Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Oktober  1911  erlitt  Adolf  Ludwig  Fauth  einen  Schlaganfall,  am  26.  Januar  1912
starb  er  nach  längerem  Leiden134.
4.5 Die  beiden  Pfarrer  Schneider  -  Onkel  und  Neffe
Zwei  Pfarrer  Schneider,  Onkel  und  Neffe,  die  zusammen  von  1791  bis  1877  als
Pfarrer  in  Heusweiler  wirkten,  prägten  das  19.  Jahrhundert  in  der  großen  Köllertalgemeinde
  nachhaltig.  Ludwig  Heinrich  Schneider  war  am  26.  Oktober  1748  in
Großbundenbach/Pfalz  als  Sohn  des  dortigen  Pfarrers  Philipp  Christian  Schneider
des  Älteren  und  seiner  Frau  Luise  Sperber  geboren  worden.  Nach  dem  Studium
war  er  von  1784  bis  1791  Pfarrer  in  Karlsbrunn,  bevor  ihn  sein  Weg  nach  Heusweiler
  führte,  wo  er  am  7.  Juli  1828  mit  fast  achtzig  Jahren  verstarb.  Schneider  war
wohl  eine  eher  ungewöhnliche  Persönlichkeit:  Zwischen  dem  letztgenannten  Pfarrer
  [Ludwig  Heinrich]  Schneider  und  dem  trierischen  Bischof  [Josef]  von  Hommer
fand  einmal,  als  letzterer  sich  auf  einer  Firmungsreise  in  Heus  weiler  aufhielt,  eine
recht  rührende  Szene  statt.  Dem  Kirchenfürsten  wurde  damals  die  Mitteilung  gemacht,
  daß  Pfarrer  Schneider  es  von  Herzen  bedauere,  dem  Bischof  seine  persönliche
  Aufwartung  wegen  Krankheit  und  Alter  nicht  geben  zu  können.  Kaum  war
dies  dem  humanen  Bischöfe  zu  Ohren  gekommen,  so  eilte  er  auch  schon  ins  lutherische
  Pfarrhaus,  um  den  steinalten  und  bettlägerischen  Pfarrer  Schneider  mit
seinen  Besuch  zu  erfreuen.  Dabei  fielen  sich  die  beiden  Greise  um  den  Hals  und
umarmten  sieh.  Pfarrer  Schneider  dankte  den  hohen  Besucher  unter  Tränen  der
Rührung  für  dieses  herablassende  und  freundliche  Wohlwollen.  Übrigens  pflegte
dieser  geistliche  Oberhirt  auf  seinen  amtlichen  Rundreisen  protestantische  Prediger,
  die  ihn  begrüßten,  mit  einem  Rückbesuche  zu  beehren  35.
Als  die  Truppen  der  französischen  Revolutionsarmee  im  Jahre  1793  das  Pfarrhaus
  zu  Heusweiler  plünderten,  wurde  der  Kirchenschrank  mit  Flintenkolben  zerschlagen
  36.  Pfarrer  Schneider  legte  als  Ersatz  für  den  Verlust  des  Taufregisters  ein
Verzeichnis  von  95  zu  seiner  Amtszeit  lebenden  evangelischen  Familien  an  und
schrieb  dazu:  Da  das  Register  der  Getauften  der  Pfarrei  Heußweiler  und  Wahlschied
  durch  die  Krieges-Unruhen  entkommen  war,  so  habe  ich  Unterschriebener,
von  dem  Herrn  Sousprefect  Bordé  beauftragt,  gegenwärtiges  nach  Angabe  der
Haußväter  besorg  f'1.
Auf  Ludwig  Heinrich  Schneider  folgte  der  Neffe  Philipp  Christian  Schneider,
ebenfalls  -  anno  1798  -  in  Großbundenbach  geboren.  Seine  Eltern  hießen  Karl
Schneider  und  Wilhelmine  Wild.  Nach  seinem  Studium  diente  er  seinem  greisen
Onkel  Ludwig  Heinrich  Schneider  als  Adjunkt,  übernahm  nach  dessen  Tod  die
Heusweiler  Pfarrstelle  und  verblieb  dort  bis  zu  seinem  Tod  am  28.  März  1877.  Im
Gegensatz  zu  seinem  alten  Onkel  trat  Philipp  Christian  Schneider  mit  Katharina
Charlotte  Merling  in  den  Ehestand;  zwölf  Kinder138  wurden  den  Eheleuten  ge¬1,5

  Vgl.  Hans-Peter  Buchleitner,  Geschichte  des  Warndts,  Saarbrücken  1924,  S.  55.
"  Pfarrarchiv  Heusweiler,  Best.  1492  Lagerbuch,  S.  7.
Ebd.,  Best.  24  Familienregister  von  Ludwig  Heinrich  Schneider.
138  Vgl.  1.)  Karl  (Obersteiger  in  Heiligenwald);  2.)  Theodor  Hermann  (Steiger  in  Bietschied
bei  Heusweiler);  3.)  Albrecht  (Steiger  in  Heiligenwald);  4.)  Fritz  (Steiger  auf  Reden  bei

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