Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Pfändung  folgten  die  Bauern  der  Jagdgesellschaft  bis  zum  Ort  Buprich.  Zwei  Bauern
  liefen  indes  voraus,  einer  nach  Hüttersdorf,  der  andere,  Matthias  Oster  nach
Buprich.  Nahe  dem  Ort  Buprich  soll  Nikolaus  Michaeli  laut  herbey,  ihr  Nachbarn
geschrien  haben.  Einwohner  der  beiden  Dörfer,  Männer  und  Frauen,  jung  und  alt,
etwa  200  Personen,  nach  anderer  Aussage  300,  versammelten  sich  vor  dem  Ort
Buprich,  mit  Äxten,  Prügeln,  Heu-  und  Mistgabeln,  Stangen  und  Steinen  versehen.
Sonntag  Müller  soll  die  Troupen  mit  einem  Prügel  angeführt  haben.  Sie  griffen  nun
die  Pfandträger  an,  um  ihnen  die  im  Wald  gepfändeten  Gegenstände  wieder  abzunehmen.
  Es  entstand  ein  Tumult,  und  dabei  kam  es  auch  zur  Anwendung  von  Gewalt,
  zu  Schlägen  und  Steinwürfen.  Der  Herr  von  Oberhausen,  zu  Fuß,  wurde  an
den  Haaren  zu  Boden  gerissen  und  insbesondere,  wie  auch  die  spätere  medizinische
  Begutachtung  ergab,  auf  Kopf  und  Schultern  geschlagen.  Sonntag  Müller  hieb
mit  einem  Prügel  auf  den  Herrn  von  Oberhausen  ein,  Stoffel  Backes  und  der  Kühehirt
  Nikolaus  Egler  hielten  diesen  bei  den  Haaren.  Auch  nach  dem  Herrn  von  Hagen
  wurde  mit  Steinen  geworfen.  Matthias  Schommer,  die  übrigen  ließen  sich
nicht  ermitteln,  soll  den  ersten  Steinwurf  getätigt  haben.  Ein  Stein  flog  dem  Herrn
von  Hagen  durch  die  Perücke,  ein  anderer  auf  die  Flinte,  einer  auf  den  Sattel,  einer
wäre  ihm  auf  den  Rücken  gefahren.  In  dem  Tumult  soll  der  Herr  von  Hagen  seine
Flinte  gespannt  haben,  wie  er  angegriffen  gewesen,  um  die  Leute  zu  schrecken.  Er
hätte  sich  einmal  verstellet,  als  wollte  er  schießen;  er  habe  gespannet,  aber  nicht
Ioßgebrannt,  sagten  Zeugen  aus.  Darüber  hinaus  soll  der  Herr  von  Hagen  einem
bei  der  Jagdgesellschaft  befindlichen  Meier  befohlen  haben,  dieser  solle  Feuer  geben,
  und  auf  dessen  Weigerung  sogar  diesem  zugerufen  haben,  er  werde  ihm  bei
nochmaligem  Versagen  eine  Kugel  vor  den  Kopff  schießen.  Ein  Zeuge  gab  zu,  dass
der  Herr  von  Hagen  durch  offteres  Anspornen  des  Pferdes  die  Unterthanen  hart
überrennen  wollte.  In  diesem  Zusammenhang  wohl  schlug  Matthias  Oster  mit  einer
  großen  Stange  nach  dem  Freiherrn  von  Hagen.  Dieser  wehrte  jedoch  den
Schlag  mit  der  Flinte  ab,  der  Hieb  traf  so  auf  den  Kopf  des  Pferdes,  dass  dieses  mit
den  Vorderbeinen  in  die  Knie  ging  und  sich  zu  Boden  senkte.
Während  des  Tumultes  kam  es  auch  zu  einem  Wortwechsel,  in  dem  Gemeindemitglieder
  ihren  Herrn  auf  ihre  Rechte  am  Wald  hinwiesen  und  ihn  baten,  doch  den
in  Wetzlar  beim  Reichskammergericht  anhängigen  Prozess  abzuwarten.  Darauf  soll
dieser  geantwortet  haben,  das  wolle  er,  wundere  sich  aber,  dass  seine  Unterthanen
so  vermessen  seien,  sich  gegen  ihn  aufzuwerffen  und  ihn  so  übel  zu  tractiren.
Die  Herren  und  ihre  Bedienten  ergriffen  nun  die  Flucht,  wurden  von  den  Dorfbewohnern
  von  Buprich  bis  Hüttersdorf  und  noch  über  die  Prims  in  Richtung  Lebach
  verfolgt.
Nach  der  „Rebellion“  kamen  Gemeindemitglieder  zu  dem  Schmied  und  Jäger
Johannes  Schmitt,  der  bei  der  Pfändung  beteiligt  war,  gewaffenet  in  dessen  Haus,
sie  löschten  ihm  das  Herdfeuer,  nahmen  einen  Topf  als  Pfand  und  entzogen  ihm
alle  Gemeinderechte  mit  der  Bemerkung,  sie  wollten  ihn  als  Anhänger  der  Herrschaft
  länger  nit  in  der  Gemeindt  leiden.
Am  Abend  und  bis  in  die  Nacht  hinein  hielten  die  Gemeindemänner  mit  ihren
Weibern  ein  Jubelfest,  wie  ein  Zeuge  aussagte  und  hätten  sich  mit  Weib  und  Kindern
  im  Wirtshaus  [...]  erlustiget.
Sonntag  Müller  wurde  als  der  Führer  in  der  „Rebellion“  bezeichnet.  Sie  lebten  alle
unter  seiner  Direction,  dieser  und  sein  Sohn  seien  die  Führer  und  Rathgeber,  was
er  den  Gemeinsleuthen  anrathet,  solches  thäten  sie  gemeiniglich  folgen  und  voll-322


            
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