Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Francke  den  Saarbrücker  Studenten  Wilhelm  Christian  Friedrich  Schwendler.
Auch  mit  Johann  Anastasius  Freylinghausen  (1670-1739),  der  1771  Direktor  des
Halleschen  Waisenhauses  wurde,  korrespondierte  Rollé7’.  Schließlich  ist  ein  Brief
an  Nikolaus  Ernst  Wild  überliefert74.  Wild  war  der  Faktor  der  Filiale  der
Buchhandlung  des  Waisenhauses  in  Frankfurt/Main.
Auf  die  Ordnung  innerhalb  des  ministerium  ecclesiasticum  achtete  Rollé  ganz
besonders;  zahlreiche  Rundschreiben  haben  sich  erhalten  \  Als  sich  etwa  Johann
Caspar  Streccius,  der  von  1757  bis  1771  als  Oberpfarrer  und  Inspektor  der  Synode
Ottweiler  in  der  Nachfolge  von  Georg  Christian  Woytt6  gewirkt  hatte,  zum  zweiten
  Male  als  Pfarrer  in  das  Dorf  Völklingen  begab  (er  war  dort  bereits  1743  bis
1751  tätig),  wurde  ihm  der  Titel  des  Oberpfarrers  belassen,  aber  Rollé  legte  Wert
darauf  festzustellen,  dass  Streccius  keine  kirchenleitende  Funktion  mehr  wahrnehmen
  durfte.  Die  zukünftigen  Pfarrer  der  Grafschaft  wiederum  wurden  stets  vor
dem  Pfarrkonvent  unter  Vorsitz  des  Superintendenten  examiniert,  bevor  sie  durch
die  Ordination  in  den  Gemeinden  installiert  werden  konnten.
Rollés  Amtszeit  in  Saarbrücken  war  geschmückt  mit  hervorragenden  Ereignissen:
  Nicht  nur,  dass  der  Neubau  des  Gymnasiums,  das  Graf  Ludwig  1604  gegründet
  hatte,  1752  in  Dienst  gestellt  wurde,  vielmehr  konnte  1775  die  Ludwigskirche
  mit  einer  Einweihungskantate  als  neue  Residenzkirche  in  Gebrauch  genommen
  werden.  Beides,  das  neue  Gymnasialgebäude  und  die  prachtvolle  Ludwigskirche,
  waren  Werke  des  Generalbaudirektors  Friedrich  Joachim  Stengel.  1755
schließlich,  zur  200.  Wiederkehr  des  Augsburger  Religionsfriedens,  wurde  in  Saarbrücken
  ein  Dankfest  abgehalten,  wobei  der  Superintendent  die  Gestaltung  des  Tages
  mit  Predigttext  und  Gesängen  genau  festgelegt  hatte.  Ein  ganz  anderer  Tag
schließlich  war  die  Rückkehr  des  Erbprinzen  Ludwig  (1745-1794)  nach  siebenjähriger
  Abwesenheit  und  sein  Einzug  mit  seiner  jungen  Ehefrau  Wilhelmina  von
Schwarzburg-Rudolstadt  (1751-1780)  im  Dezember  1766  in  Saarbrücken.  Superintendent
  Rolle  vertrat  die  Geistlichkeit  aller  dreyen  Religionen.
1775  wurde  Thomas  Balthasar  Rollé,  nunmehr  80-jährig,  in  den  Ruhestand
versetzt.  Da  seine  zweite  Gemahlin  im  Jahr  zuvor  bereits  verstorben  war,  musste
der  greise  Superintendent  eine  andere  Lösung  für  seinen  Ruhestand  finden.  Er
schloss  im  Januar  1779  einen  Vertrag  mit  seinem  Sohn,  dem  Regierungsrat  Johann
Friedrich  Rollé,  der  gegen  Zahlungen  aus  dem  Pfarrgefälle  Wohnung  und  Unterhalt
  garantierte.  Im  Jahre  1780  trug  der  Saarbrücker  Pfarrer  Johann  Friedrich  Röch-30:

  153  vom  31.  März  1747;  H  67:  80  vom  3.  April  1765.;  H  75:  53  vom  20.  März  1769;
M  3  H  67:  81.
Archiv  der  Franckeschen  Stiftungen  Halle/Dänisch-Hallesche  Mission.  Brief  von
Thomas  Balthasar  Rollé  an  Gottlieb  Anastasius  Freylinghausen  vom  2.  April  1774
4  Archiv  der  Franckeschen  Stiftungen  Halle/Dänisch-Hallesche  Mission.  Brief  von  Thomas
  Balthasar  Rollé  an  Nicolaus  Ernst  Wild  vom  3.  September  1765  (dort  ein  Siegel
Rollés);  M  3  H  69:  70.
LA  Saarbrücken:  Archivaliensammlung  des  Historischen  Vereins  für  die  Saargegend  A
353  Rundschreiben  des  Superintendenten  Thomas  Balthasar  Rollé  aus  den  Jahren  1742
bis  1773.
76  Vgl.  Joachim  Conrad,  Art.  Woytt,  Georg  Christian  (1694-1764),  in:  BBKL  23  (2004),
Sp.  1581-1585.

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