Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Spezialproduktion.  Veraltete  und  beschäftigungsintensive  Anlagen  wurden  häufig
geschlossen40.
Die  saarländische  Stahlindustrie  war  von  der  Krise  besonders  stark  betroffen41.
Sie  hatte  zum  Zeitpunkt  der  Wiedereingliederung  in  die  Bundesrepublik  gegenüber
den  anderen  deutschen  Revieren  einen  Rückstand  in  Bezug  auf  Betriebsgröße,
Konzentrationsgrad  und  technologische  Entwicklung.  Dieser  konnte  zwar  im  Laufe
der  1960er  Jahre  etwas  verringert  werden.  Doch  reichten  die  bisherigen  Investitionsentscheidungen
  und  organisatorischen  Veränderungen  offenbar  nicht  aus,
langfristig  entstandene  und  verfestigte  Wettbewerbsnachteile  zu  kompensieren.
Nur  die  Dillinger  Hütte  hatte  sich  modernisiert  und  auf  Flachstahl  spezialisiert.
Dadurch  konnte  sie  sich  -  wie  noch  gezeigt  wird  -  wesentlich  besser  in  der  Krise
behaupten  als  die  Werke  in  Völklingen,  Neunkirchen  und  Burbach42.
2.4  Der  regionalwirtschaftliche  Aufstieg  von  Fahrzeugbau  und
Elektroindustrie
Die  in  den  Abbildungen  3  und  4  dargestellten  Entwicklungen  der  saarländischen
Industrie  zeigen,  dass  in  den  „langen“  1970er  Jahren  sowohl  hinsichtlich  der  Beschäftigung
  als  auch  beim  Umsatz  nur  die  Investitionsgüterindustrie  einen  deutlich
positiven  Trend  aufwies.  Dafür  waren  vor  allem  die  Automobilindustrie,  deren
Produkte  nicht  (mehr)  im  eigentlichen  Sinne  als  Investitionsgüter  bezeichnet  werden
  können,  sowie  deren  Zulieferer  verantwortlich.  Eine  Analyse  der  Umsätze  in
den  der  Investitionsgüterindustrie  zugerechneten  Branchen  zeigt,  neben  einer  allgemeinen
  Zunahme,  eine  weit  überdurchschnittliche  Steigerung  der  Bedeutung  des
Fahrzeugbaus  seit  den  späten  sechziger  Jahren.  Dort  arbeiteten  und  arbeiten  aber
nur  ein  Drittel  der  in  der  saarländischen  Fahrzeugindustrie  Beschäftigten.  Die  überwiegende
  Mehrheit  stellt  in  kleinen  und  mittelständischen  Unternehmen  Kfz-Teile,
Motor-  oder  Karosserieelemente  her  oder  ist  in  Reparatur-  und  Lackierbetrieben
tätig.  Wenn  man  weitere  Zulieferer  aus  den  Bereichen  der  Gummiverarbeitung,  der
Herstellung  von  Gesenkschmiede-  und  Gussteilen,  dem  Maschinenbau  und  der
Elektrotechnik,  der  Textilindustrie  und  Kunststoffwarenherstellung  hinzunimmt,

40  Vgl.  Folker  Fröbel,  Jürgen  Heinrichs  und  Otto  Kreye,  Die  neue  internationale  Arbeitsteilung.
  Strukturelle  Arbeitslosigkeit  in  den  Industrieländern  und  die  Industrialisierung
der  Entwicklungsländer,  Reinbek  1977;  Ame  Gieseck,  Krisenmanagement  in  der
Stahlindustrie.  Eine  theoretische  und  empirische  Analyse  der  europäischen  Stahlpolitik
1975  bis  1988,  Berlin  1995,  S.  27-35;  Kerz,  Bewältigung  (wie  Anm.  5),  S.  8-19.
41  Vgl.  dazu  den  ausführlichen  Abschnitt  in  3.
42  Vgl.  Wolfgang  BrOcher,  Struktur-  und  Standortveränderungen  der  saarländischen
Eisen-  und  Stahlindustrie  unter  dem  Druck  der  Krise,  in:  Ders.  (Hg.),  Das  Saarland.  Beharrung
  und  Wandel  in  einem  peripheren  Grenzraum  (Bd.  1),  Saarbrücken  1989;  S.  227-242;
  Josef  Esser,  Krisenregulierung  und  Gewerkschaften  -  Das  Beispiel  der  saarländischen
  Stahlindustrie,  in:  Gewerkschaftliche  Monatshefte  1978/12,  S.  65-68;  Eva
Kirchdörfer,  Keynesianismus  und  seine  wirtschaftspolitische  Umsetzung  im  Saarland
1966-1982  -  Eine  rezeptionshistorische  Betrachtung,  Magisterarbeit  Saarbücken  1999,  S.
89-92.
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