Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Die  ehemalige  Geländesenke  mit  der  seenartigen  oder  sumpfigen  Flachwasserzone
  wurde  poströmerzeitlich  komplett  mit  rotem,  sandigem  Lehm  verfullt,  sodass
die  Geländesenke  im  aktuellen  Relief  nicht  mehr  wahrgenommen  werden  kann.
Ein  Geländeschnitt  westlich  der  Weiheranlagen  schließt  die  mehrere  Meter  mächtige
  poströmerzeitliche  Verfüllung  aus  rötlichem  sandigem  Lehm  bis  lehmigem
Sand  auf.  Die  wenigen  Funde  datieren  in  die  Römerzeit.  Die  Mächtigkeit  nimmt
zur  Blies  hin  zu.
Da  im  Geländeschnitt  südlich  der  Thermen  eine  entsprechende  rote  Lehmschicht
  oberhalb  der  römerzeitlichen  Schichten  auftritt  (Abb.  7,  S.  292),  kann  man
die  Ausdehnung  dieser  Senke  abschätzen.  Die  geringe  Mächtigkeit  im  Süden  deutet
  den  Rand  der  Senke  an.  Der  westliche  Siedlungsrand  südlich  der  Thermen  lag
also  vermutlich  am  Rande  dieser  Senke,  die  einen  flachen  Zugang  zur  Blies  ermöglichte.
  Die  tiefste  Zone  der  Senke  lag  westlich  der  Weiheranlagen.  Funde  belegen,
dass  die  Verfüllung  der  Geländeform  poströmerzeitlich  stattfand.  Das  heutige  steile
Ufer  der  Blies  ist  bedingt  durch  mittelalterliche  oder  neuzeitliche  Ablagerungen.
Heute  sind  2-3  Uferwälle  im  Abstand  von  2-25  Meter  zur  Blies  nachweisbar,  die
eine  weitergehende  Westverlagerung  der  Blies  nachzeichnen.
Die  fränkische  Siedlung  Reinheim  wurde  auf  einer  höheren  Hangverebnung  angelegt.
  Dies  könnte  mit  einer  veränderten  Überschwemmungssituation  in  der  Aue
Zusammenhängen.  In  der  römischen  Siedlung  Bliesbruck  hingegen  gibt  es  keine
Hinweise  auf  eine  Überschwemmung  des  römischen  Siedlungsbereiches  auch  in
späterer  Zeit.
Im  Bereich  südwestlich  der  Thermen  findet  man  Hinweise  auf  ein  ehemaliges
Fließgewässer.  Im  Bodenprofil  ist  ein  altes  Bachbett  mit  organischer  Verfüllung
deutlich  zu  sehen.  Die  Schichtung  und  die  Laboranalysen  lassen  darauf  schließen,
dass  die  Störungszone  westlich  der  Geländekante  diesem  Bachbett  zuzuordnen  ist.
Die  im  Profil  lokalisierten  Steinsetzungen  an  der  Kante  sind  möglicherweise  als  alte
  Uferbefestigung  zu  deuten  und  haben  die  Ausbildung  der  Geländekante  begünstigt.
  Die  Struktur  liegt  in  beiden  Profilen  südlich  der  Thermen  im  Niveau  über
den  römerzeitlichen  Schichten,  sie  ist  also  jünger.
Synthese
Die  Siedlungskammer  im  Bliestal  zwischen  Reinheim  und  Bliesbruck  bietet  ideale
Bedingungen  zur  Rekonstruktion  des  Einflusses  des  Menschen  auf  die  Relief-  und
Landschaftsgeschichte  im  Verlauf  des  Holozäns.  Seit  dem  Mesolithikum  besteht
im  Bereich  der  Bliesaue  bei  Reinheim/Bliesbruck  Siedlungskontinuität,  die  es  anhand
  der  zahlreichen  Funde  und  Befunde  erlaubt,  die  Sedimentations-  und  Erosionsphasen
  zu  datieren.  Anhand  der  pedologischen  und  sedimentologischen  Befunde
  lässt  sich  die  Landschaftsentwicklung,  insbesondere  Veränderungen  der  Flusslandschaft
  und  der  sie  formenden  fluviatilen  Prozesse  rekonstruieren  und  das  Ausmaß
  des  anthropogenen  Einflusses  abschätzen.
Zwischen  dem  Mesolithikum  und  der  Bronzezeit  herrschte  in  der  gesamten  Aue
der  Siedlungskammer  weitgehend  geomorphologische  Formungsruhe.  Nur  im  direkten
  ufemahen  Bereich  der  Blies  konnten  größere  Veränderungen  nachgewiesen
werden.  Die  Ausbildung  einer  flachen  Furt  der  Blies  war  hierbei  für  das  Wegesystem
  von  zentraler  Bedeutung.  Bis  in  die  Römerzeit  bestand  im  westlichen  Bereich
des  Reinheimer  Allmend  und  westlich  des  Vicus  Bliesbruck  eine  Geländesenke
und  Furt  der  Blies,  deren  Ufer  wesentlicher  flacher  verlief  als  das  heutige  Land¬49


            
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