lung des Saarlandes im Zeitraum der krisenhaften „langen“ 1970er Jahre6 * empirisch
herauszuarbeiten und zu bestimmen . Die historische Untersuchung der
Konjunktur- und Strukturkrisen soll dabei sowohl aus makro- als auch aus mikroökonomischer
Perspektive erfolgen. Im Mittelpunkt des ersten Teils steht eine
Konjunktur- und Strukturanalyse auf gesamtwirtschaftlicher Ebene und für einzelne
Branchen, wobei die in der einschlägigen Literatur aufgestellte These zu
überprüfen ist, dass die jeweiligen Wirtschaftskrisen an der Saar im Vergleich zu
anderen Regionen besonders gravierende Spuren hinterlassen hätten und nur
partiell bewältigt worden wären*. Um die Spezifik von Wachstum, Konjunktur und
Strukturwandel der saarländischen Wirtschaft einerseits, die Auswirkungen der jeweiligen
Krisen auf einzelne Industriezweige sowie den Arbeitsmarkt andererseits
transparent zu machen, werden als Vergleichsmaßstab die analogen Daten für die
Bundesrepublik insgesamt herangezogen. Daran anschließend - in Abschnitt 3 -
werden einzelne Unternehmen in den Blick genommen, die von den damaligen
Turbulenzen besonders betroffen waren und im Zentrum des Strukturwandels
standen. In diesem Zusammenhang interessiert vor allem die Frage, ob sich unternehmensspezifische
Verlaufsmuster nachweisen lassen, die in einem Prozess positiver
oder negativer Rückkopplungen jenes der sozioökonomischen Entwicklung
beeinflussten. In einem letzten Teil, der die bisherigen Ergebnisse zusammenfasst
und weiterführende Forschungen umreißt, soll vor allem auf die Bedeutung der
Wirtschaftspolitik für die krisenbedingte Restrukturierung der saarländischen Wirtschaft
verwiesen werden.
2. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Saarland 1965
bis 1984 - Überlagerung von Konjunktur- und Strukturkrisen9
Zunächst ist eine knappe kontextbezogene Klärung der Begriffe notwendig.
„Strukturwandel“ beschreibt allgemein eine „Veränderung der Produktionsstruktur
einer Volkswirtschaft, die sich als marktwirtschaftliche Konsequenz von dauerhaf¬6
Der Untersuchungszeitraum des Aufsatzes umfasst die Jahre von 1965 bis 1984 - geht
also über die gängige Datierung der „langen“ 1970er Jahre von 1968/69-1982/83
(Konrad Jarausch) hinaus, um auch die Ausgangspunkte vor der Rezession 1966/67 und
die Entwicklung nach der Rezession von 1981/82 aufzuzeigen.
Die Darstellung basiert auf ersten Untersuchungsergebnissen eines mehrjährigen Forschungsprojekts,
das am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität
des Saarlandes zum Thema „Die Konjunktur- und Strukturkrisen der „langen“ siebziger
Jahre. Verlauf, Wahrnehmung und Bewältigung im Saarland 1966-1982“ seit Oktober
2010 durchgeführt und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wird. Vgl.
zur Auswahl und Auswertung konjunkturreagibler Indikatoren: Margrit Grabas, Konjunktur
und Wachstum in Deutschland, Berlin 1992, S. 80-96.
* Vgl. unter anderen Karl Lauschke, Die halbe Macht. Mitbestimmung in der Eisen- und
Stahlindustrie 1945 bis 1989, Essen 2007, S. 259; François Reitel, Krise und Zukunft
des Montandreiecks Saar-Lor-Lux, Frankfurt/Main 1980; Guy Schmit, Der Saar-Lor-Lux-Raum.
Strukturen, Probleme und Entwicklungen in einer altindustrialisierten Grenzregion,
Köln 1989.
9 Wir bedanken uns bei Dominik Steinmann und Michael Emser für die Unterstützung bei
der Datenrecherche und den graphischen Darstellungen.
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