Das von einer Militärkapelle gespielte Musikprogramm enthielt unter anderem
die Jubel-Ouvertüre von Weber, mehrere Stücke von Wagner und endete mit dem
Triumphmarsch von Verdi. Die bei diesem Festessen dokumentierte Allianz der zivilen
und militärischen Eliten bildete dann auch das personale und konzeptionelle Fundament
für die weiteren patriotischen Feiern am Vorabend des Ersten Weltkriegs.
Als nächstes Großereignis im patriotischen Jubiläumskaiender stand die Jahrhundertfeier
der Völkerschlacht bei Leipzig an, die ja in allen Teilen des Wilhelminischen
Reiches für das Wochenende vom 18. und 19. Oktober 1913 geplant
war. Glanzpunkt der Erinnerungsfeiem sollte die Einweihung des nun endlich fertig
gestellten monumentalen Völkerschlachtdenkmals auf dem ehemaligen
Schlachtfeld sein. Auch in Saarbrücken hatte der Verkehrsverein schon im Juli ein
Programm für diese Jahrhundertfeier vorbereitet und dem 2. Vorsitzenden des
Verkehrsvereins, dem Architekten Hans Weszkalnys, die Oberleitung übertragen.
Die konstituierende Sitzung des dann gebildeten Arbeitsausschusses fand am 4.
August im Hotel Monopol statt. Diesem Ausschuss gehörten neben dem Vorsitzenden
Weszkalnys folgende Herren an:
• Ernst Schilde, Hauptmann a. D., Vorsitzender des Kriegervereines für
Saarbrücken und St. Johann,
• Dr. Karl Bretschneider, Vorsitzender des Ausschusses der Männergesangvereine
für Saarbrücken und Umgebung,
• Hubert Hasser, Hotelbesitzer,
• Ludwig Münning, Kaufmann.
Dieser aus wichtigen Multiplikatoren gebildete Ausschuss richtete in den Räumen
des Verkehrsvereins in der Kaiserstraße eine eigene Geschäftsstelle ein, verfügte
über einen eigenen Briefkopf und entwickelte in den folgenden Wochen eine
sehr effektive Tätigkeit zur Vorbereitung der Jubiläumsfeiern. Am 8. August erhielt
die Stadtverwaltung den Programmentwurf, der im Grunde schon alle Komponenten
der geplanten Feier enthielt. Um die gesamte städtische Öffentlichkeit zu
mobilisieren, bemühte sich der Arbeitsausschuss einen Monat vor dem Fest um eine
sehr viel größere Unterstützung bei allen militärischen und zivilen Funktionsträgem.
In einem Schreiben an 67 Honoratioren vom 16. September wurden alle Spitzen
der Verwaltungen zur Mitwirkung in einem Ehrenausschuss eingeladen24. Die
hier in Auszügen abgedruckte Adressenliste spiegelte in der gewählten Rangfolge
nicht nur die Bedeutung der Funktionsträger für die Unterstützung der Jubiläumsfeier,
sondern sie dokumentierte vermutlich auch die soziale Hierarchie innerhalb
der militärischen und zivilen Eliten in der Stadt aus der Perspektive des
Arbeitsausschusses:
Positionen
Persönlichkeiten
1-10
1 General-Inspekteur und General Oberst Eichhorn
2 Kommandierender General von Below
3-10 weitere führende Offiziere
11
Eisenbahn-Direktionspräsident Schwering
12-15
Landgerichtspräsidenten und Justizräte
16
Landrat von Miquel
24 Ebd.
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