Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

In  diesem  Kontext  verdient  das  von  Professor  Rainer  Hudemann  initiierte  Projekt
  zur  Verfdmung  von  Unterlagen  der  französischen  Verwaltung  im  Saarland  besonderen
  Respekt25.
Hinzu  kommt  unser  Mangel  an  Quellen  im  Land  für  unsere  Geschichte  bis  ins
19.  Jahrhundert,  viele  Quellen  liegen  verstreut  außerhalb  des  Landes,  da  wir  bis
zum  Ende  des  Ersten  Weltkrieges  ein  Territorialmosaik  waren  und  die  Herrschaft
über  uns  außerhalb  der  Region  residierte.
Angesichts  dieser  Situation  könnte  man  vermuten,  dass  das  Bewusstsein  für  die
Archive  im  Saarland  besonders  ausgeprägt  sein  müsste,  denn  die  Pflege  der  Archive
  ist  zugleich  ein  Indikator  für  die  Wertschätzung  der  vergleichsweise  kurzen
Selbständigkeit.  Aber  ein  Blick  in  die  saarländische  Archivgeschichte  bestätigt  diese
  Vermutung  nicht.  Und  trotz  allem  gibt  es  kleine  Lichtblicke!
Das  neue  Saarbrücker  Stadtarchiv  -  eine  Zäsur  in  der  Archivgeschichte

Im  Frühjahr  2008  und  damit  vor  dem  Einsturz  des  Kölner  Stadtarchivs  am  3.  März
2009  beschloss  der  Saarbrücker  Stadtrat,  das  Stadtarchiv  neu  unterzubringen.  Die
ehemalige  Deutschherrnschule  sollte  zum  neuen  Stadtarchiv  werden.  Von  Sommer
2008  bis  Herbst  2009  erfolgte  der  Umbau  zu  einem  fachgerechten  Archivgebäude,
das  am  20.  November  2009  bezogen  und  im  Januar  2010  feierlich  eröffnet  wurde.
2011  wurde  eine  weitere  Magazinanlage  eingebaut  und  2012  wird  die  Außensanierung
  abgeschlossen  werden.  Das  Objekt  war  in  den  Jahren  1870/71  zunächst  als
Hospital  errichtet  worden.  Nach  der  Einweihung  des  neuen  Bürgerhospitals  auf
dem  Reppersberg  1903  baute  man  das  alte  Hospital  in  den  Jahren  1906  bis  1907
zur  Volksschule  um.  Dazu  wurden  die  Treppenhäuser  in  die  Flügelbauten  verlegt,
davor  gab  es  ein  zentrales  Treppenhaus  im  Mittelrisalit,  ln  der  Hausakte  wird  das
Gebäude  zunächst  als  Hospitalschule  und  ab  1933  durchgängig  als  Deutschherrnschule
  bezeichnet.  Es  gibt  aber  auch  eine  Akte  des  Gartenamtes,  in  der  es  als  „Dellengartenschule“
  bezeichnet  wird.  Im  Zweiten  Weltkrieg  befand  sich  auf  dem
Schulhof  eine  Lagerbaracke  für  Zwangsarbeiter.  Kriegsschäden  gab  es  kaum,  so
dass  einige  Ausbesserungsarbeiten  an  den  Decken  in  den  Jahren  1947  bis  1949
ausreichten,  um  es  wieder  nutzen  zu  können.  Als  Schule  wurde  das  Gebäude  1982
entwidmet26.
Im  November  2009  konnte  das  Stadtarchiv  die  neuen  Räumlichkeiten  beziehen.
Damit  endete  eine  über  fünfzigjährige  Geschichte  der  Vernachlässigung.  Saarbrücken
  verfügt  nun  nicht  über  Luxus,  sondern  über  ein  den  internationalen  Standards
entsprechendes  Archiv.  Und  die  damalige  Leiterin,  Dr.  Irmgard  Christa  Becker,

25  Armin  Heinen,  Saarjahre.  Politik  und  Wirtschaft  an  der  Saar  1945-1955,  Stuttgart  1996,
S.  3.
26  Irmgard  Christa  Becker,  Das  neue  Stadtarchiv  Saarbrücken,  Saarbrücken  2010,  S.  10.
Danach  wurde  das  Gebäude  seit  August  1983  von  der  AGB  Gesellschaft  für  Berufbildung
  aus  Mannheim  zur  Förderung  der  Ausbildung  benachteiligter  Jugendlicher  genutzt.
Dieser  Mieter  nahm  keine  baulichen  Veränderungen  vor.  Nach  dem  Konkurs  der  Gesellschaft
  1987  übernahm  die  BFW  Berufsforderungswerk  Saarland  GmbH  die  Mitarbeiter
und  die  Aufgaben.  Sie  nutzte  das  Gebäude  aber  nicht.  Dieses  wurde  zum  1.  August  1998
an  den  Don-Bosco-Schulverein  vermietet,  der  in  der  ehemaligen  Deutschhermschule  bis
zum  Juli  2006  eine  Realschule  mit  Internat  betrieb.

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