Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Saarbrückern  von  der  Völkerschlacht  1813  eine  symbolische  Botschaft  militärischer
  Kampfbereitschaft  und  Stärke.  Aber  man  konnte  die  Postkarte  auch  so
interpretieren,  dass  der  preußische  Adler  auf  seinem  Weg  nach  Westen  direkt  Kurs
auf  das  feindliche  Frankreich  nahm.  Auch  die  dominierenden  Grautöne  der  Karte
verstärkten  den  Eindruck,  dass  die  bevorstehende  Jahrhundertfeier  schon  ganz  im
Zeichen  eines  neuen  bevorstehenden  Krieges  stehen  würde.
Ein  letzter  beschwörender  Appell  erschien  in  der  Saarbrücker  Zeitung  unmittelbar
  am  Tag  der  großen  Feier28:
So  soll  nun  auch  in  die  Bevölkerung  an  der  Saar,  die  trotz  nimmer  rastender  Tätigkeit
  sich  stets  einen  idealen  Patriotismus  bewahrt  hat,  die  rechte  Feierstimmung
einziehen,  damit  diese  vaterländischen  Festtage  echte,  volkstümliche  Feiertage
werden,  an  denen  in  Saarbrücken  Alt  und  Jung,  Reich  und  Arm,  Bürger  und  Soldaten
  von  einem  Geiste  beseelt,  von  einer  Begeisterung  getrieben,  eine  von  echtem
deutschen  Einheitsgefühl  getragene  Feier  begehen  wollen.  Bald  werden  die  heiligen
  Flammenzeichen  auflodern,  bald  werden  es  die  Glocken  hinaus  tönen  weit  in
die  Lande,  dass  wir  treu  und  dankbar  unserer  Väter  Taten  gedenken.
Gerade  hier  in  Saarbrücken  wollen  wir  zeigen,  dass  der  alte  preußische  Geist  noch
in  uns  lebt  und  dann  recht  zum  Ausdruck  kommt,  wenn  es  sich  darum  handelt,  jener
  Männer  zu  gedenken,  die  uns  die  Wege  zur  deutschen  Einheit  gebahnt,  und
dass  uns  noch  die  gleichen  Empfindungen  beseelen,  wie  unsere  Helden  vor  100
Jahren.

Das  Festprogramm29  in  Auszügen:

Samstag  18.  Oktober

10.00  Uhr
11.00  Uhr
19.10  Uhr
20.30  Uhr
21.00  Uhr

Gottesdienst  für  die  evangelischen  und  katholischen  Mannschaften.
  Dazu  sämtliche  Offiziere  und  Militärbeamten;  in  der  evangelischen
  Ludwigskirche  mit  dem  altdeutschen  Schlachtgesang
„Kein  schön’rer  Tod  ist  in  der  Welt“
große  Parole  für  verschiedene  Truppenteile  auf  dem  Ludwigsplatz

großer  Zapfenstreich,  unter  anderem  vor  dem  Rathaus  St.  Johann
und  Gebet
Fackelzüge  aus  den  einzelnen  Stadtteilen  zu  den  Festfeuem,  begleitet
  von  den  Musikkorps  verschiedener  Regimenter
Entzünden  der  Feuer  -  Musikprogramm  an  der  Feuerstelle:
Schülerchor  „Der  Gott,  der  Eisen  wachsen  ließ“
Festrede
Männerchöre  „Die  Wacht  am  Rhein“
Nach  Rückkehr  in  die  Stadtteile  „Deutschland,  Deutschland  über
alles“

_  \
28  Saarbrücker  Zeitung  vom  18.  Oktober  sowie  Saarbrücker  Volkszeitung  vom  gleichen
Tag'
29  Saarbrücker  Zeitung  vom  17.  Oktober  1913.
364
            
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