ihnen war die Vaterlandsliebe stärker gewesen als die Angst vor der Diktatur29. In
einer späteren Fassung wird dem hinzugefügt, dass sich die Bevölkerung für die
Rückkehr entschieden [hatte], obwohl sie über den Terrorcharakter der Diktatur
sich durchaus hatte informieren könnend.
Eine Bewertung der Abstimmung hätte man mit entsprechender Quellengrundlage
den Schülerinnen und Schülern überlassen können'1. Dies war etwa „Erinnern
und Urteilen“ ein Anliegen. Weniger lenkend und mit dem nun immer entschiedener
umgesetzten didaktischen Prinzip einer eigenen begründeten Urteilsbildung wird den
Schülerinnen und Schülern das Abstimmungsergebnis in absoluten und Prozentzahlen
vorgestellt mit der Aufgabenformulierung: Was entnehmen Sie dem Abstimmungsergebnis
über die nationale Einstellung der Bevölkerung? - Lässt sich darüber
hinaus auch etwas über die Einstellung zum Nationalsozialismus folgern?
Begründen Sie ihre Auffassung '. Allerdings ist die angebotene Quellengrundlage
für eine solche Begründung zu dünn und man fragt sich, welche Erkenntnis in diesem
Zusammenhang erwartet wird. Die Frage beantwortet teilweise das „Lehrerbegleitheft“.
Hier wird auf die nationale Stimmung der Bevölkerung verwiesen und
erklärt, dass die ,Heimkehr ‘ ins Reich als höherwertig eingeschätzt [wird] als die
Gefahr, unter der Diktatur zu leben. Nationalbewusstsein überlagert demokratisches
Bewusstsein. Die Alternative Frankreich wird strikt abgelehnt; die Alternative
,Internationale Venvaltung' wird vermutlich von Demokraten gewählt \
Immer differenzierter wird nun zugleich die Saarfrage der 1950er Jahre dargestellt.
So wird in „Zeiten und Menschen“ 1995 etwa die schwierige Rolle Adenauers
in den Blick genommen, der zugunsten des deutsch-französischen Ausgleichs
bereit war, auf die Saar zu verzichten und deshalb heftiger Kritik im Parlament
und in der Öffentlichkeit ausgesetzt war. Die Entscheidung der Bevölkerung - nun
29 Zeiten und Menschen. Geschichtliches Unterrichtswerk Ausgabe B, hg. von Robert
Hermann Tenbrock und Kurt Kluxen unter Mitarbeit und Mitwirkung von Rudolf
Endres und anderen, Bd. 4: Zeitgeschichte (1917 bis zur Gegenwart), bearbeitet von
Joachim Immisch, Paderborn (Schöningh) 1978 (Druck 1983), S. 110.
M> Zeiten und Menschen K: Geschichte für Kollegstufe und Grundstudium, Bd. 4/1: Politik,
Gesellschaft, Wirtschaft von 1919 bis 1945, Paderborn (Schöningh) 1990, S. 175.
11 Vgl. dazu Anregungen für den Unterricht bei Jürgen Hannig: Regionalgeschichte und
Auswahlproblematik, in: Geschichtsdidaktik 9 (1984), Heft 1, S. 131-141; DERS., Die
Saarregion. Zeugnisse ihrer Geschichte. Quellenleseheft zur Regionalgeschichte, Frankfurt
am Main (Diesterweg) 1995, S. 84-90; Erinnerungsarbeit: Die Saar ‘33-‘35. Ausstellungskatalog
zur 50-jährigen Wiederkehr der Saarabstimmung vom 13. Januar 1935, hg.
von Richard van Dülmen, Jürgen Hannig und Ludwig Linsmayer, St. Ingbert 1995.
Mikrostudien können hier auch gute Quellen für eine differenzierte Wahrnehmung im
Unterricht liefern, etwa Hans-Walter Herrmann, Püttlingen in bewegter Zeit. Politik
und Gesellschaft 1918-1945, Saarbrücken 2008.
2 Erinnern und Urteilen. Unterrichtseinheiten Geschichte. Bd. 4, Peter Alter, Klaus
Bergmann, Gerhard Hufnagel, Ulrich Mayer, Joachim Rohlfes und Eberhardt
Schwalm, Stuttgart und anderswo (Klett) 1981 (identisch auch noch 1994), S. 88.
33 Jost Grolle und andere, Erinnern und Urteilen, Unterrichtseinheiten Geschichte, Bd. 4,
Lehrerbegleitband, Stuttgart (Klett) 1982, S. 59 (Kapitel verfasst von Klaus Bergmann).
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