Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Die  sogenannten  Einspännigen,  mancherorts  auch  Hintersassen  genannt,  hatten
nur  ein  vermindertes  Gemeinderecht,  oft  nur  partielle  Rechte  an  Wasser,  Wald  und
Weide,  die  von  der  Gemeinde  erkauft  werden  konnten.  Die  Gemeinde  als  Korporation
  hatte  die  Nutzung  und  Verwaltung  eigener  Güter,  vor  allem  einen  umfangreichen
  eigenen  Wald,  in  dessen  Genuss  -  Bau-,  Brenn-  und  Nutzholz  -  in  der  Regel
  nur  die  Gemeindemitglieder  kamen.  Diese  Gemeindegüter  konnten  von  der
Gemeinde  verkauft,  vertauscht  und  auch  verpfändet  werden  -  aus  der  Sicht  der
Gemeinden  ohne  herrschaftlichen  Konsens,  auch  ohne,  wie  sonst  üblich,  die  Abgabe
  eines  Drittels  des  Kauferlöses,  „des  Dritten  Pfennigs“,  den  die  Herrschaft
beim  Verkauf  der  Schaftgüter  für  sich  reklamierte.
Genossenschaftlich  bestimmtes  Organ  der  jeweiligen  Gemeinde  war  der  Heimmeier
  oder  Zender  (auch  Zenner),  den  die  Gemeindemitglieder  aus  ihrer  Mitte  für
ein  Jahr  wählten.  Er  vertrat  die  Gemeinde  gegenüber  den  Herrschaften  und  auch
juristisch  nach  außen,  und  er  legte  für  die  Ausgaben  und  Einnahmen  der  Gemeindegelderjährlich
  Rechnung.
Über  die  demographische  Entwicklung  in  den  beiden  Dörfern  lassen  sich  für  die
erste  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  nur  sehr  ungenaue  und  pauschale  Angaben  machen:
  Hüttersdorf  und  Buprich  hatten  wohl  wie  viele  Gemeinden  der  Region  in  den
beiden  letzten  Jahrzehnten  des  Dreißigjährigen  Krieges  erhebliche  Bevölkerungsverluste
  durch  Krieg,  Seuchen  und  Vertreibung  hinzunehmen.  Verwandtschaftliche
Verbindungen  und  Kontinuitäten  zu  Einwohnern  vor  dem  verheerenden  Krieg  sind
nur  sehr  schwer  festzustellen.  1680  aber  schien  die  Bevölkerung  schon  derart  zugenommen
  zu  haben,  dass  eine  Bannrenovation,  eine  Art  Flurbereinigung,  durchgeführt
  wurde,  durch  die  die  Anteile  an  den  Schaftgütern  erneut  festgelegt  wurden.
Kann  man  so  annehmen,  dass  sich  die  Bevölkerungsverluste  des  Dreißigjährigen
Kriegs  zu  Beginn  des  18.  Jahrhunderts  ausgeglichen  hatten,  so  lässt  sich  die  Bevölkerungszahl
  zu  diesem  Zeitpunkt  auf  200-250  schätzen.
Genaue  Zahlen  jedoch  sind  für  die  zweite  Hälfte  des  18.  und  die  erste  Hälfte  des
19.  Jahrhunderts  überliefert.  So  stellt  ein  Familienregister,  das  Pfarrer  Johannes
Bracken  für  alle  Einwohner  im  Juni  1781  anlegte,  für  Hüttersdorf  370,  für  Buprich
256,  insgesamt  also  626  Einwohner  zusammen.  Eine  von  Pfarrer  Theobald  zu  Beginn
  des  Jahres  1810  angelegte  Liste  führt  insgesamt  812  Einwohner  an.
Damit  wird  deutlich,  dass  sich  in  Hüttersdorf-Buprich  -  was  wohl  auch  für  die
Saarregion  insgesamt  angenommen  werden  kann  -  die  Bevölkerung  im  18.  Jahrhundert
  annähernd  verdreifacht  hat,  wobei  das  wohl  stärkere  Wachstum  in  der
zweiten  Hälfte  dieses  Jahrhunderts  zu  verzeichnen  sein  mag.  Dies  hatte  sicherlich
erhebliche  Folgen  für  die  Dorfgesellschaft  des  18.  Jahrhunderts,  da  wohl  überproportional
  -  und  das  lässt  sich  in  Analogie  zu  anderen  Dörfern  erschließen  -  die
Dorfarmut  und  somit  die  Zahl  der  Tagelöhner  und  Kleinstellenbesitzer  anwuchs,
zumal  in  den  Dörfern,  in  denen  infolge  der  Realteilung  die  Schaftgüter  -  und  das
trifft  auch  auf  Hüttersdorf-Buprich  zu  -  unter  gleichnahen  Erben  aufgeteilt  werden
konnten.  So  gibt  das  1781  von  Pfarrer  Johannes  Bracken  angelegte  und  heute  im
Hüttersdorfer  Pfarrarchiv  aufbewahrte  Einwohnerverzeichnis  die  Besitzverhältnisse
  der  insgesamt  116  Haushalte  an:  31  Haushalte  besaßen  nicht  das  Gemeinderecht,
  18  davon  waren,  wohl  überwiegend  Dorfhandwerker  und  (oder)  Tagelöhner,
ohne  jeden  Grundbesitz.  45  Haushalte,  rund  40  %,  bewirtschafteten  einen  Grundbesitz
  von  3-8  Ruthen.  Über  den  größten  Grundbesitz  (27-35  Ruthen)  verfügten
nur  3  Familien.

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