der Feier des 18. Oktober sich zu besprechen*. Erst in der Nachberichterstattung
der Presse erfolgte dann die genauere Beschreibung des Gedenktages: In den Kirchen
fand des Vormittags besonderer Festgottesdienst statt, um in gemeinsamer
Andacht beim Gedenken jener verhängnisschweren Zeit dem Allmächtigen für den
Sieg der deutschen Waffen und die hieraus erblühende Unabhängigkeit des Vaterlandes
zu danken0. Am Abend loderten dann bei hereinbrechender Dunkelheit auf
den Höhen von Saarbrücken und St. Johann mächtige Feuersäulen zum Himmel ,
und anschließend versammelten sich die Mitglieder der Vereine im Plager4sehen
Saale, wo es Festreden und patriotische Gesänge gab.
Mit den Höhenfeuem, den Festgottesdiensten und den patriotischen Reden wurden
bereits die wichtigen Komponenten für das standardisierte Festritual genutzt,
die auch bei späteren nationalen Feiern immer wieder eingesetzt wurden. Allerdings
fällt auf, dass es sich hier nicht um eine Veranstaltung städtischer oder militärischer
Eliten handelte, wichtige Akteure waren vielmehr bürgerliche Vereine12,
die zum Teil schon im Revolutionsjahr 1848 auf lokaler Ebene eine wichtige Rolle
gespielt hatten. Den Vorsitz der Festveranstaltung hatte übrigens Dr. Jordan, der
bereits im Revolutionsjahr einer der Wortführer der liberalen Bewegung in den
Saarstädten gewesen war. Es fallt auch auf, dass das preußische Herrscherhaus in
dem Pressebericht über die Jubiläumsfeier überhaupt nicht erwähnt wurde. Im Mittelpunkt
stand offensichtlich die Erinnerung an die Befreiung des deutschen Vaterlandes.
Letztlich diente die pathetische Beschwörung der großen Zeit von Deutschlands
Erhebung und ihrer Männer und Helden wohl vor allem der Mobilisierung
der Zuhörer, sich weiterhin für die Schaffung der nationalen Einheit Deutschlands
einzusetzen. Dass die preußische Monarchie dabei ein entscheidender Akteur sein
könnte, war zu diesem Zeitpunkt noch mehr als ungewiss. Im Übrigen gab es in
den Berichten weder Hinweise auf die besondere Lage der Saarstädte im Jahr 1813
noch präzise Informationen zu den Hauptakteuren der Völkerschlacht. Das Fest
stand, wenn man den kurzen Pressenotizen vertrauen darf, ganz im Bann der noch
nicht erreichten nationalen Einheit.
Wie umstritten die kollektive Erinnerung an die Zeit der Angliederung an Preußen
im Jahr 1815 in den Saarstädten war, zeigte sich auch noch 1865 bei der 50.
Wiederkehr dieses Jahrestages. Den Stadtverordnetenversammlungen beider Städte
sollte eine umfangreiche Petition zur Beschlussfassung vorgefegt werden, in der
die Angliederung an Preußen in deutschpatriotischer Perspektive detailliert beschrieben
und gewürdigt wurde13. Gleichzeitig sollte nun eine aktive Erinnerungs-9
10
u
12
13
Saarbrücker Zeitung vom 15. Oktober 1863
Saarbrücker Zeitung vom 19. Oktober 1863.
Ebd.
Auch in Kaiserslautern lag die Gestaltung der Jubiläumsfeier im Jahr 1863 in den Händen
bürgerlicher Vereine, siehe Evelyn WEISS, Nationale Festkultur im Linksrheinischen.
Die Gedenkfeiern zur Leipziger Völkerschlacht in Kaiserslautern 1814/1863/1913, in:
Müller (wie Anm. 3), S. 187-271.
Der 11. und 27. Juli 1815 und 1865. Ein Antrag der Bürger und ein Beschluss der vereinigten
Gemeinderäte von Saarbrücken und St. Johann, Saarbrücken 1865, 26 Seiten. Vgl.
Stadtarchiv Saarbrücken, Bestand Bürgermeisterei (BGM) Alt-Saarbrücken, Nr. 2074
sowie Bestand BGM St. Johann, Nr. 1130. Die Stadtverordneten Gustav Bruch und Ferdinand
Dietzsch wurden mit der Umsetzung der im Antrag formulierten Beschlüsse beauftragt.
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