Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

sie  wurde  als  wichtiges  Volksbiidungsmittel  gesehen.  Zusammen  mit  dem  1926
eröffneten  Heimatmuseum  in  der  Marktpassage  am  St.  Johanner  Markt  wirkten
diese  kulturellen  Einrichtungen  für  die  Stärkung  der  Verbundenheit  des  Saargebietes
  mit  dem  deutschen  Reich,  denn  die  Entfernung  des  deutschen  Grenzschutzes
und  die  Einsetzung  der  national  gemischten  Regierungskommission  öffneten  französischer
  Invasion  Türe  und  Tor  und  fordern  unermüdlich  wachsamen  Kampf  zum
Schutze  deutscher  Art  und  deutscher  Kulturwerte,  wie  es  in  einem  1927  vom  Verkehrsamt
  der  Stadt  Saarbrücken  herausgegebenen  Stadtführer  heißt.
Kulturelles  Engagement  vor  allem  im  Kampf  gegen  den  französischen  Einfluss
-  diesem  Bereich  ist  auch  die  Saarforschungsgemeinschaft  zuzuordnen.  Sie  war  eine
  Gründung  des  preußischen  Kultusministeriums  und  der  Notgemeinschaft  der
deutschen  Wissenschaft  und  stand  unter  der  fachlichen  Obhut  von  Professor  Hermann
  Aubin  vom  Institut  für  geschichtliche  Landeskunde  der  Rheinlande  an  der
Universität  Bonn.  Die  Berufung  von  Sante  ging  in  erster  Linie  auf  Aubin  zurück.
Er  verwies  auf  den  Zusammenhang  zwischen  den  ungünstigen  wissenschaftlichen
Rahmenbedingungen  und  der  fehlenden  Archivlandschaft  an  der  Saar.  Aubin  kritisierte
  die  fehlende  Wissenschaftlichkeit  der  aus  der  Saarregion  kommenden  Akteure.
  Ziel  war  für  ihn,  eine  Darstellung  der  Saarverhältnisse  in  ihrer  Entwicklung
für  die  Augen  der  neutralen  Welt  zu  gewinnen  und  zu  beweisen,  dass  das  Land  an
der  Saar  deutsch  ist39 40.  Und  so  arbeitete  Sante  vor  allem  als  Historiker  wie  auch  die
Jahresberichte  der  Saarforschungsgemeinschaft  ab  1929  zeigen:  Studien  zu  den
Reunionen,  zur  napoleonischen  Zeit  und  zur  Saarfrage  1860/1870  sowie  zur  Geschichte
  der  Grafschaft  Nassau  Saarbrücken.  Seine  Ausbildung  als  Archivar  half
ihm  dabei,  denn  in  Saarbrücken  gab  es  keine  Quellen,  um  Geschichte  wissenschaftlich
  aufzuarbeiten.  Der  Archivar  Sante  kannte  die  zersplitterte  Quellenlage
und  wusste,  welche  Archive  auszuwerten  waren.  So  recherchierte  er  intensiv  in  den
Archiven  in  Wiesbaden,  Koblenz  und  Berlin.  Für  den  Stadtarchivar  Sante  ging  es
bei  seiner  Tätigkeit  in  Saarbrücken  nicht  um  den  Aufbau  des  Saarbrücker  Stadtarchivs.
  Er  verstand  sich  als  Historiker  mit  politischem  Auftrag  und  so  bekannte  er
sich  in  seinem  Tätigkeitsbericht  vom  26.  Januar  1935  dazu,  die  erarbeiteten  [historischen]
  Erkenntnisse  für  die  deutsche  Politik  nutzbar  zu  machenM).  Seine  Nachfolgerin
  in  Saarbrücken  wurde  Dr.  Klara  Trenz-Strickler,  die  im  Unterschied  zu
Sante  erste  Aufbauarbeit  zu  einem  Stadtarchiv  Saarbrücken  leistete41.

’9  Hauptstaatsarchiv  Wiesbaden,  Nachlass  Sante/Abt.  1150,  Nr.  46  und  Hans-Christian
Herrmann,  Grundzüge  zur  saarländischen  Archivgeschichte.  Archive  im  Kontext  fehlender
  Verwaltungstradition  und  eines  sich  bildenden  historischen  Raumes,  in:  Jahrbuch
für  westdeutsche  Landesgeschichte  22  (1996),  S.  219.  Führer  durch  Saarbrücken,  hg.
vom  Verkehrsamt  der  Stadt  Saarbrücken,  Saarbrücken  1927,  S.  10.
40  Stadtarchiv  Saarbrücken,  Bestand  Großstadt  Saarbrücken,  Nr.  2073,  Tätigkeitsbericht
vom  26.1.1935;  Jahresberichte  der  Saarforschungsgemeinschaft  für  das  Geschäftsjahr
1930-1932.
41  Herrmann,  Grundzüge  zur  saarländischen  Archivgeschichte  (wie  Anm.  39),  S.  220-222.
Stadtarchiv  Saarbrücken,  Bestand  Standarchiv,  Nr.  302b/13,  Vermerk  vom  27.9.1974
über  ein  Gespräch  von  Dr.  Klein  mit  Dr.  Strickler-Trenz.  Danach  erfolgte  der  Einzug  des
Archivs  in  die  4.  Etage  des  Rathauses  in  der  Amtszeit  von  Frau  Trenz;  Arbeitsschwerpunkte
  waren  die  Sicherung  des  Bestandes  Bürgerhospital,  den  sie  in  der  Registratur  des
Städtischen  Krankenhauses  entdeckte,  Erfassung  von  Stadtrechnungen  und  Protokollbüchem,
  Bürgeranlobungen  sowie  Schaffung  der  Lichtbildsammlung,  erste  Evakuierung
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