Veranstaltungen, denen sie doch erst den rechten Glanz verliehen. Als ordentliche
Mitglieder finden sie sich vereinzelt nach 1900 auf den Mitgliederlisten16.
Von den elitären Mitgliedern waren jedoch nur sehr wenige wirklich aktiv. Man
kann es auf die simple Formel bringen: Der Vorstand ist der Verein. Der Kreis der
Arbeiter im Weinberg der rheinischen Geschichte ist meist nicht allzu groß gewesen11.
Mit dieser Aussage beschreibt der Neffe von Alexander Schnütgen, dem
langjährigen Vizepräsidenten des Historischen Vereins für den Niederrhein, treffend
die Situation des eigenen, aber auch die der anderen historischen Vereine18.
Gegenüber einer Handvoll Aktivisten stand die Masse der passiven ordentlichen
Mitglieder. Vollversammlungen zählten häufig nur zwei Dutzend Anwesende. Die
praktische Vereinsarbeit und die Publikationen bestritt in allen historischen Gesellschaften
meist der Vorstand selbst. Aufgebaut war dieses Vereinsgremium jeweils
nach demselben Schema. An der Spitze stand der Präsident - der je nach Verein
und Zeitpunkt auch Direktor, erster Vorstand oder erster Vorsitzender heißen
konnte ihm folgte zunächst sein Stellvertreter, und dann schlossen sich der Sekretär,
der wissenschaftliche Ausschuss sowie je nach Ausstattung und Ziel der Gesellschaft
Bibliothekare, Museumsbeauftragte und Vereinsarchivare an. Die wichtigsten
Personen für die Repräsentation nach außen stellten die Vorsitzenden dar,
für die Veröffentlichungen und das Vereinsleben waren meist die Sekretäre verantwortlich.
ln stark monarchisch geprägten Vereinen der Residenzstädte nahmen, wenn
nicht Mitglieder des Königshauses und des mit ihm verwandten Adels, doch mindestens
Beamte Führungspositionen ein, die ebenfalls häufig Aristokraten waren.
Dies änderte sich erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Nun kamen mehr
historisch ausgebildete Fachleute zum Zuge, Dilettanten wurden aber auch weiterhin
an die Vereinsspitze gewählt. Für die Vizepräsidenten lassen sich ähnliche Beobachtungen
machen. Die Frage, inwieweit sich Universitätsprofessoren in den
Geschichtsvereinen engagierten, ist nicht pauschal zu beantworten. Im Kölner Verein
waren Bonner Professoren sehr stark vertreten, auch als (Vize-)Präsidenten.
Ebenfalls waren im Verein für die Geschichte der Mark Brandenburg prominente
Universitätsprofessoren unter den ersten Vorsitzenden. Gewiss hing ein eventuelles
Engagement zum einen vom jeweiligen Vereinsprofil, zum anderen aber davon ab,
inwieweit einzelne Wissenschaftler historische Vereinsarbeit überhaupt für sinnvoll
erachteten. So war von Georg Waitz, einem der angesehendsten Mediävisten
im 19. Jahrhundert bekannt, dass er in Vereinen, mit denen er Berührung hatte, mit
„energischer und etwas kalter“ Hand für wissenschaftliche Ordnung sorgte - zu-16
Frauen waren in allen untersuchten Geschichtsvereinen als Zuhörerinnen zugelassen, als
unbeantwortet offen lässt dies hingegen Sobania in seinen Ausführungen zu Frauen in den
Vereinen, vgl. Michael Sobania, Vereinsleben. Regeln und Formen bürgerlicher Assoziationen
im 19. Jahrhundert, in: Bürgerkultur im 19. Jahrhundert. Bildung, Kunst und Lebenswelt,
hg. von Dieter Hein und Andreas Schulz, München 1996, S. 170-191, S. 182.
1 Alexander Schnütgen, Fünfundsiebzig Jahre Historischer Verein für den Niederrhein,
in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 115 (1929), S. 5-37, hier S. 30.
IK Vgl. zum Kölner Verein: Gabriele B. Clemens, Katholische Traditionsbilder und Geschichtskultur.
Der Historische Verein für den Niederrhein im preußischen König- und
deutschen Kaiserreich, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 207
(2004), S. 81-124.
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