Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

departements  in  ihr  Amt  eingeführt,  das  bis  1814  Bestand  hatte  und  zu  dem  der
größte  Teil  des  heutigen  Saarlandes  zählte19.  Obwohl  die  Saarregion  seit  1794
überwiegend  französisch  kontrolliert  war,  trugen  die  Einwohner  auch  in  Zeiten  geringerer
  militärischer  Aktivität  weiter  die  Lasten  des  Krieges.  Saarwellingen  lag
während  der  entscheidenden  Kriegsjahre  unmittelbar  im  Aufmarschgebiet  der
Franzosen,  die  von  Saarlouis  aus  operierten,  ebenso  bezogen  sich  Kriegshandlungen
  der  Alliierten  auf  die  Festung.
(2)  Die  Gemeinderechnungen  in  Saarwellingen,  erhalten  für  die  Jahre  1794  bis
1798  mit  einer  Unterbrechung  von  Februar  bis  Juli  1795,  wobei  auch  Belange  von
1793  noch  eine  Rolle  spielen,  spiegeln  die  Kriegsbedingungen  wider.  Die  Rechnungslegung
  war,  wie  in  den  Zeiten  des  Alten  Reiches,  Aufgabe  des  Hameiers20.
Dieses  Amt  wurde  jährlich  durch  Wahl  der  Gemeindemitglieder  vergeben  und  von
der  Herrschaft  bestätigt.  Ob  dies  zur  Revolutionszeit  geschah,  lässt  sich  nicht  feststellen,
  Kontakte  zur  alten  Herrschaft  sind  darin  nicht  nachweisbar.  Zu  den  Amtsgeschäften
  gehörte  die  Kontrolle  der  Banngrenzen,  die  Überwachung  von  Abgaben
und  Zehntzahlungen;  die  Freigabe  der  Feldflur,  die  Besoldung  der  Gemeindehirten
und  vor  allem  die  jährlich  offengelegte  Gemeinderechnung  mit  Einnahmen  und
Ausgaben.
Zwischen  1794  und  1798  wiesen  die  Gemeinderechnungen  fünf  unterschiedliche
  Personen  für  das  Amt  des  Hameiers  aus:  5.3.1794-18.2.1795  Johannes  Kessler,
24.6.1795-25.12.1795  Michael  Müller,  25.12.1795-24.6.1796  Nikolaus  Puhl,  genannt
  Kläß,  1797  der  Schmied  Peter  Müller,  1798  Heinrich  Schäfer.  Die  Rechnungen
  wurden  vom  Meier  der  Gemeinde,  den  die  Herrschaft  eingesetzt  hatte,  und  von
den  Gemeindeschöffen  gegengezeichnet,  gelegentlich  noch  mit  Handzeichen,  in
der  Regel  aber  mit  eigenhändiger  Unterschrift.
Die  erhaltenen  Rechnungen  von  1794/95  bis  1798  liegen  in  der  Schnittstelle
zum  Übergang  in  die  französische  Herrschaft  und  Verwaltung,  und  sie  sind  von
den  Kriegsbedingungen  geprägt,  umso  mehr,  als  sie  kein  persönliches  Zeugnis  darstellen
  und  daher  nicht  von  subjektiven  Erlebnissen,  Erinnerungen  und  Deutungen
beeinflusst  sind,  sondern  nüchtern  tabellarisch  subsummieren.  Sie  erfassen  nummeriert
  fortlaufend,  getrennt  nach  Einnahmen  und  Ausgaben,  alle  finanziellen  Akte
der  Gemeinde,  ohne  Datum  und  nicht  in  Sachgebiete  unterteilt,  allerdings  wurde
1794/95  eine  zusätzliche  Rubrik  Sonderkasse  wegen  der  Besatzung  geführt,  welche
Einnahmen  und  Ausgaben  wegen  Asiege  (Belagerung)  auflistete.
Mit  den  in  dieser  Sonderkasse  aufgeführten  Posten  wird  die  kriegsbedingte  wirtschaftliche
  Verklammerung  mit  der  französischen  Festung  Saarlouis  unmittelbar
deutlich.  Insgesamt  1000  Livres  Einnahmen  für  nach  Saarlibre  geliefertes  Korn
werden  aufgeführt,  dazu  300  Livres  für  Fuhren  nach  Trier,  die  im  Auftrag  des

|y  STEIN,  Eingliederung  (wie  Anm.  3),  S.  180f,  192-199  mit  Abbildungen  von  Briefköpfen
der  französischen  Verwaltung.
211  Zum  Folgenden  vgl.  Mayer,  Gemeinderechnungen  (wie  Anm.  2),  A  1  -  A  5,  Transkription,
  Vorbemerkungen,  S.  1.  Oberlinxweiler  folgte  gleichfalls  dieser  Praxis  bis  1793,  siehe
  Schwingel  (wie  Anm.  2),  S.  162-178,  161  und  224  Abbildung  des  Originals.  Erste
Posten  der  Rechnung,  die  auf  den  Krieg  hinweisen,  finden  sich  dort  ab  1793  vereinzelt
für  Armeefuhren,  Abgaben  an  preußische  und  sächsische  Kriegstruppen  oder  als  Tagelohnauszahlungen
  für  Gemeindemitglieder  für  Dienste  an  Militärs,  ebd.  S.  178-181.
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