bemerkte 2010, beim Stadtarchiv Saarbrücken handele es sich um den ersten fachgerechten
Archivbau im Saarland überhaupt“ . Damit deutet sich schon an, Archive
hatten es in unserer Region schon immer schwer und nicht nur für das Stadtarchiv
markiert dieser Bau eine Zäsur und einen Quantensprung. Insofern blicken wir zurück
in die ältere Archivgeschichte.
Auch wenn die Großstadt Saarbrücken erst 1909 aus der Vereinigung von St.
Johann, Saarbrücken und Malstatt-Burbach entstand, so können insbesondere Saarbrücken
und St. Johann auf eine lange Geschichte zurückblicken, hier sei nur an
den Freiheitsbrief von 1322 erinnert und die urkundliche Erwähnung Saarbrückens
999* 28.
Ein Stadtarchiv entstand aber erst 1929 mit Berufung des aus der preußischen
Archivverwaltung kommenden Georg Wilhelm Sante. In den Jahren zuvor sollte
sich der Historische Verein um das Archiv kümmern. 1885 hatte der Saarbrücker
Bürgermeister Feldmann erstmals den ersten Sekretär des Historischen Vereins für
die Saargegend mit der Sichtung alter städtischen Unterlagen betraut. Diese Zusammenarbeit
wurde auch nach der Vereinigung der drei Saarstädte zur Großstadt
Saarbrücken 1909 weiter geführt. Dabei kam es zu einer Vermischung der Bestände
mit der Archivaliensammlung des Vereins. Erst Jahrzehnte später wurde dieser
Missstand 1980 vertraglich bereinigt. Nach der Vereinigung zur Großstadt 1909
wurde der damalige Vorsitzende des Historischen Vereins für die Saargegend, Albert
Ruppersberg, beauftragt, sich ehrenamtlich um das Archiv zu kümmern. Der
Gymnasialprofessor verstand sich als Historiker und seinerzeit arbeitete er an einer
Denkschrift zur 100-jährigen Zugehörigkeit der Saarbrücker Lande zu Preußen. Er
nutzte seine Möglichkeit, auf die Quellen zugreifen zu können. Städtische Mitarbeiter
suchten nach den von ihm benannten Dokumenten und brachten sie ihm
dann nach Hause29 32. Ein Archiv bestand zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal im
Ansatz’0. Die Saarbrücker Verhältnisse waren damals nicht singulär, bis auf
Aachen und Köln lag in den Stadtarchiven der Rheinprovinz vieles im Argen. Alte
Unterlagen befanden sich in den Ämtern, ungesichert und unverzeichnet und öffentlich
nicht nutzbar'1. Nach dem Ersten Weltkrieg bezog Ruppersberg ein Büro
im Rathaus, hatte nun selbst Zugang zu den Akten und beschaffte einen Tresor, um
im Rathaus wertvolle historische Dokumente zu verwahren’2.
Die verpassten „fetten Jahre“
Erst 1959 wurde das Stadtarchiv Saarbrücken nach dem Krieg wieder hauptamtlich
besetzt. Bis dahin befand sich das Stadtarchiv in schwierigem Fahrwasser. Mangelnder
politischer Wille, ein Archiv einzurichten, aber auch personelle Fehlent-2
Saarbrücker Zeitung vom 20.1.2010.
2S Geschichte der Stadt Saarbrücken, hg. von Rolf Wittenbrock, Saarbrücken 1999.
Stadtarchiv Saarbrücken, Bestand Großstadt, Nr. 1329, Bl. 1, Notiz vom 24.8.1910. Ruppersberg
an Bg. Paehler vom 5.3.1913, Beschluss der Finanzkommission zur Herausgabe
der Denkschrift vom 13.3.1913.
Ebd., Nr. 1329, Schreiben des Vermessungsamtes vom 19.5., 12.9.1913 und 1.2.1914.
Ebd., Nr. 1622, Anfrage von Ruppersberg vom 28.6.1910 und 14.7.1910 nach Bauakten
zum Rathaus und anderen Bauwerken.
31 Ebd., Nr. 1750, Bericht des Königlichen Staatsarchivs Düsseldorf vom 14.11.1910.
32 Becker, Stadtarchiv Saarbrücken (wie Anm. 26), S. 7-9.
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