Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

In  seiner  Auflistung  der  Aufgaben  einer  Historischen  Kommission  nannte  Eugen
  Meyer  als  Punkt  4  Quellenveröffentlichungen  im  engeren  Sinne,  die  er  ausdrücklich
  als  Weiterfuhrung  und  Neubearbeitung  der  Regestenwerke  von  Goerz41
und  Jungk4"  verstand.
Aufgrund  der  Einschätzung,  dass  ein  umfassendes  saarländisches  Urkundenbuch
  mit  den  vorhandenen  personellen  und  finanziellen  Kapazitäten  in  vertretbarer
Zeit  nicht  zu  verwirklichen  sein  würde,  entschied  sich  der  Kommissionsvorstand
für  die  Herausgabe  von  Quellen  zu  einzelnen  Sachgebieten,  Institutionen  oder
Zeitabschnitten.  Als  erste  Veröffentlichung  der  Kommission  überhaupt  erschienen
1957-1959  in  drei  Lieferungen  Quellen  zur  Geschichte  der  Grafschaft  Saanverden
bis  1527,  bearbeitet  von  Hans-Walter  Herrmann.  1959  folgte  ein  Darstellungsband,
der  heute  vergriffen  ist.  Herrmann  hat  seither  zahlreiche  Nachträge  und  Ergänzungen
  ermittelt,  dazu  ein  Orts-,  Personen-  und  Sachregister  erstellt,  so  dass  der  Druck
eines  Abschlussbandes  mit  Nachträgen  und  Indices  in  der  Schriftenreihe  der
Kommission  vorgesehen  ist.
ln  den  60er  Jahren  gab  der  Kommissionsvorstand  Materialsammlungen  in  Auftrag
  mit  dem  Ziel,  Urkundenbücher  von  Klöstern  des  deutsch-lothringischen
Grenzraumes  zu  edieren,  so  für  die  Benediktinerabtei  St.  Sixtus  zu  Rettel  (nordöstlich
  von  Thionville,  1431  dem  Kartäuserorden  übergeben),  für  die  Benediktinerabtei
  Hornbach  bei  Zweibrücken,  für  die  Benediktinerabtei  St.  Martin  Glandariensis
  (Longeville-les-Saint-Avold,  Lübeln)4'  und  für  die  Abtei  Neumünster  (Benediktinerabtei
  im  nördlichen  Bliesgau)44.  Daraus  entstanden  Publikationen  und  teilweise
  auch  Quelleneditionen,  die  jedoch  nicht  in  allen  Fällen  in  der  Schriftenreihe
der  Kommission  veröffentlicht  wurden,  im  Einzelfall  vielleicht  wegen  ihres  Volumens
  von  unter  100  Seiten45.
Ebensowenig  erreichte  die  von  Karl  Schwingel  begonnene  Sammlung  dörflicher
Rechtsquellen  des  Saarraumes  vom  Mittelalter  bis  zur  Französischen  Revolution
aufgrund  seines  frühen  Todes  (1963  im  Alter  von  62  Jahren)46 *  Editionsreife.  Die

41 Mittelrheinische  Regesten  oder  chronologische  Zusammenstellung  des  Quellenmaterials
für  die  Geschichte  der  Territorien  der  beiden  Regierungsbezirke  Coblenz  und  Trier  in
kurzen  Auszügen,  bearb.  und  hg.  von  Adam  Goerz,  4  Teile  (509-1300),  Coblenz  1876-1886.

4"  August  Hermann  Jungk,  Regesten  zur  Geschichte  der  ehemaligen  Nassau-Saarbrückischen
  Lande  bis  zum  Jahre  1381  (Mitteilungen  des  Historischen  Vereins  für  die
Saargegend  13/14),  Saarbrücken  1914/1919.
4’  Stefan  Flesch,  Die  monastische  Schriftkultur  der  Saargegend  im  Mittelalter  (Veröffentlichungen
  der  Kommission  für  Saarländische  Landesgeschichte  und  Volksforschung  20),
Saarbrücken  1991,  S.  107.
44  Hans-Walter  Herrmann,  Quellenveröffentlichungen,  in:  Ders.,  25  Jahre  Kommission
(wie  Anm.  12),  S.  44.
45  In  den  80er  Jahren  veröffentlichte  Hartmut  Müller,  der  im  Auftrag  der  Kommission  die
Transkription  der  Urkunden  von  St.  Sixtus  in  Rettel  besorgt  hatte,  diese  unter  dem  Titel
Quellen  und  Urkunden  zur  Geschichte  der  Benediktinerabtei  St.  Sixtus  in  Rettel,  in:
Jahrbuch  für  westdeutsche  Landesgeschichte  10  (1984),  S.  1-66  mit  86  Nummern  zu  den
Jahren  892-1432.
4i’  Der  Lehrer  und  Landeshistoriker  war  Kommissionsmitglied  der  ersten  Stunde,  vgl.  das
Verzeichnis  der  Mitglieder,  in:  Herrmann  25  Jahre  Kommission  (wie  Anm.  12),  S.  26
und  Joachim  Conrad,  Art.  „Schwingel  Karl“,  in:  Saarländische  Biografien,  Zugriff  vom
12.  Dezember  2011  (http://www.saarland-biografien.de/Schwingel-Karl).

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