Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Und  trotzdem  darf  Santes  archivpolitisches  Wirken  nicht  unerwähnt  bleiben:
Wohl  auch  mit  Blick  auf  seine  zukünftige  Karriere  betonte  er  gegenüber  Politik
und  Verwaltung  die  kulturpolitische  Funktion  eines  Archivs.  Vor  dem  Hintergrund
der  montanindustriell  geprägten  Sozialstruktur  sei  eine  aktive  Kulturpolitik  zu  betreiben
  und  dazu  müssten  das  Stadtarchiv  Saarbrücken  und  ein  neu  zu  errichtendes
Reichsarchiv  einen  wichtigen  Beitrag  leisten.  Deshalb  warb  er  auch  für  eine  Verlegung
  des  Elsaß-Lothringen-Instituts  von  Frankfurt  nach  Saarbrücken.  Nach  der
Rückgliederung  der  Saar  zu  Hitler-Deutschland  zum  1.  März  1935  und  Santes
Wechsel  ans  Staatsarchiv  Wiesbaden  blieb  sein  Interesse  für  das  Saarland  bestehen.
  Im  Zuge  der  Überlegungen  zur  Neugliederung  des  Reichsgebietes  warb  Sante
für  ein  Reichsarchiv  Saar-Pfalz,  wobei  er  allerdings  an  Mannheim  als  geeigneten
Standort  dachte.  Seine  Vorstellungen  scheiterten  wohl  aber  an  Gauleiter  Josef  Bürkel,
  der  sich  jegliche  Einflussnahme  verbat42 43.
Auch  nach  1945  waren  es  Impulse  von  außen,  die  den  Aufbau  von  Archiven  im
Saarland  forderten.  So  empfahl  die  Kulturabteilung  beim  Hohen  Kommissariat  im
Mai  1949  dem  Außenministerium  in  Paris,  bei  der  Ausarbeitung  eines  Friedensvertragens
  Sorge  für  das  kulturelle  Erbe  des  Saarlandes  zu  tragen.  Eine  Klausel  sollte
die  deutsche  Seite  verpflichten,  alle  Dokumente,  die  direkt  oder  indirekt  das  Territorium
  der  Saar  betreffen,  der  saarländischen  Regierung  zu  übergeben.  Die  französische
  Seite  folgte  damit  der  Erkenntnis,  dass  die  Entwicklung  einer  eigenen  Identität
  Quellen  braucht;  ein  Archiv  sollte  so  auch  die  Unabhängigkeit  des  Saarlandes
verdeutlichen  und  die  Sondersituation  legitimieren42.
Zu  Ergebnissen  führten  diese  Empfehlungen  allerdings  nicht.  Die  Einrichtung
eines  Archivs  war  schon  von  der  Militärregierung  im  Februar  1947  angeregt  worden.
  Zunächst  geschah  aber  gar  nichts.  Nach  den  Landtagswahlen  am  5.  Oktober
1947  und  der  konstituierenden  Sitzung  des  Ministerrates  am  20.  Dezember  1947
beschloss  der  Ministerrat  am  27.  April  1948,  innerhalb  des  von  Albert  Dorscheid
geleiteten  Informationsamtes  ein  Referat  Landesarchiv  einzurichten.  Dorscheid  beauftragte
  zunächst  den  Studienprofessor  Fritz  Klevekorn,  den  Aufbau  eines  Archivs
  zu  prüfen.  Diese  Personalentscheidung  wurde  wohl  auf  Druck  der  Militärregierung
  revidiert  und  Dorscheid  beauftragte  daraufhin  Dr.  Walter  Lauer.  Lauer  trug
dann  die  von  ihm  selbst  gewählte  Bezeichnung  Landesarchivar.  Lauer  hatte  über
die  Geschichte  der  saarländischen  Glasindustrie  promoviert  und  war  ohne  Archivausbildung.
  Ein  Archiv  bestand  weder  räumlich  noch  institutionell,  und  Lauers
Selbstverständnis  entsprach  auch  mehr  dem  eines  Dokumentars  zur  Saargeschichte
-  stark  geprägt  von  den  Ideen  der  Völkerbundszeit,  in  der  etwa  das  Stadtarchiv
nicht  archivwürdige  Unterlagen  der  Stadtverwaltung  ermittelte  und  ins  Archiv
überführte,  sondern  das  Stadtarchiv  einen  Beitrag  leisten  sollte,  die  Zugehörigkeit
von  Stadt  und  Region  zu  Deutschland  wissenschaftlich  zu  untermauern.  Wichtige,

des  Stadtarchivs  nach  Marburg.  Frau  Strickler-Trenz  war  eine  Nichte  von  Rudolf  Trenz,
unter  anderem  CVP  und  Bürgermeister  von  Völklingen;  Bestand  Personalakten,  Nr.  V
11.2-6845.
42  Dazu  ausführlich:  Herrmann,  Archive  im  Kontext  fehlender  Verwaltungstraditionen
(wie  Anm.  39),  S.  222-224.
43  Archiv  des  französischen  Außenministeriums  (MAE)  Paris,  Z-Europe,  Sous  S.  Sarre,  Bd.
3,  Bl.  195-196.  Herrmann,  Grundzüge  zur  saarländischen  Archivgeschichte  (wie  Anm.
39),  S.  225.

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