Flüßchensowohl eine ernste Bedrohung ihrer Subsistenzgrundlage als auch die
radikale Zerstörung eines Teiles ihrer natürlichen Umwelt, der sie in ihrer Kindheit
oder Jugend noch völlig anders begegnet waren. Die Auswirkungen dieser Entwicklung
zeigten sich zunächst im Rückgang beziehungsweise völligen Verschwinden
der einst reichen Fischbestände in der Blies, so dass die Blies im Raum
Neunkirchen spätestens um die Jahrhundertwende ein toter Fluss war. Im August
1900 stellte der Gemeinderat Wellesweiler fest, daß sich kaum oder nur sehr wenige
Fische wegen Einmündung schlechter Wasser in die Blies mehr aufhalten können.
Zugleich räumte man dem Fischereipächter Karl aus Neunkirchen das Recht
ein, nach Ablauf des ersten Pachtjahres die Fischerei zu kündigen. Eine Rückzahlung
des schon gezahlten Pachtzinses für das 1 Jahr wird von der Vertretung nicht
genehmigt. Pächter möge sich an diejenigen Personen wenden, die Schuld sind,
daß keine Fische mehr in der Blies sind34 Zehn Jahre später klagte dasselbe Gremium:
Durch die Einläufe schlechten Wassers der industriellen Werke der Gebrüder
Stumm und Bergfiskus in die Blies sind die Fische krepiert und mußte die Gemeinde
dem Pächter die schon erhobene Pacht von 60,- M wieder zurückerstatten,
weil keine lebenden Fische mehr vorhanden waren und bis jetzt auch nicht vorhanden
sind''.
Die Klagen des Wellesweiler Gemeinderates machen deutlich, dass sich das
Problem der Wasserverschmutzung langsam flußabwärts verlagerte, ohne dass in
Neunkirchen selbst eine Besserung eingetreten wäre. Verantwortlich dafür war
auch der Beschluss der Gemeinde Neunkirchen zur Bliesbegradigung: In mehreren
Etappen - 1899-1902, 1907/08, 1919/20 und schließlich 1935 - wurde der kurvenreiche
Verlauf der Blies im Sinne der veränderten kommunalen Bedürfnisse zunächst
innerhalb des Neunkirchener Stadtgebietes und schließlich bis nach Wellesweiler
begradigt und kanalisiert. Begründet wurden die Maßnahmen zum einen
mit der dadurch erhofften Beseitigung der alljährlichen Überschwemmungen der
flussnahen Wiesen durch das Hochwasser der Blies. Zum andern sollten sie
Neunkirchens Bürger vor dem verschmutzten Wasser der Blies schützen, indem
die Fließgeschwindigkeit des Flusses innerhalb des Stadtgebiets erhöht wurde.
Ferner benötigte die gerade um die Jahrhundertwende expandierende Gemeinde
neues Bauland, das bislang in den Talauen nicht zur Verfügung gestanden hatte.
Und schließlich feierte das nationalsozialistische Regime wenige Monate nach der
Rückkehr des Saargebietes ins Deutsche Reich die Baumaßnahmen des Jahres
1935 als größte Arbeitsbeschaffung im Saarland, mit deren Hilfe Arbeit und Brot
So K. Wildberger, Die Blies in Neunkirchen, Heimatkundliche Betrachtungen über unser
schwarzes Flüßchen, in: Saarländische Tageszeitung vom 29. November, 2., 6., 13.
und 20. Dezember 1941. Wildberger beklagte keineswegs die Verschmutzung der Blies,
sondern wollte sie verlegt sehen, damit eine Reihe weiterer Nebensächlichkeiten, wie offene
industrielle Einläufe, die auch unsichtbar der Blies zugeführt werden können, ferner
die einen unästhetischen Anblick bietenden, auf der Blies schwimmenden braunen und
weißen Schaumgebilde [...] dann verschwinden werden.
34 StAN, Beschlussbuch des Gemeinderates Wellesweiler, 4.7.1891-7.3.1905, Eintrag vom
4. August 1900, S. 240.
35 Beschlussbuch des Gemeinderates Wellesweiler vom 5.3.1910, zit. nach: Ellen Lore,
Die Blies in Neunkirchen. Betrachtungen zur Geschichte eines Flusses, in: Unsere Umwelt-
Mitteilungen für die Schützer von Natur und Landschaft, H. 3+4 (1987), S. 10.
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