Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Erste  Ergebnisse  der  neuen  Ausgrabungen  im
RÖMERZEITLICHEN  SCHWARZENACKER

Klaus  Kell
Ein  repräsentatives  Anwesen
Bei  nahezu  jeder  Baumaßnahme  im  Homburger  Stadtteil  Schwarzenacker,  die  in
den  Boden  eingreift,  ist  erfahrungsgemäß  mit  römerzeitlichen  Funden  zu  rechnen.
Somit  war  auch  bewusst,  dass,  als  der  Bauantrag  zum  Erweiterungsbau  der  Protestantischen
  Kindertagesstätte  an  der  Homburger  Straße  gestellt  wurde,  die  Grabungsmaßnahme
  im  ehemals  dicht  besiedelten  Bereich  des  römerzeitlichen  Vicus
realisiert  werden  musste.  Der  bestehende  Kindergarten  war  1915  als  Schule  erbaut
worden.  Bei  den  Aushubarbeiten  stieß  man  seinerzeit  auf  Mauerreste  eines  römischen
  Anwesens.  Die  eigentliche  Sensation  aber  war  der  Fund  eines  Münzdepots,
einer  „Urne“  mit  4.811  Silbermünzen,  die  in  das  Historische  Museum  nach  Speyer
gelangten1.  Homburg  war  zu  dieser  Zeit  zum  Bayerischen  Rheinkreis  gehörig.
Im  Frühsommer  des  Jahres  2005  begannen  die  Sondierungsarbeiten  im  beplanten
  Gelände,  um  Klarheit  über  den  archäologischen  Befund  im  Umfeld  des  Schatzes
  zu  erhalten.  Mit  Hilfe  eines  Baggers  wurde  in  drei  Wochen  eine  Fläche  von  ca.
750  Quadratmetern  freigelegt,  wobei  das  Haus  in  seinem  Grundriss  nicht  vollständig
ergraben  werden  konnte.  Einige  Räumlichkeiten  erstrecken  sich  noch  unberührt  in
das  nördliche  Nachbargrundstück.  Das  freigelegte  Haus  ist  in  seiner  Größe  bislang
nur  mit  dem  bekannten  Haus  des  Augenarztes  im  Freilichtmuseum  vergleichbar2.
Schon  zu  Beginn  der  Arbeiten  wurden  nur  20  cm  unter  der  Erdoberfläche,  die
vorher  als  Spielwiese  des  Kindergartens  diente,  zahlreiche  Hypokaustpfeilerchen
gefunden,  die  belegen,  dass  das  Gelände  in  diesem  Bereich  nie  tief  gepflügt  worden
  war.  Überraschend  war  auch,  dass  das  Haus  über  zwei  sehr  große  Räume  mit
Hypokausten  verfügt  (Abb.  1;  S.  293).
Die  Wohn-  und  Wirtschaftsräume  mit  der  Küche  sind  um  einen  rechteckigen
Innenhof  angelegt,  der  eine  Fläche  von  11,50  m  x  9  m  umfasst.  Von  hier  aus  sind
die  beiden  Hypokausträume  zu  betreten,  von  denen  der  eine  nach  Norden,  der  andere
  nach  Westen  ausgerichtet  war.  Vom  Innenhof  gelangte  man  über  eine  mächtige
  Treppenanlage  in  einen  großen  Kellerraum,  der  eine  Grundfläche  von  etwa
vier  mal  vier  Metern  und  einer  Höhe  von  2,40  Metern  aufweist.  Damit  erreicht  er
die  „Standardhöhe“  der  in  der  Siedlung  ausgegrabenen  Keller.  Seine  Seitenwände
aus  schweren  Sandsteinblöcken  waren  unterschiedlich  hoch  erhalten.  Die  zentral
an  der  Nordseite  angelegte  Kellertreppe,  deren  Steine  ausgeraubt  waren,  hat  eine
Breite  von  fast  zwei  Metern,  wie  anhand  großer  Sandsteinblöcke,  die  die  Laibung
markierten,  feststellbar  war.  Ein  Sandsteinblock  der  Kellerwestwand  wies  drei  unterschiedlich
  ausgearbeitete  Nischen  auf,  die  sicherlich  zur  Aufnahme  von  Lämpchen
  dienten  (Abb.  2;  S.  293).  Die  oft  gestellte  Frage,  ob  hier  möglicherweise  auch

Alfons  Kolling,  Die  Römerstadt  in  Homburg-Schwarzenacker.  Homburg  1993,  S.  44f.
Hier  auch  ein  ausführliches  Literaturverzeichnis  zu  Funden  aus  Schwarzenacker  und  der
Region.  S.  155-162.
2 Ebd.  S.  44f.

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