dieser These wurden die Daten zur Beschäftigung und Produktion der einzelnen
Branchen erhoben, die in den folgenden Abschnitten ausgewertet werden.
Die regionalwirtschaftliche Entwicklung zeigte aber nicht nur hinsichtlich der
Zyklizität, sondern ebenso in der Dynamik des Wachstums gewisse Auffälligkeiten.
So erwirtschaftete das Saarland 1970 mit nur 78,6% des bundesdeutschen
Durchschnitts (incl. Westberlin) im Ländervergleich das niedrigste Bruttosozialprodukt
(künftig: BSP) pro Einwohner20. In den siebziger Jahren kam es dann in
allen Ländern mit niedrigem Ausgangsniveau, also neben dem Saarland vor allem
auch in Bayern, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, zu einem überdurchschnittlichen
Wachstum des BSP je Einwohner. Das saarländische Pro-Kopf-Einkommen
betrug daher 1982 bereits 88% des Bundesdurchschnitts. Damit stand man zwar
immer noch auf dem letzten Platz, hatte allerdings beinahe das Niveau von
Schleswig-Holstein und Niedersachsen erreicht. Inwiefern diese Entwicklung
primär auf ein produktivitätsinduziertes Wachstum oder aber auf die während des
Untersuchungszeitraumes infolge von Abwanderung gesunkene Einwohnerzahl'1
zurückzufuhren ist, kann vorerst noch nicht geklärt werden.
Immerhin relativiert sich die beeindruckend wirkende Aufholleistung der saarländischen
Wirtschaft bei Zugrundelegung der durchschnittlichen Wachstumsraten
des jeweiligen BIP, die zwischen 1965 und 1984 im Saarland um 0,4 Prozentpunkte
niedriger als auf volkswirtschaftlicher Ebene war22 23. Berücksichtigt man
allerdings einerseits den überdurchschnittlichen Ausprägungsgrad der Rezession
von 1966/7 im Saarland, andererseits die während der 1970er Jahre temporär beträchtlich
höheren Wachstumsraten des saarländischen BIP pro Erwerbstätigen'3,
so spricht der vorläufige Befund für einen zyklusdifferenten und in seinen sozioökonomischen
Folgewirkungen ambivalenten Catching-up-Prozess: Die saarländische
Wirtschaft hatte offensichtlich einen Arbeitskräfte freisetzenden, durch
Rationalisierung gekennzeichneten Modernisierungsprozess durchlaufen, der vor
allem mit der ersten Nachkriegsrezession von 1966/7 im Zusammenhang stand.
Diese Aussage kann erhärtet werden, wenn man sich den Entwicklungsvorlauf der
besonders konjunkturreagiblen Anlageinvestitionen anschaut, die ihre prinzipiellen
Modernisierungseffekte in der Regel erst mit einem gewissen Timelag entfalten.
Als unmittelbare Reaktion auf den Konjunkturrückgang von 1966/7 sind die
211 Kurt Geppert, Die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesländer in den siebziger und
achtziger Jahren. Eine vergleichende Analyse, Berlin 1987, S. 42.
21 Vgl. die relevanten Zahlen zur Abwanderung: Statistisches Landesamt des Saarlandes
(Hg.), Statistisches Handbuch für das Saarland 1996, Saarbrücken 1997.
'2 In laufenden Preisen, berechnet nach der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der
Länder (künftig: VGRdL) auf der Basis der statistischen Ämter und der Länder
(http://www.vgrdl.de/Arbeitskreis_VGR/tbes/RZabo2.asp) sowie Statistisches Amt des
Saarlandes (Hg.), Statistisches Handbuch für das Saarland 1976, Saarbrücken 1976, S.
390; Statistisches Amt des Saarlandes (Hg.), Statistisches Handbuch für das Saarland
1988, Saarbrücken 1989, S. 322. Die jährliche Wachstumsrate des bundesdeutschen BIP
im Durchschnitt der Jahre 1965 bis 1984 belief sich auf 7,6 %, wohingegen der
Vergleichswert an der Saar lediglich bei 7,2 % lag.
23 Berechnet von 1971 bis 1982 in preisbereinigten Werten ist das Verhältnis 2,4 % zu
2,6 %, die Wachstumsrate im Saarland ist also sogar höher. Vgl. VGRdL auf der Basis
der statistischen Ämter und der Länder.
URL: (http://www.vgrdl.de/Arbeitskreis_VGR/tbes/RZabo2.asp).
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