ten von 1975 blieb das Unternehmen auch von 1976 bis 1979 weiter in den roten
Zahlen75.
Auch das Neunkircher Eisenwerk war unter dem Druck der Krise von dramatischen
Veränderungen betroffen76. Als Reaktion auf die bereits 1976 existenzbedrohende
Situation (vgl. Abschnitt 3.1) kam es 1978 zur Fusion von Röchling-Burbach
mit dem Eisenwerk Neunkirchen unter Führung der luxemburgischen
ARBED. Die Landespolitik unterstützte den grenzüberschreitenden Fusionsprozess
aufgrund der Tatsache, dass in den 1970er Jahren rund 25 Prozent der industriellen
Arbeitsplätze im Saarland mit der eisenschaffenden und stahlverarbeitenden
Industrie verbunden waren und bei einem Totalbankrott der Stahlindustrie die Auflösung
des Bundeslandes befürchtet wurde77. Ungeachtet vielfältiger industriepolitischer
Gegensteuerungsmaßnahmen konnte der Arbeitsplatzabbau, der insbesondere
während der 1980er Jahre - nach der Rezession von 1981/2 - rasant
voranschritt, allerdings nicht gestoppt werden: Durch die schrittweise und
schließlich nahezu vollständige Stilllegung der Produktionsstätten in Neunkirchen
und Burbach wurden von 1979 bis 1987 ca. 15.000 Arbeitsplätze allein in
Völklingen, Neunkirchen und Burbach abgebaut (siehe Abb. 14). Zugleich erzwang
die Stahlkrise - neben den im Saarland aufgrund standortabhängiger Verhüttungsmöglichkeiten
s relativ spät einsetzenden unternehmerischen Anpassungen
an die modernen Sauerstoff- und Elektro-Verfahren (vgl. Tab. 2) - eine weitere
Spezialisierung und Konzentration der Produktion in der Region: in Völklingen
entstanden ein neues Blasstahlwerk für Spezialstähle und neue Produktionsstätten
für Schmiede- und Walzerzeugnisse, zudem wurde die Drahterzeugung in Burbach
konzentriert und eine Verbundwirtschaft in der Roheisenerzeugung und Koksherstellung
mit der Dillinger Hütte aufgebaut.
75 Die Verluste beliefen sich 1976 auf 92.114.595 DM, 1977 auf 210.653.740 DM, 1978
auf 226.405.619 DM und 1979 auf 66.319.885 DM. Vgl. Geschäftsberichte der
Stahlwerke Röchling-Bürbach GmbH 1976-1979.
Die Verluste beliefen sich 1976 auf 45.556.746,23 DM, 1977 auf 30.572.993,17 DM und
1978 auf 66.089.904,31 DM, Vgl. Berichte über das Geschäftsjahr der Neunkircher
Eisenwerks AG, vormals Gebrüder Stumm 1976-1978.
77 Vgl. Esser, Krisenregulierung (wie Anm. 72).
x Im Gegensatz zum traditionellen Thomas-Verfahren, mit dem lange die bei niedrigen
Arbeitskosten lukrative Verhüttung der kostengünstigen heimischen Minette-Erze betrieben
wurde, war das Sauerstoff-Verfahren nicht zur Verarbeitung von Minette-Erzen,
sondern nur für die Verhüttung von Import-Erzen geeignet. Vgl. Burtenshaw, Problem
Regions (wie Anm. 72), S. 17.
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