Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

ständigkeit  den  inzwischen  geschichtlich  gewordenen  Prozeß  einer  großtechnischen
  Roheisenerzeugung  zeigen.  Sie  ist  Synonym  und  Symbol  der  Leistungen
des  Menschen  in  der  ersten  und  zweiten  industriellen  Revolution,  eine  ,Kathedrale1
des  Industriezeitalters.
Es  ist  (in  Westeuropa)  kein  anderes  geschichtliches  Hochofenwerk  bekannt,  das
in  gleicher  Weise,  gleicher  Authentizität  und  gleicher  Vollständigkeit,  herausgehoben
  zudem  durch  technikgeschichtliche  Meilensteine  innovativer  Ingenieurkunst,
  den  Gesamtprozeß  der  Eisenverhüttung  zeigen  kann.  Durch  das  Denkmal
Völklinger  Hütte  kann  die  europäische  Industriegeschichte  des  19.  Jahrhunderts
allgemein,  besonders  aber  auch  die  Geschichte  der  grenzüberschreitenden
Industrieregion  Saar-Lor-Lux  im  Zentrum  Europas  anschaulich  gemacht  werden.
Die  Hütte  ist  auch  Identifikationssymbol  der  Saarindustrie.
Seiner  Zukunft  gaben  wir  im  gleichen  Antrag  folgende  Perspektive:
„Die  Völklinger  Hütte  soll  als  Industriemuseum  erhalten  bleiben  und  als  Forschungsstätte
  für  Eisen,  Stahl  und  Umweltprobleme  gestaltet  und  entwickelt  werden.
  Der  konzipierte  Museumspark  kann  alle  wichtigen  Stationen  einer  historischen
  Roheisenproduktion  erschließen.  Vom  Erzbunker  über  Kokerei,  Sinteranlage
  (Rohstoffzubereitung  und  Rohstofflagerung),  über  Hängebahn,  Hochofengruppe,
  Trockengasreinigungen,  Gasgebläsehalle  (Roheisenerzeugung)  bis  hin  zu
einer  historischen  Walzenzugmaschine  sind  alle  Bereiche  der  Eisenindustrie  erlebbar.
  Die  Baulichkeiten  der  Sinteranlage  und  des  Möllerbunkers  bieten  langfristig
Raum  für  die  Einrichtung  eines  europäischen  Museums  für  Eisen  und  Stahl“.
Strategien  zum  Umgang  mit  dem  Denkmal
Drei  Modelle  zu  einem  neuen  Gebrauch  und  eine  Vision  :
Drei  „Umgangs“-modelle  haben  wir  im  Laufe  der  letzten  Jahre  entwickelt,  vernetzt
und  teilweise,  im  wörtlichsten  Sinne,  im  Umgang  erprobt.
Der  vergessene  Gebrauch,  die  kontrollierte  Industrieruine.
Als  erstes  Modell  erfanden  wir  den  Begriff  der  kontrollierten  Industrieruine,  ein
Begriff  oder  Zugriff  unserer  Ohnmacht,  der  Trauer  und  Abschied  vermitteln,  ganz
nebenbei  aber  auch  Hoffnung  stiften  sollte:  mit  knappstem  Etat  ein  ausgesprochen
schwieriges  Denkmal  auf  noch  ungewisse  Zeiträume  hin  erhalten  zu  können.  Zeit
oder  Zukunft  waren  das  erste  und  wichtigste  Ziel,  das  in  der  Auseinandersetzung
mit  den  Abbruchparteien  zu  gewinnen  war.
In  der  Umsetzung  des  Begriffs  wollten  wir  -  in  moderner  Analogie  zum  Ruinenumgang
  des  18.  und  19.  Jahrhunderts  -  den  überlieferten  Bestand  im  Strom
und  unter  dem  Einfluss  der  Zeit  vorsichtig  binden  und  sichern  und  solange  erhalten,
  wie  die  Substanz  es  bei  sparsamster  Investition  zuließ.  Der  Einsturz  bestimmter,
  über  das  vorhandene  Revisionssystem  von  Treppen,  Podien  und  Gangways
nicht  zugänglicher  Teile  war  dabei  einkalkuliert.
Der  zum  Zeitpunkt  der  Stillsetzung  der  Roheisenanlage  1986  erfundene  Begriff
von  der  Hütte  als  Ruine  und  Denkmal  auf  Zeit  stieß  in  der  Politik  und  bei  der
Bevölkerung  auf  allgemeines  Unverständnis.  Unterstützt  wurden  wir  damals  einzig
und  allein,  jedoch  sehr  eindrücklich  von  Gert  Seile,  der  im  Rahmen  von
Steelopolis  1990  für  die  Unantastbarkeit  des  erloschenen  Feuers,  die  Unantast¬483


            
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