Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Kultgegenstände  aufgestellt  waren,  lässt  sich  nicht  beantworten.  Zahlreiche  Abschnitte
  des  Hauses  waren  in  der  Vergangenheit  bereits  durch  größere  Raubgrabungen
  und  Steinraub  zerstört  worden.  So  konnte  auch  die  Baugrube  aus  dem  Jahr
1915  lokalisiert  werden.
Lediglich  auf  der  freigelegten  Ostseite  des  Hauses  waren  kleine,  ungestörte  Bereiche
  anzutreffen.  In  einer  Raumecke  standen  etliche  ganz  erhaltene  Gefäße,  darunter
  Terra  Sigillata.  Nicht  weit  davon  entfernt  kamen  zahlreiche  Fragmente  von
Gusstiegeln  mit  Bronze-  und  Eisenschlacken  zum  Vorschein.
Es  ließen  sich  für  das  Haus  drei  Ausbauphasen  feststellen.  Auffallend  war  dabei,
dass  die  Qualität  des  Mauerwerkes  sich  verändert  hatte.  In  der  letzten  Bauphase,  in
der  das  Haus  den  Innenhof  allseitig  umschloss,  wurde  auch  ein  zweiter,  nur  halbtief
  ins  Erdreich  eingreifender  Kelleranbau  aus  kleinteiligem  Mauerwerk  errichtet.
Der  hier  gemachte  Fund  von  über  40,  teilweise  prägefrischen  konstantinischen
Kleinerzen  neben  einem  zerstörten  Faltenbecher  belegt  die  intensive  Nutzung  des
Hauses  für  das  vierte  Jahrhundert  nach  Christus.  Zahlreiche  weitere  spätantike
Fundmünzen  aus  dem  Abraum  bestätigen  diese  Beobachtung.
Von  besonderer  Bedeutung  sind  die  Einzelfunde  einer  kleinen  Löwenstatuette  und
Fragmente  eines  Pentagon-Dodekaeders,  die  ebenfalls  aus  den  oberen  Abraumschichten
  stammen.  Das  Fragment  des  Pentagon-Dodekaeders  ist  dem  bekannten
Exemplar  in  Größe  und  Ausformung  sehr  ähnlich3.  Es  ist  somit  der  Nachweis  von
zwei  Exemplaren  in  Schwarzenacker  gesichert4.  Die  Entdeckung  dieses  großen
Hauses,  der  von  hier  stammende  Münzhortfund  von  1915  sowie  die  neuen  Fragmente
  des  Dodekaeders  werfen  noch  einige  Fragen  zur  Bedeutung  der  offensichtlich
  repräsentativen  Anlage  des  4.  Jahrhunderts  im  römischen  Vicus  von  Schwarzenacker
  auf.
Eine  innerstädtische  Tempelanlage
In  der  zweiten  großen  Grabungskampagne  in  Schwarzenacker  untersuchte  Alfons
Kolling  von  1980  bis  1982  das  damalige  Wiesengelände,  das  noch  heute  von  den
barocken  Mauern  eingefasst  ist.  In  dieser  Fläche  wurde  später  der  barockisierende
Garten  angelegt.  Zahlreiche  Sondagen  belegten  sowohl  bebaute  Abschnitte  als
auch  solche  mit  „Baulücken“.  Von  besonderem  Interesse  waren  dabei  die  Hinweise
auf  ein  ummauertes  innerstädtisches  Heiligtum,  wo  der  Dodekaeder  und  eine  Ziegelplatte
  mit  zahlreichen  Münzen  als  Deponierung/Opfer  gefunden  wurde5.
Mit  der  Absicht,  den  Garten  mit  der  Anlage  eines  Kräutergartens  im  nordöstlichen
  Areal  zu  bereichern,  wurde  2004  in  dem  beplanten  Bereich  eine  Flächengrabung
  durchgeführt,  um  den  archäologischen  Befund  abschließend  zu  klären.
Nachdem  zunächst  im  östlichen  Bereich  der  Grabungsfläche  einige  Weihedepots
  entdeckt  worden  waren,  wurden  die  Fundamente  eines  kleinen,  rechteckigen

3  Ebd.  S.  124.
4  Zum  Pentagon-Dodekaeder  vgl.  Robert  Nouwen,  De  Romeinse  Pentagon-Dodekaeder:
mythe  en  enigma  (Publikaties  van  het  gallo-romeins  museum,  Tongeren  Nr.  45),  Limburg
  1993.  Michael  Guggenberger,  Etwas  Gewisses  hievon  zu  bestimmen  waere  ein
Gewagtes,  in:  Veröffentlichungen  des  Tiroler  Landesmuseums  Ferdinandeum  (45)  2000,
S.  67-84.
5  Kolling,  Die  Römerstadt  (wie  Anm.  1),  S.  119f.
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