Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Umweltarchäologische  Untersuchungen
ZUR  SlEDLUNGS-  UND  LANDSCHAFTSENTWICKLUNG
der  Siedlungskammer  Bliesbruck/Reinheim
Jochen  Kubiniok  und  Daniela  Brück

Zusammenfassung
Die  Siedlungskammer  im  Bliestal  zwischen  Reinheim  und  Bliesbruck  im  Südost-Saarland
  und  Nordost-Lothringen  bietet  gute  Voraussetzungen  für  eine  Rekonstruktion
  der  holozänen  Auenentwicklung.  Seit  dem  Mesolithikum  besteht  im  Bereich
  der  Bliesaue  bei  Reinheim/Bliesbruck  Siedlungskontinuität,  Veränderungen
der  Flusslandschaft  durch  fluviatile  Prozesse  sowie  anthropogene  Überformung
lassen  sich  anhand  der  Böden  und  Sedimente  nachweisen.  Besonders  günstig  für
die  zeitliche  Einordnung  der  landschaftsformenden  Vorgänge  im  Untersuchungsgebiet
  sind  die  zahlreichen  archäologischen  Befunde,  anhand  derer  eine  Datierung
der  Sedimentschichten  möglich  ist.  Auf  dieser  Basis  lassen  sich  die  geomorphologischen
  Verhältnisse  verschiedener  Zeitphasen  rekonstruieren  und  das  Ausmaß
des  anthropogenen  Einflusses  auf  den  Landschaftshaushalt  abschätzen.  Hieraus
ergibt  sich  ein  Bild  der  naturräumlichen  Veränderungen,  welches  für  das  Verständnis
  der  Siedlungsgeschichte  und  Siedlungsmuster  eine  wichtige  Grundlage  darstellt.
  Die  Untersuchungen  wurden  von  der  Region  Lorraine  und  der  Deutschen
Forschungsgemeinschaft  gefördert.
Lage  des  Untersuchungsgebietes
Das  Untersuchungsgebiet  gehört  als  Teil  des  Bliesgaus  zur  Südwestdeutschen
Schichtstufenlandschaft.  Dieses  Gebiet  mit  landwirtschaftlichen  Gunstböden  (K.U-BINlOK
  2006)  war  bereits  in  römischer  Zeit  dicht  besiedelt.  Die  untersuchte  Siedlungskammer
  war  zu  diesem  Zeitpunkt  Teil  eines  Systems  unterschiedlich  zentraler
  Orte,  die  häufig  bereits  in  prärömischer  Zeit  angelegt  wurden  (Abb.  1,  S.  289).
Die  Blies,  deren  Tal  im  Bereich  der  Siedlungskammer  Bliesbruck-Reinheim  im
Wesentlichen  in  Nord-Südrichtung  verläuft,  beschreibt  hier  eine  markante  Schleife
und  bildet  eine  weite  Aue,  in  der  die  kaltzeitlichen  Terrassen  deutlich  ausgeprägt
sind.  Die  Blies  bildet  hier  eine  ausgedehnte  Talweitung,  die  ideale  Möglichkeiten
für  größere  Ansiedlungen  bietet  (Abb.  2,  S.  290).  im  Bereich  der  Bliesaue  bei
Reinheim  und  Bliesbruck  stehen  quartäre  Ablagerungen  der  Blies  an  und  bilden
dort  fruchtbare,  leicht  zu  bearbeitende  Böden.  Sowohl  am  Prall-  als  auch  am  Gleithang
  sind  Terrassen  der  Blies  nachgewiesen  (Weisrock  und  FRANOUX  1993).  Die
Blies  selbst  hat  mittlerweile  ihre  pleistozänen  Ablagerungen  teilweise  durchschnitten
  und  fließt  in  Gesteinen  des  Mittleren  Muschelkalkes.
Am  Hangfuß  und  Mittelhang  des  Bliestals  westlich  des  Ausgrabungsareals  stehen
  die  Mergel  des  Mittleren  Muschelkalkes  an  und  bilden  dort  Quellhorizonte.  Im
Hangbereich  folgen  darüber  die  Trochitenkalke  des  Oberen  Muschelkalkes.  Die
besondere  Widerständigkeit  der  Kalke  führt  zur  Herauspräparierung  eines  Steilabschnittes
  am  Oberhang.  Die  Hochflächen  des  Büesgau  werden  durch  die  plattigen
Ceratitenkalke  des  Oberen  Muschelkalkes  gebildet.

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