Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

In  Artikel  VI  wurden  folgende  Grundlagen  festgestellt:  Das  Landesamt  Saar  hat
behördlichen  Charakter  und  besitzt  verwaltungsmäßige  und  finanzielle  Selbständigkeit.
  Sein  Haushalt,  der  getrennt  von  dem  der  Landesverwaltung  des  Saarlandes
geführt  wird,  setzt  sich  in  der  Einnahmeseite  aus  Eingängen  zusammen,  die  aus
Erträgen  oder  aus  dem  Guthaben  der  durch  das  Landesamt  Saar  kontrollierten
Vermögen  entnommen  werden.  Die  Ausgaben  setzen  sich  zusammen  aus  Personalund
  Sachausgaben  des  Landesamtes  Saar.  Die  Vergütung  der  Verwalter  wird
direkt  aus  den  Eingängen  oder  Guthaben  der  von  ihnen  verwalteten  Vermögen
bestritten  und  zwar  nach  einem  Tarif,  der  von  dem  Generaldirektor  des
Landesamtes  Saar  festgelegt  wird.  Die  folgenden  Artikel  VII  bis  XVI11  regelten
die  Haushalts-  und  Rechnungsführung.  Im  Dezember  1946  folgte  die
Bekanntmachung4  der  eingerichteten  Außenstellen  in  Saarbrücken,  St.  Ingbert  -
auch  für  den  Kreis  Homburg  -,  Ottweiler  -  auch  für  den  Kreis  St.  Wendel  -,
Saarlouis,  Merzig  und  Saarburg.
In  derselben  Sitzung  der  Verwaltungskommission  vom  22.  November  1946
wurde  Frédérique  Schlachter  zum  Generaldirektor  ernannt5.  Sowohl  der  Text  des
Erlasses  der  Verwaltungskommission  als  auch  die  Ernennung  Schlachters  waren  in
einem  Schreiben  des  Militärgouvemeurs  Grandval  vom  7.  November  1946  angeordnet
  worden6.  Grandval  wies  dabei  ausdrücklich  auf  die  ständige  Aufsicht  der  zuständigen
  Mitglieder  der  französischen  Militärregierung  über  die  neue  saarländische
  Verwaltungsbehörde  in  allen  einzelnen  Entscheidungen  hin.
Friedrich  Wilhelm  Schlachter  wurde  am  19.  November  1892  in  Kirn  geboren7.
Er  war  jüdischen  Glaubens.  Er  besuchte  die  Gymnasien  in  Kirn  und  Birkenfeld.
1910  kam  Friedrich  Schlachter  nach  Saarbrücken.  1911  und  1912  absolvierte  er  die
Ausbildung  als  kaufmännischer  Lehrling  bei  der  Gebr.  Röchling  Bank.  Von  1913
bis  zum  1.  August  1914  war  er  kaufmännischer  Angestellter  bei  dieser  Bank.  Nach
dem  Wehr-  und  Kriegsdienst  als  Vizefeldwebel  vom  2.  August  1914  bis  Ende  1918
nahm  er  1919  seine  Tätigkeit  bei  der  Gebr.  Röchling  Bank  als  Prokurist  und  Filialleiter
  wieder  auf.  Ab  1920  arbeitete  er  als  Bankier  und  Direktor  bei  der  Saar-Handelsbank
  AG  Saarbrücken,  einer  schwedischen  Bank.  Gleichzeitig  war  er
Mitinhaber  dieser  Bank.  Außerdem  gehörten  ihm  Anteile  der  Pfälzischen  Putz-  und
Poliermaterialienfabrik  St,  Ingbert  und  der  Firma  Ferd.  Garelly  AG  Saarbrücken,
daneben  ein  Anteil  des  Websweiler  Hofes  in  Jägersburg.  Wegen  seines  Judentums
und  wegen  seiner  Aktivitäten  für  die  Einheitsfront  an  der  Saar  emigrierte  er  am  22.
Februar  1935  nach  Frankreich.  Nachdem  er  sich  zuerst  in  Straßburg  -  wo  er  eine
kleine  Privatbank  betrieb  -  und  Paris  aufgehalten  hatte,  begab  er  sich  1938  nach
Südfrankreich  in  die  Gegend  von  Montauban.  Am  4.  Juli  1934  hatte  er  bereits  die
französische  Staatsangehörigkeit  erworben.  Nach  der  deutschen  Besetzung  musste
er  sich  an  mehreren  Orten  in  Südfrankreich  versteckt  halten,  da  ihn  die  Gestapo
nicht  nur  als  Juden,  sondern  auch  aus  politischen  Gründen  suchte.  Am  23.  August
1945  kehrte  er  an  die  Saar  zurück.  Am  1.  Dezember  1957  trat  er  als  Oberregierungsrat
  und  Generaldirektor  der  Saarländischen  Vermögensverwaltung  in  den  Ru-4

  AB1.SAL,  S.  262
5  AB1.SAL,  S.  236
LA.SB,  Bestand  „Verwaltungskommission“  (=  VK)  53
LA.SB,  Bestand  „Landesentschädigungsamt“  (=  LEA)  5993  und  8187.  Eine  Personalakte
ist  im  Landesarchiv  nicht  vorhanden.

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