  Mischbauweise
  aus  Holz  und  Stein.  Erkennbar  wird  dies  anhand  einer  Steinpackung,  die  der
südlichen  Begrenzungsmauer  von  Haus  4  vorgelagert  ist.  Diese  kann  als  Rest  der
bei  Anlage  der  Südmauer  von  Haus  4  bis  auf  die  Rollierung  geschleifte  Nordmauer
von  Haus  5  interpretiert  werden.  Ob  das  Schleifen  der  einen  Mauer  zeitgleich  oder
wenig  später  mit  dem  Errichten  der  nördlich  vorgelagerten  Mauer  erfolgte,  ist  bislang
  noch  unklar.  Da  keine  weiteren  Mauerzüge  erfasst  wurden,  die  in  Zusammenhang
  mit  der  geschleiften  Mauer  stehen  könnten,  liegt  die  Vermutung  nahe,  dass
die  inneren  Strukturen  im  Bereich  von  Haus  5  während  dieser  Bauphase  aus  Holz
bestanden.
Das  lässt  der  Fund  von  zahlreichen  Pfostenlöchern  vermuten  (Abb.  6,  S.  295).
Wie  sich  die  Innenbebauung  und  die  Nutzung  des  Bereiches  von  Haus  5  während
dieser  ersten  drei  Bauphasen  im  Einzelnen  gestaltet,  muss  die  Kartierung  der  Pfostenlöcher,
  Gruben  und  Öfen  zeigen.  Die  diesbezügliche  Auswertung  ist  zum  jetzigen
  Zeitpunkt  noch  nicht  abgeschlossen.  Es  gibt  aber  etliche  eindeutige  Hinweise,
dass  hier  ein  Handwerk  betrieben  wurde,  bei  dem  Feuer  mit  sehr  hohen  Temperaturen
  benötigt  wurde.
Ein  viertes  Mal  änderte  sich  die  Bebauung  im  Bereich  von  Haus  5,  als  die  Südmauer
  von  Haus  4  errichtet  wurde  und  die  hypokaustierten  Räume  im  Norden  und
Nordosten  (siehe  oben)  angebaut  wurden,  ln  zeitlichem  und  funktionalen  Zusammenhang
  mit  den  Baumaßnahmen  dieser  Zeit  steht  ein  Fundstellenensemble,  das
man  als  Herd-  beziehungsweise  Kochstellenszenario  ansprechen  könnte.  Dieses
„Küchenensemble“  geht  einer  im  Kollingplan  verzeichneten  Herdstelle  zeitlich  voraus.
  Zwischen  der  Einrichtung  der  beiden  Kochstellen  dürfte  keine  allzu  lange
Zeitspanne  liegen.
Problematischer  erweist  sich  die  zeitliche  Einordnung  des  bereits  während  der
Kollinggrabung  untersuchten  Kellers.  Da  sich  der  Kellerabgang  zum  Herdstellen-Arrangement
  hin  öffnet,  ist  es  möglich,  dass  der  Keller  gleichzeitig  beziehungsweise
  zeitnah  mit  den  Erweiterungen  im  Norden  beziehungsweise  Nord-Osten  von
Haus  5  angelegt  wurde.  Auf  der  Ostseite  des  Kellers,  wo  die  obersten  Steine  noch
erhalten  sind,  sind  die  Ausarbeitungen  für  Lichtschächte,  wie  sie  in  Schwarzenacker
  an  nahezu  allen  Keller  anzutreffen  sind,  erkennbar.  Die  Ausarbeitung  von
Deckenbalkenauflagen  an  diesen  Steinblöcken  belegt,  dass  die  Räume  über  den
Kellern  in  die  Häuser  integriert  waren.

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