Schmiede des vormaligen Hameiers Peter Müller durch Truppenteile zum Beschlagen
der Kavalleriepferde vervollständigen das Bild44 49. Wiederholt geriet die Gemeinde
kurzfristig mit den geforderten Leistungen in Rückstand und musste dann
mit den Behörden verhandeln.
Noch 1797 leisteten die Saarwellinger aktiven Widerstand gegen die Forderungen
der französischen Besatzer. Sie verweigerten eine Sonderabgabe von Klafterholz
aus ihrem Wald, die sie selbst mit 40 Arbeitern erbringen sollten. Daraufhin
erhielten sie Einquartierung von fünf Soldaten unter Korporal Roger, die so lange
bei dem Gastwirt Johannes Krämer logieren sollten, bis die Forderungen des Generalunternehmers
für die Forsten in den eroberten Ländern, Franz Luc, erfüllt seien.
Neben Kostgeld für die Soldaten von 30 Sols täglich musste die Gemeinde ebenfalls
30 Sols pro Tag für jeden Arbeiter zahlen, der nicht zum Holzschlagen erschien.
Schließlich drohte Luc mit der Entsendung weiterer 30 Soldaten binnen 24
Stunden. Am 13. und 14. August schlugen die Arbeiter, allerdings nur 10 bis 15,
das geforderte Brennholz in den Gemeindewäldern. Die Kosten der Einquartierung
bezifferte Gastwirt Krämer mit 134 Livres50.
Die Gemeinde Saarwellingen reagierte auf die permanenten Anforderungen der
französischen Armee, indem sie die Amtslast des Hameiers aufteilte und das Amt
eines Kriegs-Hameiers einführte, das 1797 Nickel Kunz und 1798 Wilhelm Thönes
inne hatten, ohne dass sich jedoch die Inhalte der Gemeinderechnungen des regulären
Hameiers dadurch änderten51. Zinszahlungen für die geleisteten Kredite und
Rückzahlungen gestundeter Beträge an Gemeindemitglieder, die für die Bedürfnisse
der Armee in Vorlage getreten waren oder Einquartierungen gehabt hatten,
44 Mayer, Gemeinderechnungen (wie Anm. 2), A 4/A 5, einige Beispiele: A 4 (1797), S.
31, Nr. 1,3, 15, 17, 18; S. 37, Nr. 100; A 5 (1798), S. 39, Nr. 7 an den Kommandant von
den Dragoner, welche am 27. November hier angekommen sind, ein Pfund Käse und ein
Pfund Zucker müßen geben. Zum Datieren wurde in Saarwellingen ausschließlich der
christliche Kalender verwendet, in Oberlinxweiler vermischen sich 1799 christliche und
revolutionäre Datierung. Die Gemeinderechnung von Oberlinxweiler wies seit 1797 vergleichbare
Belastungen aus: Zwangsanleihe, Lieferungen an Offiziere, Armeelieferungen,
Exekutionsgebühren, Einquartierungen, Fourage, Schmiedearbeiten, Zahlungen an
Justizbeamte, Botengänge, meist nach Ottweiler, aber auch nach Bitsch, weiterhin
Kriegskosten, die auf Bann und Güter erhoben wurden, und bereits Steuerleistungen und
Zehntzahlungen an die französische Administration; siehe Schwingel (wie Anm. 2), S.
205-217. Die dort erhaltene Rechnung von 1799 dokumentiert die Übernahme in die
französische Verwaltung mit ihren hohen Steueranforderungen: Grundsteuer, Mobiliarund
Personalsteuer, Zahlungen für die Waldddomänen, Fenster-Geld, Abgaben an die
Munizipalverwaltung in St. Wendel, Bürger-Exekution, Gemeinde-Exekution, Säumnisgelder,
Schanzgelder, Suadisionel (?), Schatzung sowie diverse Lieferungen und
Schreibarbeiten; siehe Schwingel (wie Anm. 2), S. 220-223.
50 Mayer, Einwohner (wie Anm, 2), S. 73.
51 Ebd. A 4, S. 36, Nr. 29; A 5, S. 40, Nr. 19 dem Kriegs-Hameier Nickel Kunz gegeben für
Papiere an die Soldaten oder Dragoner zu liefern 6 Livres. Die genaue Funktion dieses
Amtes erschließt sich nicht. In Oberlinxweiler war die Gemeinde der zunehmenden Belastung
des Hameieramtes dadurch begegnet, dass ab 1793 der Inhaber vierteljährlich
wechselte und damit das persönliche Risiko des Amtsinhabers sich verringerte; siehe
Schwingel (wie Anm. 2), S. 178-230.
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