Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

mindest  hat  er  dies  versucht14.  Andere  Professoren  äußerten  sich  kritisch  bis  abwertend,
  so  etwa  der  Berliner  Althistoriker  Theodor  Mommsen:  Er  betrachtete  die
archäologischen  Aktivitäten  von  pensionierten  Landpredigern  und  Kreisphysikern,
die  oft  mehr  zerstörten  als  zu  Tage  brachten,  mit  großem  Argwohn19 20 23.  Und  gewiss
ist  es  richtig,  dass  eine  Reihe  von  Professoren  keinerlei  Interesse  daran  zeigte,  die
„Dilettanten“  in  den  historischen  Vereinen  in  irgendeiner  Weise  zu  unterstützen.
Nahmen  die  gewählten  Präsidenten  die  ihnen  angetragene  ehrenvolle  Aufgabe
auch  gerne  an,  so  haben  sie  ihrem  Amt  -  abgesehen  vom  Titel  -  nicht  unbedingt
die  größte  Bedeutung  zugemessen.  Folglich  blieben  meist  die  Sekretäre  diejenigen,
die  den  Verein  leiteten  und  wissenschaftlich  betreuten.  Vor  allem  Archivare  und
Bibliothekare  übernahmen  dieses  arbeitsintensive,  aber  weniger  ehrenvolle  Amt,
gefolgt  von  Juristen  und  Lehrern.
Die  Aufgaben  und  Arbeitsfelder  der  Geschichts-  und  Altertumsvereine  boten  im
19.  Jahrhundert  noch  ein  recht  buntes  Bild.  Am  Beginn  stand  meist  die  Gründung
einer  Zeitschrift.  Der  Vorstand  entschied,  was  publiziert  wurde.  Die  Herausgabe
der  Zeitschriften  oblag  meist  einem  aus  den  Reihen  der  Mitglieder  gewählten  wissenschaftlichen
  Ausschuss.  Die  Vertreter  des  Vorstandes,  zu  denen  meist  der  Ausschuss
  gehörte,  haben  im  Prinzip  dann  auch  den  Inhalt  der  Zeitschrift  bestritten.
Gehörten  die  Autoren  nicht  diesen  Gremien  an,  so  handelte  es  sich  doch  fast  ausschließlich
  um  Vereinsmitglieder.  Auffallend  ist  weiterhin,  wie  klein  die  Anzahl
der  Autoren  überhaupt  war.  Der  Vereinszeitschrift  kommt  in  den  Geschichtsvereinen
  eine  nicht  zu  unterschätzende  Bedeutung  zu.  Zugespitzt  könnte  man  sogar  behaupten,
  dass  viele  Vereine  nur  bestanden  oder  bestehen,  um  ihre  Zeitschrift
und/oder  ihre  Monographien  zu  finanzieren.  In  einigen  Fällen  wurde  nicht  die  Zeitschrift
  für  den  Verein,  sondern  der  Verein  zur  Herausgabe  einer  Zeitschrift  gegründet.
  Wenn  Vereine  existierten,  die  keine  Zeitschrift  herausgaben,  wurden  sie
von  den  Schwestergesellschaften  kaum  wahrgenommen.  Ohne  Zeitschrift  fehlte
den  Vereinen  nicht  nur  ein  Publikationsorgan  für  die  eigenen  Forschungsergebnisse,
  sondern  ein  wichtiges  Tauschmittel  für  den  Aufbau  ihrer  Bibliotheken.  Deutsche
  Geschichtsgesellschaften  unterhielten  Tauschkontakte  mit  bis  zu  über  100  Gesellschaften,
  wobei  die  so  eingegangenen  Zeitschriften  den  wichtigsten  Grundstein
für  die  vereinseigenen  Bibliotheken  bildeten-1.
Darüber  hinaus  konnten  deutsche  und  französische  Vereine  für  sich  in  Anspruch
nehmen,  Ausgangspunkt  für  die  beginnende  Denkmalpflege  ihrer  Länder  gewesen  zu
sein.  Weil  die  Ur-  und  Frühgeschichtsforschung  sowie  die  römische  Provinzialarchäologie
  noch  in  den  Kinderschuhen  steckten  und  zudem  immer  wieder  die  Hoffnung
  keimte,  sagenhafte  und  sagenumwobene  Schätze  zu  heben,  übten  privat  organisierte
  Ausgrabungen  einen  ganz  besonderen  Reiz  auf  interessierte  Kreise  inner-  und
außerhalb  der  Geschichtsvereine  aus.  Für  die  Altertumsvereine  in  Bonn--  und
Saarbrücken  führten  die  archäologischen  Interessen  sogar  zur  Vereinsgründung-1.
19  Heimpel,  Geschichtsvereine  (wie  Anm.  6),  S.  63.
2(1  Zur  Bewertung  der  Mommsen’schen  Urteile  über  die  nicht  an  der  Universität  angesiedelte
  Provinzialarchäologie:  Gerhard  Wirth,  150  Jahre  Bonner  Jahrbücher  des  Vereins  der
Altertumsfreunde  im  Rheinlande,  in:  Bonner  Jahrbücher  191  (1991),  S.  1-26,  hier  S.  16.
21  Hierzu  ausführlicher:  Clemens,  Sanctus  Amor  Patriae  (wie  Anm.  7),  S.  129-135.
22  Gabriele  John,  150  Jahre  Verein  von  Altertumsfreunden  im  Rheinlande,  Köln  1991.
23  §1  des  Historischen  Vereins  für  die  Städte  Saarbrücken  und  St.  Johann  und  Umgebung
lautet  dann  auch  wie  folgt:  Um  die  in  hiesiger  Gegend  vorkommenden  Überreste  der  rö-338

            
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