hatten zum einen Teil begüterte Gemeindemitglieder aufgebracht, aber es gab auch
kleinere Beiträge, was für eine Solidarisierung angesichts der aufgebürdeten Lasten
spricht (in Livres): Johannes Schröder 366, Johannes Jochem 244, Johannes Poth
492, Johannes Krämer 36, Nikolaus Schäfer 360, Johannes Altmeyer 48, unserem
Herrn Meier (Peter Ziegler) 72, insgesamt 1984 Livres. Als weitere Einzelposten
an Rückzahlungen gingen 24 Livres an Matthias Planta und wiederum an Nikolaus
Schäfer mit 316 Livres27.
Obwohl die Gemeindemitglieder somit großzügig Kredit gewährt hatten, reichten
die eigenen Rücklagen angesichts der Kriegsbelastung nicht aus und man hatte
nach weiteren Geldquellen gesucht. Nach Lebach etwa wurde ein Kredit von 100
Louis d'or zur Hälfte abgegolten28. Die laufenden Belastungen einschließlich der
Rückzahlungen ließen sich nur mit neuen Krediten stemmen, so dass die Schuldenaufnahme
die Summe der Rückzahlungen bei Weitem überstieg. Insbesondere Nickel
(Nikolaus) Schäfer sprang erneut mit 1200 Livres ein, ansonsten suchte man
sowohl in den umliegenden Gemeinden als auch in der entfernteren Region bis
nach Trier nach neuen Geldgebern. 1795 lieh Jakob Strasser aus Lebach der Gemeinde
immerhin 2400 livres, wobei die Kreditbeschaffung sowohl Aufgabe des
Hameiers als auch ganzer Deputiertengruppen der Gemeinde war9.
Es lässt sich nicht klären, ob die Kriegsausgaben und Brandschatzungen von
Saarwellingen 1793-95 vorwiegend an die Franzosen gingen. Vieles spricht jedoch
dafür, vor allem, weil Kosten für alliierte Militärkontingente in den Rechnungen
gesondert aufgelistet wurden. Hier wird die zeitweise Präsenz österreichischer,
preußischer oder sächsischer Patrouillen bis in jedes Dorf hinein bestätigt, die permanente
Unsicherheit der Bevölkerung über den Ausgang des Krieges implizierte.
In Saarwellingen hatte man 1795 den preußischen Patrouillen nach und nach geben
müßen an Branntwein und Brot für 13 Livres30. Eine Politisierung der Bevölkerung
zugunsten der französischen liberté wurde dadurch erschwert, ebenso wie
durch die permanenten französischen Forderungen und Belastungen, es sei denn,
eine lokale politische Konstellation wie im Oberamt Schaumburg oder in Blieskastel
forderte eine dezidierte Entscheidung. Dies war in Saarwellingen trotz einer das
gesamte 18. Jahrhundert andauernden Widerstandstradition, die ihre Wurzeln in
der province de la Sarre hatte, nicht der Fall31.
2' Mayer, Gemeinderechnungen (wie Anm. 2), A 1, S. 6, Nr. 57, 59, 60. In Oberlinxweiler
hatte die Gemeinde erst 1795 bei Petter Creutz einen Kredit von 100 Florenen zur Bezahlung
allerhand Kriegsunkosten aufgenommen; siehe Schwingel (wie Anm. 2), S.
195. Zugleich wurde ein Kredit an Conrad Schwingel zurückgezahlt.
2H Mayer, Gemeinderechnungen (wie Anm. 2), A 1, S. 7, Nr. 62.
29 Ebd. A 1, S. 1, Nr. 5; S. 4, Nr. 27; ein Botengang führte den Hameier nach Nalbach mit
etlichen Deputierten wegen Geld in Trier zu leihen.
30 Mayer, Gemeinderechnungen (wie Anm. 2), A 1, S. 4, Nr. 24, vgl. auch S. 6, Nr. 51:
dem Matthias Kallenborn Butter für den General, welcher bei Johannes Krämer gelogieret,
abgekauft für 9 Livres. In Oberlinxweiler waren lediglich 1793 Abgaben an preußische
und sächsische Kriegstruppen verbucht worden, ansonsten sind Angaben über die
Herkunft durchziehender Truppen eher unpräzise; siehe Schwingel (wie Anm. 2), S.
180.
11 Eva Kell, Irrungen (wie Anm. 2), S. 11, Johannes Schmitt, Die Freiheits- und Reunionsbewegung
im Oberamt Schaumburg, in: Ders., Revolutionäre Saarregion 1789-1850.
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