Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

völkerung,  die  nicht  mehr  der  einer  klassischen  Alterspyramide,  mit  vielen  Beitragzahlern
  im  erwerbsfähigen  Alter  und  weniger  Beitragsempfangern,  entsprach.
Daneben  hatte  Frankreich  schon  lange  mit  einem  Arbeitskräftemangel  zu  kämpfen26.
  Alle  Mittel,  die  Geburtenrate  zu  steigern,  waren  somit  probat.  Durch  die  Familienzulagen
  konnten  sich  auch  einkommensschwächere  Familien  mehr  Kinder
leisten.  Neben  dem  Kindergeld  wurden  dann  auch  noch  Ausstattungsbeihilfen  für
Neugeborene  gezahlt,  sowie  Stillprämien27 28.
Im  Saarland  war  die  Steigerung  der  Geburtenrate  nicht  der  Grund  für  die  Einführung
  der  Familienzulagen,  sondern  eher  die  Lohnangleichung  und  Wirtschaftsunion
  mit  Frankreich.  Allerdings  waren  auch  dort  rückläufige  Geburtenraten  zu
verzeichnen.  Dazu  kam,  dass  das  Heiratsalter  sehr  hoch  war  und  die  Menschen
dementsprechend  spät  Kinder  bekamen  und  somit  für  weitere  Nachkömmlinge
dann  schon  zu  alt  sein  konnten-8.
Im  Saarland  fand  die  Einführung  der  Verordnung  bei  allen  Parteien  großen  Zuspruch
  und  Unterstützung.  Bei  den  Christdemokraten  der  CVP  fand  die  Familienzulage
  Anklang,  weil  sie  ganz  im  Sinne  der  katholischen  Soziallehre,  kinderreiche
Familien  unterstützte  und  dem  Prinzip  Hilfe  zur  Selbsthilfe  entsprach29 30.  Auch  fand
das  Gesetz  Beifall,  weil  für  Arbeitgeber  kein  Grund  mehr  bestand,  kinderreiche
Familienväter  nicht  einzustellen.  Denn  die  Abgabe  mussten  sie  ohnehin  zahlen.
Die  saarländischen  Sozialdemokraten  und  die  Gewerkschaften  schließlich  befürworteten
  die  Familienzulage,  weil  sie  eine  alleinige  Abgabe  der  Arbeitgeber  war
und  somit  keine  Belastung  für  Arbeitnehmer  darstellte'0.
Im  Gegensatz  zu  Frankreich  herrschte  in  der  Bundesrepublik  kein  Arbeitskräftemangel;
  ganz  im  Gegenteil,  es  gab  eine  hohe  Arbeitslosenquote.  Familienzulagen
waren  dem  deutschen  Sozialversicherungssystem  fremd;  lediglich  einige  große  Unternehmen,
  wie  Siemens,  versuchten  die  finanzielle  Situation,  ihrer  Arbeitnehmer
mit  Kindern,  zu  verbessern.  Auch  andere  Branchen  hatten  Familienkassen,  jedoch
wurden  diese  wegen  der  Inflation  in  den  zwanziger  Jahren  wieder  abgeschafft.  Die
Einführung  einer  Familienzulage  auf  breiter  Ebene  konnte  sich  auch  später  nicht
durchsetzen31;  nur  bei  der  Beamtenbesoldung  war  die  Familienzulage  vom  Staat
vorgesehen.
In  der  Ära  Adenauer  bestanden  unterschiedliche  Ansichten  zum  Familienausgleich.
  Während  die  SPD  durchaus  für  die  Einführung  einer  Familienzulage  war,
stand  die  CDU  auf  dem  Standpunkt,  eine  Regelung  der  Familienzulagen  der  Wirtschaft
  selbst  zu  überlassen'2.  Nach  dem  Beitritt  des  Saarlandes  zur  Bundesrepublik
wollten  viele  die  Familienzulage  erhalten  und  sogar  in  der  Bundesrepublik  einführen33.
  Allerdings  kam  es  dazu  nicht,  da,  wie  oben  schon  angemerkt,  die  regierende
CDU  einen  anderen  Standpunkt  vertrat;  auch  der  katholische  Flügel  der  CDU

26  Ebd.  (wie  Anm.  8),  S.  34  und  96.
2  Die  Familienzulagen  (wie  Anm.  10),  S.  178.
28  Ebd.  S.  171-172.
29  Herrmann  (wie  Anm.  8),  S.  101  und  Seite  189.
30  Ebd.  S.  101.
31  Ebd.  S.  96-98.
,2  Die  Familienzulagen  (wie  Anm.  10),  S.  164.
33  Herrmann  (wie  Anm.  8),  S.  210.
444
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.