Widerstand gab es trotzdem weiterhin: viele Völklinger mochten den Anblick
des rostenden Kolosses, des Schrotthaufens, des Sinnbildes eines unerträglichen
Endes gewohnter Arbeit und Lebenssicherheit nicht ertragen. Noch heute - die Arbeitslosigkeit
in der Stadt Völklingen hatte sich, trotz der segensreichen Arbeit der
Stahlstiftung und der besonderen Fürsorge der Hütte für ihr Personal, auf mehr als
20% aller Beschäftigten Völklingens erhöht - würden viele der alten Arbeiter den
heute blauen Himmel über der Saar, und den Anblick des Schnees auf den Hochöfen
im Winter, gegen die Hölle ihrer gewohnten Arbeit, rauchende und staubschleudernde
Schlote, verdunkelte Himmel, unerträglich heiße und lärmende,
schwerste Arbeitsplätze in stickiger, giftiger Luft tauschen wenn ihr „Schätzchen“
- Kosename der Hütte - ihnen wieder Arbeit gäbe.
Zur Alten Völklinger Hütte bekannten sich die Saarländer endgültig und ohne
Vorbehalt, als sie im Dezember 1994 mit der Hütte in den Olymp des Welterbes
aufstiegen, als Ministerpräsident Oskar Lafontaine am 13. August 1995 die Urkunde
der UNESCO für einen „lächelnden Koloss“, Synonym und Symbol saarländischer
Arbeit und saarländischen Erfindungsgeistes, entgegennahm und dabei
ganz nebenbei über die Anstrengungen der Politik und der Planer spöttelte, Nutzungskonzepte
für diesen Koloss zu finden. An diesem Tag feierten die Saarländer
ein großes Fest rund um die Hochöfen. Die Trauer war dem Stolz gewichen und
der Gewissheit, dass einzig und allein ihr industrieller Fleiß - untertage und auf der
Hütf - ihre Existenz als Saarländer begründet hatte. Die Völklinger Hütte war
über den Umweg des Weltkulturerbes zum saarländischen „Nationaldenkmal“ geworden.
Zur Geschichte der Hütte, ihrer Bedeutung und ihres Bedeutungswandels
Mit dem inzwischen volkstümlich gewordenen Arbeitsbegriff „Alte Völklinger
Hütte“ umgreifen wir als Denkmal der Roheisenerzeugung des späten 19. und frühen
20. Jahrhunderts:
• die Hochofenzeile (1882-1903) mit 6 Öfen und 18 Cowpem,
• das Begichtungssystem (1911-1918) mit 2 Schrägaufzugsbrücken für Erz- und
Kohle und selbstlaufenden Gichtwagen,
• drei Trockengasreinigungen (1911-1913),
• eine Kokerei aus den 30er Jahren mit Kohleturm und Füllmaschinen,
• die Sinteranlage (1928-1930) mit Sinterkühler, Entstaubung und Förderanlage
zum Möllerbunker, den Erz- und Kohlesilos,
• die Handwerkergasse (ab 1900) zur Wartung der Anlage,
• das Gasgebläsemaschinenhaus, kurz: Gebläsehaus (1900-1934),
• den Wasserturm (1918) mit Pumpenhaus, sowie
• das Kraftwerk 1 (1897-1912) mit Resten der ersten Puddelofenhalle (1872).
Das Hüttenensemble - Gegenstand der Weltkulturerbeliste - ergänzt sich inzwischen
um folgende Denkmäler
• das Empfangsgebäude des Hüttenbahnhofs (1900),
• zwei Gasometer (1930-1931, 1 Teleskop und 1 Scheibenbehälter) und
• die Schleusenanlage mit Schleusenwärterhaus (1877) der Staustufe Völklingen-Wehrden
aus den Jahren 1873-1876.
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