Full text: Historische Blicke auf das Land an der Saar

2.3 Die Strukturkrisen in der saarländischen Montanindustrie - 
Niedergang des Steinkohlebergbaus und Produktionsein¬ 
brüche in der Stahlerzeugung 
Im Saarland befand sich das zweitwichtigste Montanrevier der Bundesrepublik. Im 
Vergleich zum größeren Revier an der Ruhr existierten allerdings einige Nachteile. 
Nachdem das Saargebiet direkt nach 1945 noch von der französischen Besatzung 
profitiert hatte, verlor es seit Anfang der fünfziger Jahre im Vergleich zur Bundes¬ 
republik der Wirtschaftswunderzeit an wirtschaftlicher Dynamik’1. Angesichts der 
unsicheren politischen Zukunft gab es nur noch wenige französische Investitionen, 
so dass sich die saarländische Montanindustrie nach der wirtschaftlichen Einglie¬ 
derung in die Bundesrepublik im Jahre 1959 mit ihrer nicht immer wettbewerbs¬ 
fähigen technologischen Basis auf einem durch die Konkurrenz von der Ruhr be¬ 
reits beherrschten Markt nur schwer etablieren konnte33 34. Nachteilig wirkten sich 
zudem verkehrsgeographische Faktoren aus. Die Region war über die Eisenbahn 
nur unzureichend an das Bundesgebiet angebunden. Immerhin transportierte die 
Bundesbahn jedoch saarländische Massengüter zu einem ermäßigten Tarif, wo¬ 
durch der fehlende Wasserstraßenanschluss kompensiert werden sollte. Nach dem 
1966 beendeten Ausbau der Mosel zu einer leistungsfähigen Wasserstraße und 
letztlich ergebnislosen Debatten über den Bau eines Saar-Pfalz-Kanals wurde erst 
1973 beschlossen, auch die Saar zu kanalisieren '5. 
Für den saarländischen Steinkohlebergbau kam hinzu, dass zeitgleich mit der 
Eingliederung des Saargebietes in die Bundesrepublik in ganz West- und Mittel¬ 
europa eine Strukturkrise einsetzte, in deren Folge Produktion und Beschäftigung 
drastisch reduziert wurden’6. Nachdem die Beschäftigtenzahl im saarländischen 
Steinkohlebergbau im Jahre 1959 mit 55.752 einen Höhepunkt erreicht hatte, ging 
sie bis 1974 auf 21.411 zurück. Sie sank also innerhalb von nur 15 Jahren auf 38% 
des Ausgangsniveaus37. 
33 Vgl. Heinz MÜLLER, Probleme der Wirtschaftsstruktur des Saarlandes, Luxemburg 1967, 
S. 16f.; Armin Heinen, Saarjahre. Politik und Wirtschaft im Saarland 1945-1955, 
Stuttgart 1996, S. 499-502. 
'4 Vgl. Hans-Walter Herrmann, Wirtschaftliche und soziale Entwicklung 1918-1959, in: 
Ders. (Hg.), Das Saarland. Politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung, Saar¬ 
brücken 1990, S. 75-79; Marcus Hahn, Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956- 
1970. Regionale Politik zwischen Eingliederung in die Bundesrepublik Deutschland und 
Kohlekrise, Saarbrücken 2003, S. 84-88, 175-182. 
35 Vgl. Karl Mathias (Hg.), Wirtschaftsgeographie des Saarlandes, Saarbrücken 1980, S. 
23 5 f. 
36 Vgl. Abelshauser, Deutsche Wirtschaftsgeschichte (wie Anm. 25), S. 200-214. 
’7 Vgl. Abb. 4 sowie Arnold KÜnzer, Die Auswirkungen der Montanindustrie auf die Struk¬ 
tur und Entwicklung der saarländischen Wirtschaft, in: Statistische Nachrichten 3 (1991), 
S. 21. 
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