Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Canditer-Wirt(s)  von  Lautern  ausgeführt  worden  waren21.  Die  Ausgaben  von  A  siege
  betrugen  1152  Livres  und  standen  ausnahmslos  mit  dem  Kriegsgeschehen  in
Verbindung22 *,  Es  zeigt  sich,  dass  auch  in  Saarwellingen  ein  französischer  Kommissar
  bereits  tätig  geworden  war,  für  dessen  persönliche  Lebenshaltung  die  Gemeinde
  aufkam.  Darüber  hinaus  und  nicht  von  dessen  privaten  Bedürfnissen  getrennt
  stellte  Saarwellingen  Lieferungen  für  die  Armee,  wenn  etwa  vermerkt  wird,
dass  323  Livres  von  dem  gelieferten  Vieh,  von  Wein,  Baumöl,  für  Käse,  Schreibpapier,
  Schnupftabak,  ein  Gebiß  für  einen  Stangenzaun,  seine  Wäscherei  gezahlt
wurden.  Es  zeichnet  sich  ab,  dass  die  französische  Verwaltung  bereits  Hoheitsaufgaben
  der  Alten  Herrschaft  übernommen  hatte,  wenn  es  etwa  um  Holzschlag,
Grundstücksangelegenheiten  oder  die  Zehntversteigerungen  ging,  allerdings  war
dies  nicht  Aufgabe  des  Kommissars,  sondern  der  Saarlouiser  Behörden22.
Zur  Rechnungslegung  infolge  der  Asiege  kam  die  eigentliche  Gemeinderechnung.
  1794  hatte  die  Gemeinde  4278  Livres  Ausgaben  und  4442  Livres  an
Einnahmen.  Die  dort  summierten  Ausgaben  zeigen,  wie  wechselhaft  und  unsicher
die  militärische  Lage  sich  für  die  Einwohner  darstellte,  auch  wenn  letztlich  die
Franzosen  das  Feld  beherrschten.  Auch  in  dieser  Rechnung  wurden  Armee-Fuhren
nach  Saarlibre  zu  Lasten  der  Gemeinde  sowie  Zahlungen  für  die  zahlreichen  Botengänge
  dorthin  vermerkt24.  Die  hier  gelisteten  Ausgaben  an  den  französischen
Kommissar  betrafen  überwiegend  gelieferte  Spirituosen25.  Ganz  erheblich  schlugen
allerdings  Kosten  zu  Buche,  die  auf  Vieh-Lieferungen  der  Gemeinde  an  die  Armee
zurückgingen  und  die  nur  zum  geringen  Teil  in  Assignaten  vergütet  wurden.  Die
Ausgaben  dafür  betrugen  insgesamt  1044  Livres  und  gingen  an  vierzehn  namentlich
  aufgeführte  Gemeindemitglieder,  wobei  der  höchste  Einzelposten  168  Livres
ausmachte,  der  niedrigste  30  Livres.  Die  Reichsherrschaft  mit  ihrem  ausgedehnten
Gemeindebann  hatte  im  Alten  Reich  über  außerordentlich  hohe  Viehbestände  verfügt26
 *.
Waren  die  Ausgaben  für  Vieh  dem  aktuellen  Rechnungsjahr  anzulasten,  so
schleppte  die  Gemeinde  zusätzlich  Schulden  aus  den  vorangegangenen  Kriegsjahren
  mit,  wegen  der  Brandschatzung,  die  nach  und  nach  bezahlt  wurden.  Das  Geld

Mayer,  Gemeinderechnungen  (wie  Anm.  2),  A  1  S.  !,  Nr.  1  und  2.
22  Ebd.  A  1,  S.  8,  Nr.  1-18.  Für  Oberlinxweiler  werden  1795  Assignaten  erwähnt  vor  ein
Gang  nach  Saarlieber,  wie  er  daß  Pabbiere-Geld  mit  gebracht,  siehe  SCHWINGEL  (wie
Anm.  2),  S.  193.
Mayer,  Gemeinderechnungen  (wie  Anm.  2),  A  1  S.  4,  Nr.  29,  34,  36,  38,  47.  Ein  Beispiel:
  Nr.  14  Nikolaus  Müller  und  Hans  Nickel  Becker,  beide  nach  Saarlibre  auf  das  Distrikt
  und  Munizipat  wegen  unserer  Jung-Coupen  am  Rodener  Bann.
24  Ebd.  A  1,  S.  3,  Nr.  3-7;  S.  4,  Nr.  29;  S.  5,  Nr.  34,  35,  42,  47;  S.  6,  Nr.  55,  58.
25  Ebd.  A  1,  S.  3,  Nr.  12,  13,  15,  17;  S.  4,  Nr.  22;  S,  5,  Nr.  37;  S.  7,  Nr.  63,  65.  In  Oberlinxweiler
  wurden  insgesamt  nur  geringe  Ausgaben  für  Futterage  zu  denen  Franzosen
gezahlt,  einige  Schoppen  Branntwein,  dazu  an  Johannes  Creutz  ein  Ausgleich  für  eine
verlorene  Fuhre  sowie  an  Peter  Schneider  für  ein  abgegebenes  Pferd;  siehe  Schwingel
(wie  Anm.  2),  S.  181-183.
”6  Mayer,  Gemeinderechnungen  (wie  Anm.  2),  A  1,  S.  6,  Nr.  56;  zum  Viehbestand  der  Gemeinde
  vgl.  Eva  Kell,  Saarwellingen  -  ein  Dorf  im  18.  Jahrhundert,  http://www.editionschaumberg.
  de/fileadmin/user  jjpload/Bilder/saargeschichten/pdf.-Dateien/SG_4_10_
Did.pdf  (27,11,2011)  und  in:  saargeschichte/n,  4/2010,  S.  42f.

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