Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Das  zweite:
Alle  restlich  verbliebenen  Flächen,  mehr  als  50  Hektar  der  Brache  also,  waren
mehr  oder  minder  stark  kontaminiert.  Die  Flächen  der  Kohlewertstoffanlagen  und
Nebenanlagen  der  Kokerei  so  stark,  dass  sie  sich  jeder  wirtschaftlichen  Folgenutzung
  dauerhaft  verweigern  mussten.  Die  Reinigung  der  Böden  hätte  mehr  als  1
Milliarde  DM  verschlungen.
Das  dritte:
Im  Kampf  um  das  wirtschaftliche  Überleben  der  verbliebenen  Hütte,  die  kurze
Zeit  nach  Aufgabe  der  Roheisenerzeugung  in  den  Konkurs  geriet,  waren  alle  noch
nutzbaren,  unkontaminierten  Flächen  im  Eigentum  von  Saarstahl  geblieben,  alle  belasteten
  dagegen  an  das  Saarland  gegangen,  ohne  dass  es  diesmal  für  das  Land  oder
die  Stadt  großartige  Finanzhilfen  zur  Revitalisierung  der  Brache  gegeben  hatte.
Der  städtebauliche  Rahmenplan,  den  die  Stadtväter  Völklingens  nach  vierjährigem,
  heftigen  Streit  über  den  Erhalt  des  Denkmals  Ende  1990  beschlossen  hatten,
war  ein  erster,  sehr  wichtiger  Erfolg:  in  diesem  Plan  fanden  sich  die  komplette
Hochofenzeile  mit  allen  Cowpern,  Teile  der  Kokerei,  alle  Trockengasreinigungen,
die  Sinteranlage  die  Handwerkergasse  und  last  but  not  least  das  Gebläsehaus  und
der  Wasserturm  -  kurzum  das  ganze  Denkmalensemble  -  zum  Erhalt  bestimmt,  da
stadtbildprägend  und  solcher  Art  nützlich  als  Erinnerungsstücke  einer  großen,  eisernen
  Vergangenheit,  vorausgesetzt  die  Stadt  Völklingen  träfen  keine  Kosten  des
Denkmalserhalts.  Einzig  die  Sinteranlage  mit  Erz-  und  Möllerbunkern  sollten
durch  Neubauten  für  industrielle  -  gewerbliche  -  Nachfolgenutzungen  ersetzt  werden,
  Begriffen  war:
Die  Stadt  ist  die  Hütte,  die  Hütte  die  Stadt.
Den  Gewinn  dieser  Perspektive  verdankt  die  Denkmalpflege  der  energischen  Intervention
  einer  nationalen/internationalen  Architektenschaft,  ln  dem  bemerkenswert
  offenen  städtebaulichen  Planverfahren  hatten  sich  nicht  nur  Peter  Zlonicki
(Dortmund;  an  ihn  ging  der  1.  Preis),  Bernd  Tschumi  (Paris)  und  Thomas  Sieverts
(Darmstadt),  sondern  alle  Eingeladenen,  die  Obergutachter  eingeschlossen,  rigoros
geweigert,  dem  Wunsch  der  Stadt  zu  folgen,  Alternativen  ohne  die  Denkmale  der
Roheisenerzeugung  zu  suchen.  Zwei  Jahre  später,  am  30.  Juni  1992,  beschloss  das
Kabinett  des  Saarlandes,  auf  Vorschlag  seines  damaligen  Kulturministers  Prof.  Dr.
Diether  Breitenbach:  Das  Saarland  erhält  das  Denkmal  der  Roheisenerzeugung  in
Völklingen.
Ein  technisches  Gutachten  der  Saarstahl  AG  hatte  den  Erhalt  des  Denkmalkomplexes
  kostengünstiger  veranschlagt  als  seinen  Abbruch  und  die  Wiederaufbereitung
  der  in  Teilen  stark  kontaminierten  Flächen  für  neue  gewerblich-industrielle
Nutzungen.  Plötzlich  also  rechnete  sich  sogar  das  Denkmal  als  „Altlast“,  zunächst
ohne  große  weitere  Folgen.  Immerhin:  die  Denkmalpflege  und  ihre  Völklinger
Freunde  kamen  aus  der  Deckung  heraus  und  verlegten  sich  von  subversiver  Werbung
  und  verschämter  Inwertsetzung  auf  offensiveres  Handeln.  Nachdem  die  EG
in  Brüssel,  weitsichtig  bereits  1989,  auf  Drängen  der  Denkmalpflege  erste  Mittel
zur  Sicherung  des  Daches  des  Gebläsehauses  gegeben  hatte,  schlossen  sich  jetzt
das  Bundesinnenministerium,  die  Deutsche  Stiftung  Denkmalschutz  und  das  Saarland
  zusammen,  um  erste  Mittel  für  eine  systematischere  Erhaltung  des  Denkmals
zu  geben.

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