für die Nachbarstädte in Lothringen kaum Gründe gab, eine Jahrhundertfeier zur
Erinnerung an die Völkerschlacht durchzuführen26.
Der wichtigste Partner des Arbeitsausschusses für die Mobilisierung der Bürgerschaft
war ohne Zweifel die lokale Presse. Mit der Berufung des Redakteurs der
Saarbrücker Zeitung wurde sichergestellt, dass alle vorn Ausschuss formulierten
Aufrufe, Mitteilungen und Appelle an bevorzugter Stelle und zum gewünschten
Zeitpunkt von der führenden Lokalzeitung abgedruckt wurden. Je näher das Jubiläum
rückte, desto umfangreicher und emotionaler wurde die Berichterstattung.
Auch die lokalen Inserenten wirkten in diese Richtung, wenn zum Beispiel Restaurants
und Cafés damit warben, dass sie in ihren Räumlichkeiten die beste Aussicht
auf das geplante abendliche Feuerwerk auf dem Winterberg zu bieten hätten. Eindeutig
konzentrierten sich die Berichte bis zum 18. Oktober auf die lokale Jubelfeier.
Da gab es auch Hinweise, in welchen Geschäften Lampen zur Illumination
der Häuser und Geschäfte vorrätig waren sowie Angaben zu den Fahrplänen der
Sonderzüge, die bereit gestellt wurden, um die Besucher aus der Umgebung zur
Feier nach Saarbrücken zu bringen. Allerdings wurde auch ein mehrseitiger Artikel
über die zentrale Jubiläumsfeier in Leipzig mit der Einweihung des neuen Denkmals
publiziert. Durch diese „Medienpartnerschaft“ wurde in dramaturgisch geschickter
Weise bei den Lesern eine wachsende Spannung aufgebaut, die sicher
entscheidend dazu beitrug, dass schließlich weit über hunderttausend Besucher an
den Feierlichkeiten in Saarbrücken teilnahmen.
Andere lokale Tageszeitungen wie zum Beispiel die zentrumsnahe Saarbrücker
Volkszeitung oder die ebenfalls der katholischen Kirche nahestehende Saarpost
bemühten sich, der führenden Saarbrücker Zeitung nachzueifern. Auch sie druckten
offensichtlich bereitwillig die vom Arbeitsausschuss erarbeiteten Aufrufe und
Programme ab. Allerdings war in mehreren Beiträgen schon erkennbar, dass die
Redakteure weniger in die Festvorbereitung involviert waren und in mehreren Artikeln
auch besonders über die Erinnerungsarbeit lokaler katholischer Vereine berichteten.
Schließlich fällt auf, dass die Akteure im Arbeitsausschuss in kurzer Zeit eine
komplexe Planungsaufgabe mit großer militärischer Präzision auf den Weg brachten.
So gab es zum Beispiel detaillierte Bestimmungen über das Abbrennen der
Freudenfeuer, die auch in der Saarbrücker Zeitung abgedruckt wurden: Es werden
8 Feuer abgebrannt, die am Abend des 18. Okt. Punkt 9 Uhr angeziindet werden
[...]. Das Signal zum Anzünden wird durch zwei Kanonenschläge und 3 Leuchtraketen
gegeben, die von der Zinne des Winterberg-Denkmals Punkt 9 Uhr steigen.
Die Fackelzüge haben ihren Abmarsch von den Sammelplätzen so festzusetzen,
6 In Metz gab es am 19. Oktober nur zwei besondere Gottesdienste sowie am Nachmittag
Musikaufführungen auf öffentlichen Plätzen, siehe Lothringer Zeitung vom 17. Oktober
1913. Am 18. Oktober schrieb die gleiche Zeitung: Der Gedenktag der Jahrhundertfeier
wird hier fast nur durch einige militärische Veranstaltungen bemerkbar, und nur hier
und da deutet Flaggenschmuck auf den Festtag hin. Dazu schrieb die deutschkritische
Zeitung Le Lorrain am 16. Oktober: Jusqu 'ici nous n ’avons pas eu connaissance que des
fêtes spéciales aient été prévues à Metz pour célébrer le centenaire de Leipzig. On y aura
sans doute renoncé par égard pour la population indigène et, s 'il en est ainsi, il faut
rendre hommage à ce sentiment de délicatesse. A Thionvillepar contre [...] le centenaire
sera célébré solennellement. [...]. Il n ’est pas nécessaire d’ajouter qu 'aucun véritable
Thionvillois ne se montrera à cette séance.
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