Für die Hallstattzeit sind auch Veränderungen des Flusslaufes dokumentiert.
Der Bliesverlauf verlagerte sich im Allmend weiter nach Westen, und es bildete
sich eine neue Uferzone, die den bronzezeitlichen Uferverlauf weiter westlich
nachzeichnet, ln den Bodenprofden des Reinheimer Allmend und im Bereich südlich
der Thermen belegen Tonschichten den Fortbestand der großen seenartigen
Senke mit ausgeprägten Ruhigwasserzonen. Die Tonschichten besitzen ihre größte
Mächtigkeit westlich der heutigen Weiheranlagen und dünnen nach Norden und
Süden hin aus. Im Bereich der mesolithischen Siedlungszone sind die Tonschichten
nicht nachzuweisen, dieses höher gelegene Areal blieb weiterhin stabil und
überschwemmungsfrei. Das hallstattzeitliche Ufer verlief somit westlich der Villa
nahe des heutigen Bliesufers und entfernte sich im Norden des Allmends und südlich
des Vicus am weitesten nach Osten von der heutigen Blies (Abb. 6).
Im Verlauf der Tonschichten von Ost nach West kann man zwei ehemalige
Uferbereiche identifizieren, die durch ein steiles Abfallen der Tonschicht gekennzeichnet
sind. Diese Stufen in der Tonschicht werden als Erosionsspuren im Uferbereich
gedeutet. Datierbare Keramik belegt eine Verlagerung der Uferzone nach
Westen.
Am Ende der Hallstattzeit oder in der frühen Römerzeit muss es erneut zu einem
Ausspülen großer Materialmengen aus dem Siedlungsbereich im Allmend gekommen
sein. In einer Tonschicht („Ton 1“, Abb. 4, S. 291), die mit der Flachwasserzone
der Blies korreliert, findet man hallstattzeitliches und frührömisches Material
in großer Menge. Da die Keramik kaum Transportspuren aufweist, stammt sie aus
der Siedlungszone auf der höher gelegenen Terrassenzone, welche vermutlich zu
dieser Zeit aufgegeben wurde (KRAUS 2004). Auch diese Schicht zeigt ein Einfallen
nach Westen und Norden und ein Ausdünnen nach Osten und Süden und folgt
damit der alten Senke. Als Ursachen werden gehäuft auftretende Starkregen vermutet.
Römerzeit
Das Subatlantikum beginnt mit einer warmen und trockenen Phase. Dieses Klima
begünstigt eine relative Formungsruhe der Aue. Buchen dominieren nun die Wälder.
In den Pollenprofilen der weiteren Umgebung dokumentiert sich ein sehr starker
anthropogener Einfluss. Die höchste Rate an Nichtbaumpollen - darunter vor
allem Getreidepollen und Kulturfolger wie Plantago - wird erreicht. Untersuchungen
in einem bliesaufwärts bei Blieskastel gelegenen Modellgebiet weisen römerzeitliche
Besiedlungsspuren in großer räumlicher Dichte auf. Die Befunde weisen
auf ein dichtes Netz von kleinbäuerlichen Siedlungen und einem damit verbunden
Ackerbau auch in steileren Relieflagen hin (NEUMANN, STINSKY, KUBINiOK 2009).
In der Römerzeit wird die Aue intensiv anthropogen überprägt. Die seenartige
Zone mit natürlicher Furt im Bereich der ehemaligen Siedlungen wird zumindest in
der Frühphase immer noch genutzt. Dies belegen römerzeitliche Pfostenlöcher östlich
der bronzezeitlichen Siedlung im Reinheimer Allmend. Geomagnetische Untersuchungen
und Luftbildauswertungen deuten auf ein Wegenetz hin, das im Bereich
westlich der Siedlungsstelle im Allmend in Richtung Bliesufer zusammenläuft.
Noch heute befindet sich dort eine natürliche Furt, überlagert durch poströmische
Sedimente im rezent steilen Uferbereich. Die Villenanlage von Reinheim
wurde in einem weitestgehend überschwemmungssicheren Bereich angelegt, der
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