im Stadtarchiv, das damals auch für die Zentralregistratur und die Verwaltungsbücherei
zuständig war. Angesichts solcher Missstände verwundert auch
nicht die beschämende Raumsituation. Die Archivalien lagerten im Dachgeschoss
des Rathauses, hier waren auch die Büroräume untergebracht. Angesichts der Bauverhältnisse
war das Archivgut über Jahrzehnte massiven Temperaturschwankungen
mit Raumtemperaturen zwischen 10 bis 30 Grad ausgesetzt, auch für den
schwer kriegsbeschädigten Klein alles andere als passende Arbeitsbedingungen.
Ende der 1960er Jahre war zudem kein Platz mehr vorhanden, archivwürdig bewertete
Unterlagen ins Archiv zu übernehmen. Die Zuweisung der Räume 430 bis
435 im Rathaus und die Beschaffung und Platzierung einer Kompaktanlage in den
Räumen 432 bis 435 ermöglichten, dass 1973 das Stadtarchiv wieder Unterlagen
übernehmen konnte '. Eine sachgerechte Unterbringung war damit immer noch
nicht gegeben, der Druck wuchs, als statische Gutachten belegten, dass das Stadtarchiv
nicht länger im Dachgeschoss des Rathauses untergebracht werden konnte* 38.
Kurzfristige Verbesserungen ohne Nachhaltigkeit
Anfang der 1970er Jahre verbesserte sich die Situation allmählich. Nachdem es
Klein zunächst nicht gelungen war, anlässlich des 60. Jubiläums der Großstadt
Saarbrücken 1969 zusätzliches Personal zu erhalten, erhielt das Stadtarchiv 1976
eine zweite Stelle für den höheren Archivdienst. Sie wurde mit Dr. Fritz Jacoby
(1941-1997) besetzt. 1982, mit dem Ausscheiden von Klein in den Ruhestand,
übernahm Jacoby die Amtsleitung. Durch den Wegfall der Stelle von Klein verschärfte
sich aber wieder die Personalsituation. Noch 1978 hatte Klein ein Personalentwicklungskonzept
vorgelegt, wonach in Saarbrücken wie in anderen vergleichbaren
Kommunen auch neben der mit A 15 besoldeten Amtsleitung ein weiterer
Archivar des höheren Dienstes nach Besoldungsgruppe Al 3/A 14 und ein Archivar
des gehobenen Dienstes eingestellt werden sollte. Daraus wurde nichts, die
anfängliche Verbesserung der Situation nach dem Machtwechsel im Saarbrücker
Rathaus blieb eine kurze Episode.
Jacoby, enttäuscht über den Wegfall der Stelle von Klein, hatte im Vorfeld den
Umzug des Stadtarchivs in die alte Feuerwache am Landwehrplatz vorbereitet. Ab
1982 verfugte das Stadtarchiv zwar damit wieder über zusätzliche Raumkapazität,
die klimatischen Verhältnisse blieben ebenso katastrophal wie im Dachgeschoss
des Rathauses. In den 1980er Jahren bekam das kommunale Archivwesen einen
Schub. Einmal durch die Archivgesetze, die viele Kommunen zur Einrichtung von
Archiven veranlassten und durch die Erkenntnis vieler Kommunalpolitiker, dass
Stadtarchive der Kulturarbeit auf breiter Ebene dienen können. Im Saarland und
auch in Saarbrücken blieb dieser Impuls weitgehend aus. Nach dem Tod von Fritz
Jacoby 1997 wurde das Stadtarchiv erst 1999 wieder mit einer ausgebildeten Archivarin
besetzt. Dr. Irmgard Christa Becker, Absolventin der Archivschule Marburg,
kämpfte von Anfang an für eine sachgerechte Unterbringung ihres Archivs -
zunächst allerdings ohne Erfolg. Es gelang ihr aber relativ rasch, die Personalausstattung
zu verbessern mit der Einrichtung einer Stelle des gehobenen Archivdienstes
im Jahr 2003.
Stadtarchiv Saarbrücken, Bestand Stadtarchiv, Nr. 302b/12, Bericht 21.1.1974.
38 Ebd.
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