schenkt. In die Amtszeit Schneiders fällt die Absicht der Pfarreien vor Ort, das
Heusweiler Simultanverhältnis aufzulösen, was am 21. Juni 1864 durch Genehmigung
des Generalvikariates Trier auch geschah. Im Synodalbericht ist vermerkt: In
der Pfarrei Heusweiler hat das bisher bestandene Simultaneum aufgehört, indem
der kath. Kirchenrath am 5. Juni pr. sein Simultanrecht an der evang. Kirche, der
evangelischen Gemeinde durch Urkunde, welche im evangelischen Pfarrarchiv
daselbst deponiert ist, definitiv überlassen hat'"'9. Grund für die Ablösung der
Rechte war die Tatsache, dass die Kirche für das Wachstum der katholischen
Gemeinde zu klein geworden war.
Als Pfarrer Philipp Christian Schneider am 28. März 1877 in Heusweiler nach
einer fast fünfzigjährigen Amtszeit verstarb, sorgte seine Witwe Katharina Charlotte
Merling für den zweiten Verlust im Archivwesen seit der französischen Revolution.
Gustav Weber notierte im Lagerbuch: Es ist noch zu bemerken, daß als die
Pfarrwittwe Schneider das Pfarrhaus verließ, das ganze Pfarrarchiv dem Feuer
überliefert worden ist, infolge dessen dem zeitigen Pfarrer viel Unannehmlichkeiten
und Schwierigkeiten bis auf diese Stunde erwachsen wurden'40. Den Umstand
beschrieb Weber näher in einem undatierten Brief an Superintendent Adolph
Zillessen: Am Begräbnistag des Pfarrers Schneider am 28. May 1877 machte ein
Mitglied des Presbyteriums den damaligen Superintendenten Schirmer aufmerksam,
dem Presbyterium die Kirchensachen u. Schriften zu übergeben. Herr Schirmer
lehnte dies mit den Worten ab, daß von den Schriften nichts abhanden kommen
würde, da die alleinstehende Frau Pfarrer Schneider das Zimmer, in welchem die
Sachen sich befänden, gar nicht mehr gebrauchte. [...] Ebenso wenig wie Herr
Superintendent Schirmer konnte ich ahnen, daß Akten abhanden kommen könnten.
Von dem Auszuge der Frau Pfarrer aus dem Pfarrhause erfuhr ich erst tags nachher.
[...] Eine nähere Untersuchung ergab jedoch, daß sämtliche Schriften, die im
Pfarrhause vorhanden waren, theilweise an Kinder verschenkt, theilweise durch
Feuer vernichtet worden waren. Es schien mir, als habe jede Spur des verstorbenen
Pfarrers verwischt werden sollen. Nur einzelne Jahrgänge von gehefteten
Amtsblättern sind erhalten geblieben 41.
Landsweiler); 5.) Gustav (Werkmeister in Essen); 6.) Heinrich Albert (geb. 20. Februar
1840; früh gest.); 7.) Klara Katharina Charlotte (geb. 8. Januar 1842, verh. mit N.N.
Klein, Wirt in Heiligenwald); 8.) Friedrich Wilhelm (geb. 31. Januar 1844; Steiger in
Walpershofen); 9.) Luise Wilhelmine Emilie (geb. 10, Januar 1846); 10.) Karl Christian
Agathon (geb. 15. Februar 1849; Kaufmann); 11.) Charlotte Julie (* 28. August 1850;
verh. mit N.N. Ziervogel, Steiger in Merchweiler) und 12.) Katharina Wilhelmine (geb.
25. Mai 1853; gest. 1869).
1,4 Bericht von Superintendent Johann Gottfried Schirmer auf der 27. Tagung der
Saarbrücker Kreissynode am 23. Juli 1863, in: Conrad, Protokolle (wie Anm. 87), S.
618.
140 Pfarrarchiv Heusweiler, Best. 1492 Lagerbuch, S. 8.
141 Ebd., Best. 38 Konzept zu einem Schreiben betr. den Verlust von Archivalien.
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