ligen Ludgerus aufsuchte4*. Neben Ausführungen zu einzelnen Pfarreien, diese
aber in eher kleiner Zahl, lässt sich noch ein weiterer Themenblock ausmachen:
Fromme Frauen und heilige Männer. In diesen Beiträgen werden meist die Quellengrundlagen
für die Viten etwa der heiligen Irmgardis oder der heiligen Ursula
auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft, an der prinzipiellen Verehrungswürdigkeit der
als heilig Erachteten, ihren guten Taten und ihrem Opfertod wird hingegen nicht
gerührt. Allen gemeinsam war die Standhaftigkeit der Rechtgläubigen gegenüber
den Heiden. Die Mehrzahl derartiger Beiträge wurde wiederum in der Hochphase
des Kulturkampfes publiziert. Die Leser konnten derartige Vorbilder und Verhaltensmuster
der Standhaftigkeit mit wenig Phantasie auf die eigene Situation im
Kaiserreich übertragen. Hauptautor war der Vizepräsident Joseph Heinrich Floß,
der als ordentlicher Professor für Moraltheologie an der Bonner Universität auch
Kirchengeschichte las. Nach dem Vatikanischen Konzil blieb er als einziger Ordinarius
in der Theologischen Fakultät und trug die Hauptlast der theologischen Vorlesungen.
Sein Forschungsinteresse galt vor allem der Erzdiözese Köln, er veröffentlichte
zahlreiche Arbeiten nicht nur zu den Kölner Erzbischöfen sondern auch
zur Hagiographie44. Floß und weitere Autoren boten den geneigten Lesern Artikel,
mit deren Hilfe sie die Erinnerungskultur des katholischen Milieus - etwa Glanz,
Macht und Einheit der Kirche im Mittelalter - untermauerten.
Darüber hinaus wandte man sich in Köln - wie anderenorts - nur zu gern der
versunkenen Welt des Rittertums zu. Genealogie und Heraldik erfreuten sich während
des gesamten Untersuchungszeitraums großer Beliebtheit. Je weiter die
Stammbäume ins Mittelalter zurückreichten - umso besser. Vor allem Vertreter der
Aristokratie, aber auch Bürgerliche betrieben mit Feuereifer adlige Familienkunde,
um so die Bedeutung der einflussreichsten Familien in der Vergangenheit zu beweisen
und daraus häufig ihre Befähigung für Leitungsfunktionen im 19. Jahrhundert
abzuleiten. Kritischer Umgang mit den Herrschenden war in den untersuchten
Geschichtsvereinen die Ausnahme, die Historiographie war in einem hohen Maße
personalisiert"0. Georg Kunz beschreibt in seinem Buch über die Geschichtsvereine
und deren Publikationen, dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts die bisherige Fixierung
auf den Staat und die Dynastie zunehmend von einer Geschichtsschreibung
abgelöst wurde, die sich volkskundlichen und ethnographischen Themen öffnete"1.
Die Geschichtsvereine in den Residenzstädten schienen gegen derartige Ansätze
weitgehend immun gewesen zu sein.
Allgemein dominierte in der Vereinslandschaft eine positivistische Geschichtskonzeption.
Dabei gingen die Autoren davon aus, dass der Fortschritt in der Historiographie
in der Publikation von Quellen liege. In diesem Zusammenhang gilt es
zu bedenken, dass erst einmal eine solide Quellenbasis geschaffen werden musste,
um anschließend darstellende und interpretierende Arbeiten anzugehen. Die Vor-4K
Vgl. den Bericht in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 32 (1877), S,
139-141.
49 Zur Person und den Arbeiten von Floß vgl. Allgemeine Deutsche Biographie 48, S. 61 Of.
und Neue Deutsche Biographie 5, S. 255f.
50 Vgl. dazu Gabriele B. Clemens, Obenbleiben mittels Historiographie: Adeligkeit als
Habitus, in: Hochkultur als Herrschaftselement. Italienischer und deutscher Adel im langen
19. Jahrhundert, hg. von Ders., Malte König und Marco Meriggi, Berlin 2011,
S. 189-211.
51 Kunz, Verortete Geschichte (wie Anm. 7).
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