Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Kaum  beziffern  lassen  sich  die  Schäden,  die  angesichts  der  Durchzüge  des  Militärs
  in  der  Gemeinde,  der  Feld-  und  der  Waldflur  angerichtet  wurden.  Dass  sie
erheblich  waren,  geht  aus  den  Gemeinderechnungen  nur  bruchstückhaft  hervor,
wenn  beispielsweise  dem  Soldat,  welcher  auf  dem  Sehloßdach  bei  der  Feuersbrunst
  war,  6  Livres  für  sein  beherztes  Löschen  gezahlt  wurden  '2.
Das  Rechnungsbuch  für  das  erste  Halbjahr  1795  fehlt,  jedoch  zeigt  sich,  dass  in
der  zweiten  Jahreshälfte  keine  neuen  Schulden  aufgenommen  wurden,  da  die  Einnahmen
  nur  382  Livres  betrugen.  Die  Sonderkasse  für  die  Asiege  entfiel,  allerdings
leistete  man  weiter  Zahlungen  an  den  französischen  Kriegskommissar,  die  jedoch
weniger  umfangreich  ausfielen.  Inzwischen  war  die  Verwaltung  französisch,  so
dass  etliche  Botengänge  wegen  ausstehender  Zahlungen,  Kriegslieferungen,  Fuhren
  nach  Saarlouis,  Merzig,  Losheim,  Tholey  oder  Saarburg  führten33.  Ein  besonderes
  Anliegen  war  der  französischen  Verwaltung  zur  Konsolidierung  ihrer  Ansprüche
  die  Feststellung  der  ehemals  gezahlten  Abgaben,  die  jetzt  an  die  neue
Herrschaft  abgeführt  werden  sollten.  Dazu  wurden  mit  viel  Aufwand  Aufstellungen
  angefertigt,  die  sich  in  den  Rechnungen  als  Schreibgebühren  niederschlugen.
Mit  ebenso  viel  Aufwand  trug  die  Gemeinde  ihre  Kriegsbelastung  schriftlich  zusammen,
  wegen  der  Forderung,  welche  die  Franzosen  aufs  ganze  Land  gemacht,
deswegen  die  Kriegsbeschwerden  lassen  aufschreiben  deswegen  eine  Vorstellung
an  Kantons-Verwalter  machen  lassen34,  wohl  um  eine  geringere  Abgabenlast  zu
begründen.
Militäroperationen  mit  Kosten  für  die  Gemeinde  fanden  nach  wie  vor  statt:  bei
dem  letzten  Durchmarsch  der  Franzosen  ist  an  Wein  und  Branntwein  und  Brot,  unter
  solchen  sind  besonders  die  Kranken  und  Blessierten  zu  verstehen,  denselben
mußten  wir  darbieten  für  18  Livres.  Anscheinend  hatte  es  seit  1795  vorübergehend
ein  Militärspital  in  Saarwellingen  gegeben,  da  noch  1796  darauf  bezogene  Posten

Gesammelte  Aufsätze  (Geschichte,  Politik  &  Gesellschaft.  Schriftenreihe  der  Stiftung
Demokratie  Saarland,  Bd.  7),  St.  Ingbert  2005,  S.  144-167.  Läufer,  Blieskastel  (wie
Anm.  4),  S.  357,  370-372.
Mayer,  Gemeinderechnungen  (wie  Anm.  2),  A  1,  S.  3,  Nr.  16.  Dieser  Brand  wurde  von
der  Bevölkerung  womöglich  im  Nachhinein  mit  der  Vertreibung  eines  Pfarrers  in  Verbindung
  gebracht,  der  einen  entsprechenden  Fluch  ausgesprochen  haben  soll.  Dazu  Claudia
  Ulbrich,  Frauen  und  Kleriker,  in:  Bea  Lundt  und  Helma  Reimöller  (Hg.),  Von
Aufbruch  und  Utopie.  Perspektiven  einer  neuen  Gesellschaftsgeschichte  des  Mittelalters.
Für  und  mit  Ferdinand  Seibt  aus  Anlaß  seines  65.  Geburtstages,  Köln  1992,  S.  155-177,
wieder  abgedruckt  in:  Richard  van  Dülmen  und  Reinhard  Klimmt  (Hg.),  Saarländische
Geschichte.  Eine  Anthologie,  Saarbrücken  1995,  S.  155-157.  Hier  ging  es  um  einen  Konflikt
  mit  den  geistlichen  Autoritäten  um  eine  Kindstötung,  der  das  Wertesystem  der  Gemeinde
  berührte.
Mayer,  Gemeinderechnungen  (wie  Anm.  2),  A  2,  S.10,  Nr.  4;  S.  12,  Nr.  25  nach  Merzig;
  S.l  1,  Nr.  20  nach  Losheim;  S.  12,  Nr.  28  nach  Tholey;  Nr.  36  nach  Saarlibre;  S.  13,
Nr.  49  nach  Saarburg:  Abschriften  der  herrschaftlichen  Einkünfte  A  2,  S.  14f.,  Nr.  63;  S.
12,  Nr.  31  Abschrift  der  Kriegsbeschwerden  durch  den  Schulmeister,  Nr.  33  neuerliche
Abschrift,  Nr.  34  Verordnung  zu  den  Kriegsbeschwerden,  ln  Oberlinxweiler  wurden
1795  Kornlieferungen  nach  Tholey  geleistet,  außerdem  war  es  zu  Hausdurchsuchungen
wegen  Korns  gekommen;  siehe  Schwingel  (wie  Anm.  2),  S.  193,  195.
14  Mayer,  Gemeinderechnungen  (wie  Anm.  2),  A  2,  S.l2,  Nr.  37.  Eine  entsprechende  Aufstellung
  leistete  Oberlinxweiler  erst  1797;  siehe  Schwingel  (wie  Anm.  2),  S.  210.

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