auch korrekt eingeordnet - gegen eine „Europäisierung“ hätten dann Frankreichs
Politiker und öffentliche Meinung [...] akzeptierf \
Es überrascht nicht, dass in Ausgaben für das Saarland die Ereignisse sehr differenziert
und quantitativ ausführlicher dargestellt werden. In „Menschen, Zeiten,
Räume. Arbeitsbuch für Gesellschaftslehre“ von 2000 werden der Saarfrage zwei
ganze Seiten gewidmet - im Unterschied zu den üblichen wenigen Zeilen35. Hier
wird allerdings dem Thema auch ein wenig von seiner Brisanz genommen, indem
es seinen Platz in einem Methodenkapitel zugewiesen bekommt: Es sollen Zeitzeugen
befragt werden und deren Erinnerungen mit den angebotenen Sachinformationen
verglichen werden. Das ist angesichts der Geschichte und ihrer Erinnerung
„vor Ort“ sicherlich ein sinnvoller Zugang, der die gespaltene Erinnerung verstehbar
machen kann.
Abgesehen von einem besonderen regionalen Interesse gewinnt das Thema in
neuesten überregionalen Geschichtsbüchern durch neue Kontextualisierungen neue
Bedeutung und Präsenz in den Schulbüchern: In einem 2004 erschienenen „Kursheft
Geschichte“ zu „Europa im 20. Jahrhundert“ ist dem Längsschnitt zu den
deutsch-französischen Beziehungen und ihrer Bedeutung für Europa eine Themensonderseite
angefügt: Zwischen Nation und Europa - das Saargebiet. Die brisante
Frage, wie das Ergebnis der Abstimmung von 1935 zu werten sei, wird hier in der
neutralen Fassung geboten, dass sich die Einwohner des Saarlandes 1935 mehrheitlich
für die Zugehörigkeit zu Deutschland entschieden haben, das seit 1933 von
den Nationalsozialisten regiert wurde^. Im Zusammenhang mit den Lösungen der
Saarfrage nach dem Zweiten Weltkrieg wird auf der Grundlage verschiedener
Quellen vor allem die „pragmatische“ Reaktion Frankreichs hervorgehoben, dass
die Entscheidung der Bevölkerung gegen die Europäisierung zugleich auch schon
als Entscheidung für Deutschland akzeptiert habe. Frankreich habe damit einen
4 Zeiten und Menschen K: Geschichte für Kollegstufe und Grundstudium, Bd. 4/11: Politik,
Gesellschaft, Wirtschaft von 1945 bis zur Gegenwart, Neubearbeitung Paderborn (Schöningh)
1995, S. 72.
Beispielsweise Menschen, Zeiten, Räume. Arbeitsbuch für Gesellschaftslehre, Bd. 3
(9./10. Schuljahr) Berlin (Cornelsen) 2000, S. 68f. Ein ausführlicher Informationstext
wird als „Schrift des Saarländischen Landtages von 1998“ ausgewiesen, mehr erfährt
man dazu nicht. Im Sinne von wissenschaftlicher Korrektheit und Transparenz für die
Schülerinnen und Schüler wäre zu wünschen gewesen, wenn nicht der politische Text in
der abgewandelten Form, sondern der zugrunde gelegte, nicht zitierte Originaltext des
Historikers Gerhard Paul hier aufgenommen worden wäre: Von der Bastion im Westen
zur Brücke der Verständigung. Politische Geschichte 1815-1957, in: Saarland - hg. von
Der Chef der Staatskanzlei. Bundeszentrale für politische Bildung 1989, 2. Auflage
1991, S. 23-50. Vgl. auch Entdecken und Verstehen 3, Geschichtsbuch für Klassenstufen
9/10 im Saarland. Von 1917 bis heute, hg. von Dr. Thomas Berger von der Heide und
Prof. Dr. Hans Gert Oomen, Berlin (Cornelsen), S. 102 und 180f.
36 Europa im 20. Jahrhundert. Die europäische Einigungsbewegung und das Europa der
Menschen- und Bürgerrechte, erarbeitet von Frank Bärenbrinker und Christoph Jakubowski,
Kursheft Geschichte, Berlin (Cornelsen) 2004, S. 72.
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