Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

zu  Zeiten  wechselvoller  militärischer  Aktionen.  Wiederholt  finden  sich  in  der  Gemeinderechnung
  daher  Abrechnungen  einer  Vorstellung  an  den  Kantonsverwalter
wegen  der  allzu  vielen  Kriegskosten42 *.  Die  Höhe  der  tatsächlichen  Naturalleistungen
  der  Gemeinde  an  das  französische  Militär  lässt  sich  nur  punktuell  feststellen,
wenn  zusätzlich  zu  den  anfallenden  Schreibgebühren  Angaben  gemacht  werden,
beispielsweise  75  Pfund  Heu  oder  zwei  Pferde44.
An  den  Kantonsverwalter  ergingen  gegen  Quittung  große  Summen  an  Geld  und
für  Lebenskosten  insgesamt  657  Livres,  ebenso  an  den  Commandanten  zu  Schwarzenholz
  (225  Livres).  Dabei  handelte  es  sich  wohl  auch  um  Bestechungsgelder,  wie
im  Fall  des  Comis  aus  dem  Trierischen  Magazin,  der  wegen  15  geforderten  Fuhren
mit  Fourage  auf  Trier,  von  den  unsrigen  zu  fahren,  mit  144  Livres  abgespeiset
wurde45.  Die  Ausgaben  der  Rechnung  von  1796  überstiegen  mit  3988  Livres  die
Einnahmen  von  3312  Livres  um  ein  Beträchtliches.  Dem  Hameier  Kläß  Puhl  blieb
die  Gemeinde  553  Livres  schuldig.  Zudem  wurden  die  Rechnungen  seitdem  außer
von  den  Schöffen  und  dem  Meier  zusätzlich  von  dem  örtlichen  Agenten,  Johannes
Kessler,  unterzeichnet.  Hier  greift  einerseits  nach  Jahren  der  relativen  Autonomie
verstärkt  herrschaftliche  Kontrolle  in  die  Belange  der  Gemeinde  ein,  andererseits
wurde  zumindest  von  diesem  Agenten  Bestechungen  zum  Vorteil  der  Gemeinde,
die  sogar  aktenkundig  waren,  ohne  Weiteres  akzeptiert,  womöglich,  weil  er  selber
Gemeindemitglied  war.  Johannes  Kessler,  ein  Sohn  des  Illinger  Maiers,  hatte  sich
1785  nach  Saarwellingen  verheiratet46.
Die  Umstellung  auf  die  intensive  und  räumlich  nahe  französische  Verwaltung
mit  ihren  Steuerforderungen  und  den  nach  wie  vor  an  das  Militär  zu  leistenden
Abgaben  und  Diensten  belasteten  die  Gemeindefinanzen  in  den  Jahren  1797/98  erheblich47.
  Einerseits  kam  es  zwar  nicht  mehr  zu  unmittelbaren  Kriegshandlungen,
andererseits  hatten  Verwaltung  und  Armee  jetzt  ungehinderten  Zugriff  auf  die  Ressourcen
  der  Gemeinden  in  den  pays  conquis,  einschließlich  der  Machtmittel,  sie
durchzusetzen,  vornehmlich  mittels  Einquartierungen  und  durch  Militärkommandos.
  Die  Wied-Runkelsche  Herrschaft  mit  Sitz  der  Grafschaft  in  Kriechingen  während
  des  Alten  Reiches  hatte  keineswegs  über  vergleichbare  Druckmittel  verfügt4*.
Die  Rechnungen  geben  das  Spektrum  der  Leistungen  der  ehemaligen  Reichsherrschaft
  an  die  französischen  Machthaber  wieder:  Fouragelieferungen,  Contributions-Gelder,
  Kopfgelder,  dazu  Fuhrdienste,  Botengänge  oder  Schanzarbeiten  bis
hin  nach  Trier  mussten  geleistet  werden,  weiterhin  die  Verpflegung  durchreisenden
Militärs.  Einquartierungen  oder  die  Nutzung  örtlicher  Handwerksbetriebe  wie  der

45  Ebd.  A  3,  S.  22,  Nr.  65,  68,  71.  Für  Oberlinxweiler  ergibt  sich  ein  ähnliches  Bild.  Dort
wurde  ein  erzwungenes  Anlehen  aufgenommen,  außerdem  gab  es  Exekutionsgelder,
Schanzgebühren,  Zahlungen  an  den  Kommissar  in  Ottweiler,  Lieferungen  von  Nahrungsmitteln
  an  Offiziere  und  allgemeine  Kriegskosten;  siehe  Schwingel  (wie  Anm,  2),
S.  198-204.
44  Mayer,  Gemeinderechnungen  (wie  Anm.  2),  A  3,  S.  25,  110;  S.  26,  Nr.  123,  125;  S.  27,
Nr.  135,  137.
45  Ebd.  A  3,  S.  27,  Nr.  128  Schwarzenholzer  Commandant,  Nr.  129-132  Saarburg,  133
Trier.
46  Mayer,  Einwohner  (wie  Anm.  2),  S.  28,  Nr,  441.
1  Vgl.  Herrmann,  Erfahrungen  (wie  Anm.  1),  S.  125-127.
4X  Eva  Kell,  Irrungen  (wie  Anm.  2),  S.  25.

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