war. Auch hier können Besonderheiten des Saarlandes durch einen Vergleich zu
den Daten für die BRD deutlich gemacht werden. Signifikant sind folgende
Tendenzen:
1. Aufgrund der Bergbaukrise lag die Arbeitslosenquote schon am Beginn
der Untersuchungsperiode deutlich über dem Bundesdurchschnitt, war
1967 mit 3,5% immerhin doppelt so hoch wie in der BRD (1,7%).
2. Im folgenden Aufschwung sank die Arbeitslosenquote im Saarland jedoch
noch einmal und erreichte 1970 mit 1,1% ein Minimum.
3. Im Gegensatz zur sonstigen Entwicklung in der BRD nahm im Saarland
die Arbeitslosigkeit während des hier ohnehin deutlich schwächeren Aufschwungs
von 1976 bis 1978 kontinuierlich zu und auch 1979/80 nur marginal
ab, so dass - anders als noch 1970/71 - im Aufschwung der späten
siebziger Jahre keine Vollbeschäftigung erreicht werden konnte. Im Saarland
entstand also schon nach der Rezession von 1974/75 eine strukturell
bedingte Arbeitslosigkeit, da hier weder die Investitionsgüterindustrie
noch der tertiäre Sektor die Arbeitsplatzverluste der „alten“ Industrien
ausgleichen konnten. In den meisten anderen Regionen der Bundesrepublik
bildete sich diese „Sockelarbeitslosigkeit“ erst nach der Rezession
von 1982/83 heraus45 47.
Die vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit in der Mitte der sechziger Jahre kann
sicher auf die Bergbaukrise zurückgeführt werden. Die unterschiedliche Entwicklung
der Arbeitslosenquoten nach den Rezessionen von 1967 sowie 1974/75 könnte
die These bestätigen, dass die Neuansiedlung von Industrien in den späten sechziger
Jahren erfolgreicher war als in den späten Siebzigern. In einer zeitgenössischen
Untersuchung zur Arbeitsmarktentwicklung heißt es dazu: Während der
Kohlekrise gab es noch alternative Arbeitsplätze, in der Stahlkrise war das nicht
mehr der Fall46. Allerdings reicht der Indikator „Arbeitslosenquote“ nicht aus, um
die Probleme auf dem saarländischen Arbeitsmarkt in seiner Komplexität widerzuspiegeln.
Dieser wies einige Besonderheiten auf, die wiederum aus der spezifischen
Industriestruktur sowie der Art des Strukturwandels resultierten. Zunächst
fällt die im bundesdeutschen Vergleich einzigartig niedrige Erwerbsquote auf. Diese
lag in den 1970er Jahren im Saarland zwischen 36,3 und 38 %, in der BRD jedoch
zwischen 43,7 und 44 %47. Der wichtigste Grund dafür war die traditionell
geringe Erwerbsquote der Frauen, die in der Regel auf die montanindustrielle
Prägung der Region und mitunter auch auf die hohe Wohneigentumsquote zurückgeführt
wird. Die weibliche Erwerbsquote betrug 1976-78 zwischen 22 und 23 %
45 Vgl. Abelshauser, Deutsche Wirtschaftsgeschichte (wie Anm. 25), S. 309-314.
46 Vgl. Christoph Albrecht, Wirtschaftsstruktur, Bevölkerungsstruktur, Struktur der
Arbeitslosigkeit im Saarland, Berlin 1980, Zusammenfassung.
47 Ebd. S. 8-12. - Wie beträchtlich hier eine Differenz von 6 bis 7 Prozentpunkten ist, wird
unter anderem dadurch verdeutlicht, dass sich die Erwerbsquote seit der Industrialisierung
nur unwesentlich verändert hat. Vgl. Toni Pierenkemper, Beschäftigung und Arbeitsmarkt,
in: Gerold Ambrosius, Dietmar Petzina und Werner Plumpe (Hg.),
Moderne Wirtschaftsgeschichte. Eine Einführung für Historiker und Ökonomen, München
1996, S. 249.
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