zuletzt gewidmet ist, denen sie eine unauslöschliche Erinnerung fürs Lehen werden
soll, heiliger Begeisterung voll, tief in Eure Herzen zu prägen als das höchste aller
Ideale das Wort: ,Das Vaterland über alles!' (Original gesperrt).
Allerdings trübten einige wenige Missgeschicke dann doch die allgemeine Euphorie:
so konnte ausgerechnet der Freiluftballon Saarbrücken wegen eines zu spät
entdeckten Defekts nicht an dem Wettflug teilnehmen. Zudem zog am Abend über
den Höhen starker Nebel auf, so dass die Beleuchtung des Winterbergs aus dem
Tal gar nicht mehr sichtbar war. Das änderte aber nichts an dem überschwänglichen
Lob für den Festausschuss und alle Stadtbewohner. Nach Einschätzung der
Saarbrücker Zeitung war ein Fest zustande gekommen, wie es in dieser Bedeutung
wohl selten hier gefeiert wurde, ein Fest, an dem die Bürgerschaft der Stadt und
unserer Nachbargemeinden einhellig teilnahmen. Man kann wohl sagen, dass die
Saarbrücker Jahrhundertfeier mit zu den schönsten und imposantesten Feiern der
Gedenktage vor hundert Jahren im ganzen Deutschen Reiche gehört/1
Ergebnisse
Die Jahrhundertfeier in Saarbrücken war eine sehr gelungene Inszenierung, die den
Mythos einer harmonischen, unter dem Banner von Preußen und Deutschland geeinten
Volksgemeinschaft zelebrierte. Als Bühne diente dazu mit Saarbrücken eine
Stadt, die gerade erst ihren Status als Großstadt erworben hatte und in der tatsächlich
große Bevölkerungsteile unterschiedlicher Herkunft und berufsständischer Zugehörigkeit
sowie unterschiedlicher Konfessionen sich in einem partiellen Assimilationsprozess
einander genähert hatten.
Da gab es die Allianz zwischen einheimischen und zugewanderten Funktionseliten
in Wirtschaft, Verwaltung und Kultur. Sie hatten seit der Reichsgründung
immer enger kooperiert und waren wesentliche Träger der wirtschaftlichen und politischen
Dynamik während des stürmischen Städtewachstums und der Metropolenbildung
in Saarbrücken. Der zweite Schulterschluss betraf die führenden Repräsentanten
der Zivilgesellschaft mit den Offizieren der hier stationierten Garnison.
Auch diese Allianz war schon seit vielen Jahren erprobt, und sie beruhte auf
einer weitgehenden sozialen Homogenität und dem gleichen Interesse am Fortbestand
des sozialen und politischen Status quo.
Die Jahrhundertfeier profitierte zudem von der aktiven Mitwirkung beider großer
Konfessionen. Zwar blieben die Protestanten in der Wahrnehmung der meisten
Bewohner die wirklich staatstragende Konfession auch an der Saar. Aber das Prinzip
der Allianz von Thron und Altar galt auch für die Mehrheit der Katholiken. Sie
gestalteten ebenfalls Festgottesdienste und vereinsinterne Feiern, und ihre Pfarrer
waren gefragte Redner bei zahlreichen Veranstaltungen. Freilich war nicht zu
übersehen, dass es bei diesen spezifisch katholischen Jubiläumsfeiern andere Akzentsetzungen
gab: der Sieg in der Völkerschlacht war nicht der (protestantischen)
31 Ebd. In anderen lokalen Zeitungen war die Nachberichterstattung deutlich kürzer. Die
Saarbrücker Volkszeitung vom 20. Oktober berichtete vor allem über die Festrede. Allerdings
gab es hinsichtlich der abendlichen Bewölkung eine ganz andere Einschätzung:
Glücklicherweise war der Abend fast nebelfrei, so dass die wundervolle Lichtwirkung in
der Dunkelheit voll zur Geltung kam. Die Saar-Post verzichtete ganz auf eine Nachberichterstattung
über die Jahrhundertfeier.
366