liehe Arbeitskräfte darstellen, gehörten zu den Branchen, deren dauerhafte Ansiedlung
im Saarland nur in seltenen Fällen gelang49.
Neue Jobs für Frauen entstanden daher fast ausnahmslos im tertiären Sektor.
Gerade weil also die Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere männliche und generell
für weibliche Erwerbslose so schlecht waren, wurde ein großer Teil dieser
Gruppen von vornherein vom Arbeitsmarkt fern gehalten und taucht deshalb gar
nicht in der Arbeitslosenstatistik auf. Außerdem hat die seit den 1960er Jahren zunehmende,
wenngleich prozyklische Abwanderung30 aus dem Saarland einen noch
stärkeren Anstieg der Arbeitslosenquote verhindert.
Angesichts dieser vielfältigen Krisensymptome wäre es nicht verwunderlich,
wenn die saarländische Bevölkerung das damalige Krisenjahrzehnt als viel gravierender
wahrgenommen hätte als dies die Entwicklung der Arbeitslosigkeit widerspiegelt.
Ohne diese soziokulturellen, unmittelbar praxisrelevanten Folgeeffekte zu
vertiefen, sei bereits an dieser Stelle - die bisherigen Ausführungen zusammenfassend
- zumindest auf den großen Handlungsdruck verwiesen, der während
des Untersuchungszeitraums auf der saarländischen Gesellschaft lastete. Bevor auf
diese Herausforderung vor allem unter wirtschaftspolitischem Aspekt noch einmal
im letzten Abschnitt zurückzukommen sein wird, soll zunächst der Fokus auf
einzelne Unternehmen gerichtet werden.
3. Die Konjunktur- und Strukturkrisen der „langen“ 1970er
Jahre in den saarländischen Unternehmen der Stahlindustrie
Die vorstehende Analyse hat verdeutlicht, dass die regionalwirtschaftliche Entwicklung
an der Saar in den „langen“ 1970er Jahren - neben der Kohlekrise - insbesondere
durch die Krise der Stahlindustrie geprägt war. Deshalb konzentriert
sich nachfolgende untemehmenshistorische Betrachtung vor allem auf ausgewählte
Stahlunternehmen. Dabei geht es um die Herausarbeitung sowohl unternehmensübergreifender
als auch -spezifischer Bestimmungsfaktoren und Erscheinungsmerkmale
der damaligen Krisenprozesse, die einerseits aus der besonderen Konjunkturreagibilität
der Branche, andererseits aber aus langfristig gewachsenen
Strukturveränderungen des Stahlmarktes resultieren und im Saarland - wie überall
in Westeuropa - eine Restrukturierung der Stahlindustrie erforderlich machten.
3.1 Die besondere Konjunkturreagibilität der Eisen- und Stahlbranche
Die Stahlbranche war - wie schon im 19. Jahrhundert - innerhalb der bundesdeutschen
Wirtschaft ein Zweig mit überdurchschnittlich hoher Konjunkturreagibilität*
51, die aufgrund ihrer sozioökonomischen Folgewirkungen zugleich eine
4y Vgl. Christian Augustin und andere, Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung im
Grenzraum Saar-Lor-Lux, Saarbrücken 1978, S. 118-120; Albrecht, Wirtschaftsstruktur
(wie Anm. 46), S. 25-32.
>ü Vgl. Geppert, Wirtschaftliche Entwicklung (wie Anm. 20), S. 42.
51 Vgl. Werner Plumpe, Krisen in der Stahlindustrie der Bundesrepublik Deutschland, in:
Friedrich-Wilhelm Henning (Hg.), Krisen und Krisenbewältigung vom 19. Jahrhundert
bis heute, Frankfurt/Main 1998, S. 70-91.
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