Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

ler  Sonderkatechismus  ablöste;  damit  setzte  er  erste  Akzente114.  In  Ludweiler  wurden
  die  beiden  ersten  Söhne  Franz  und  Carl  geboren120.  1868  initiierte  Adolf  Ludwig
  Fauth  die  Gründung  eines  „Kreditvereins  des  Warndts“  und  stellte  sich  auch
als  1.  Rechner  zur  Verfügung121.  Ludweiler  war  seit  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  gewaltig
  gewachsen,  und  mit  der  Bevölkerungszahl  stiegen  auch  die  sozialen  Probleme.
  Hier  sollte  der  Kreditverein  Abhilfe  schaffen  und  den  Arbeitern  ermöglichen,
sich  einen  kleinen  Wohlstand  zu  erwirtschaften.
Am  25.  Februar  1872  hatte  Pfarrer  Julius  Fechner122  in  Gersweiler  seine  Abschiedspredigt
  gehalten  und  war  nach  Malstatt  gegangen.  Schon  am  2.  Juni  wurde
in  Gersweiler  die  Repräsentation  gehört,  ob  sie  gegen  den  zu  Fechners  Nachfolger
designierten  Ludweiler  Pfarrer  Adolf  Ludwig  Fauth  etwas  einzuwenden  habe,  was
nicht  der  Fall  war.  So  verabschiedete  sich  Fauth  im  Oktober  1872  von  seiner  Ludweiler
  Gemeinde  und  trat  den  Dienst  in  Gersweiler  an.  Am  27.  Oktober  führte  ihn
der  Saarbrücker  Superintendent  Johann  Gottfried  Schirmer  in  der  barocken  Lautemannkirche
  in  sein  Amt  ein.  Die  Söhne  Adolf  und  Heinrich  Florentin  sollten  dem
Ehepaar  in  Gersweiler  geboren  werden123,  über  dreißig  Jahre  sollte  er  der  Gemeinde
  als  Pfarrer,  Homöopath  und  Schriftsteller  dienen.
Gersweiler  war  eine  arme  Gemeinde,  woran  auch  Fauth  nichts  änderte.  Die
Lage  verbesserte  sich  leicht,  als  das  Stift  St.  Arnual  seine  Rechte  am  Pfarrdotalgut
an  die  Gemeinden  abtrat:  Der  Verwaltungsrat  des  Stiftes  St.  Arnual  beschloss,  auf
die  nuda  proprietas  an  sämmtlichen  Pfarrdotationsgrundstücken,  soweit  sie  dem
Stift  zusteht,  zu  verzichten  und  den  betr.  Gemeinden  die  Grundstücke  als  volles  und
ausschließliches  Eigentum  zur  Pfarrdotation  zu  übergeben  24.  Zur  jungen  katholischen
  Gemeinde  in  Gersweiler  wahrte  Fauth  argwöhnischen  Abstand;  mit  Mitteln
der  Kirchenzucht  griff  das  Presbyterium  immer  wieder  durch,  wenn  es  zu  unerwünschten
  Grenzüberschreitungen  kam.  Im  Blick  auf  die  Gemeindearbeit  brachte
Fauth  einiges  voran.  Er  ordnete  das  Procedere1  25  der  Begräbnisfeiern  und  der  Trauungen
  neu  und  forderte  die  Ortspolizeibehörde  auf,  jede  Übertretung  der  Gesetze
über  Sonntagsheiligung  unnachsichtig  zu  bestrafen,  insonderheit  die  Erntearbeiten
am  Sonntag  nur  in  dringenden  Notfällen  zu  erlauben1"6.  In  Fauths  Amtszeit  wurde
die  Kirchenmusik  gefordert:  1881  beschloss  das  Presbyterium,  das  alte  Nassau-120

  Franz  Fauth,  geh.  20.  Januar  1868  in  Ludweiler,  gest.  30.  August  1931,  Apotheker;  Carl
Fauth,  geb.  14.  Juli  1870  in  Ludweiler,  gest.  24.  April  1932  in  Gersweiler,  Dr.  med.,
Arzt;  vgl.  BÜCH,  Familie  Fauth  (wie  Anm.  109),  S.  111.
121  Vgl.  Pick,  Fauth  (wie  Anm.  118),  S.  5.
'"'Julius  Fechner,  geb.  am  22.  November  1827  in  Heimbach,  Studium  der  Theologie  in
Bonn,  Synodalvikar  in  Eitorf,  1864-1872  Pfarrer  in  Gersweiler,  1872-1898  in  Malstatt,
1898  emeritiert,  gest.  13.  Mai  1903;  vgl.  Joachim  Conrad,  Die  evangelischen  Pfarrer
von  Gersweiler  von  der  Reformation  bis  zur  Gegenwart.  Festschrift  für  Adolf  Conrad,
Saarbrücken  1989,  S.  29.
123  Adolf  Fauth,  geb.  20.  Januar  1873,  gest.  29.  August  1959;  Dr.  phil.  Dr.  ehern,  pharm.;
Heinrich  Florentin  Fauth,  geb.  7.  September  1877,  gest.  14.  Mai  1963,  Kaufmann;  vgl.
Büch,  Familie  Fauth  (wie  Anm.  109),  S.  111.
124  Pfarrarchiv  Gersweiler  Best.  Lagerbuch  II  Abt.  A,  S.  18.
125  Ebd.  S.  13  und  S.  14.
126  Ebd.  S.  16.

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