Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

sen  (Zerstörungsgrad  des  Wohnraumes,  Betriebsfahigkeit  von  Versorgungseinrichtungen)
  bis  in  die  Sommermonate  hin.
Anders  verfuhren  die  zuständigen  US-Offiziere  im  Fall  Utweiler.  Der  Ort  war
am  22.  Dezember  1944  von  US-Truppen  eingenommen  worden.  Als  sie  sich  schon
zwei  Tage  später  infolge  eines  deutschen  Gegenangriffs  zurückziehen  mussten,
nahmen  sie  die  im  Ort  verbliebenen  deutschen  Zivilisten  mit.  Als  Zivilinternierte
wurden  sie  in  einem  ehemaligen  Schloß  bei  Chalon-sur-Saône  untergebracht  und
durften  erst  im  Herbst  1945  wieder  zurückkehren.  Das  ist  der  einzige  mir  bekannt
gewordene  eindeutige  Fall  einer  Internierung  saarländischer  Ortsbevölkerung  in
Innerfrankreich.  Bei  der  Verbringung  von  deutschen  Männern  aus  den  Auffanglagern
  im  Warndt  Mitte  Januar  1945  nach  Poitiers  könnte  es  sich  um  desertierte
deutsche  Soldaten  und  nicht  um  Zivilisten  gehandelt  haben.
Der  Versuch  einer  zusammenfassenden  Darstellung  des  Umganges  der  US-Army
  mit  der  saarländischen  Zivilbevölkerung  in  der  Kampfzone  beziehungsweise
der  Rückführung  hinter  die  Front  wurde  meines  Wissens  bisher  noch  nicht  unternommen.

Die  Evakuierungen  im  deutsch-französischen  Grenzraum  während  des  Zweiten
Weltkrieges  sind  seit  Herbst  2010  Teil  eines  gemeinsam  von  der  Universität  des
Saarlandes,  der  Université  Paris-Sorbonne  und  der  Ruhr-Universität  Bochum  getragenen
  überregionalen  Forschungsprojektes11.  Die  Evakuierung  der  Saarbevölkerung
  soll  in  Form  vergleichender  Untersuchungen  in  einen  breiten  europäischen
Kontext  eingebettet  werden.
Frage  60:  Kriegsgefangenen-,  Ausländer-  oder  Konzentrationslager
Bernd  Eichmann,  Versteinert,  verharmlost,  vergessen:  KZ-Gedenkstätten  in  der
Bundesrepublik  Deutschland,  Frankfurt  am  Main  1985,  S.  111-120.
Hermann  VOLK,  Heimatgeschichtlicher  Wegweiser  zu  Stätten  des  Widerstandes
und  der  Verfolgung  1933-1945,  Bd.  4:  Saarland,  Köln  1990.
Hans-Henning  Krämer  und  Inge  Plettenberg,  Feind  schafft  mit.  Ausländische
Arbeitskräfte  im  Saarland  während  des  Zweiten  Weltkrieges,  Ottweiler  1992.
Hans-Henning  KRÄMER,  Der  Feind  als  Kollege  -  Kriegsgefangene  und  ausländische
  ZwangsarbeiterINNEN,  Saarbrücken  1993  (Beiträge  zur  Regionalgeschichte
  15).
Fabian  LEMMES,  Zwangsarbeit  in  Saarbrücken.  Ausländische  Zivilarbeiter  und
Kriegsgefangene  1940-1945,  St.  Ingbert  2004.
Inge  PLETTENBERG,  Ausländische  Zwangsarbeiter  im  Saarland  während  des  Zweiten
  Weltkrieges,  in:  Zehn  statt  Tausend  Jahre.  Die  Zeit  des  Nationalsozialismus
an  der  Saar  1935-1945.  Katalog  zur  Ausstellung  des  regionalgeschichtlichen
Museums  im  Saarbrücker  Schloß,  Saarbrücken  1988,  S.  236-252.
Dies.,  Die  Wandinschriften  in  der  Gestapo-Zelle  [im  Keller  des  Saarbrücker
Schlosses],  in:  ebenda  S.  253-265.
Raja  Bernard  und  Dietmar  Renger,  Neue  Bremm.  Ein  KZ  in  Saarbrücken,
Frankfurt  am  Main  1984,  3.  Auflage  Heusweiler  1989.

11  Vorgestellt  wurde  das  Projekt  in  einem  Internationalen  Workshop  im  Juni  2011.  Dabei  referierte
  Fabian  Lemmes  (Bochum)  über  „Die  Evakuierungen  im  deutsch-französischen
Grenzraum  während  des  Zweiten  Weltkrieges,  Stand  der  Forschung,  Konzepte  und  Perspektiven“.


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