Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

weil  sein  Gehör  und  Gesicht  nachgelassen  und  er  an  Verstand  zu  einem  Kind  geworden9
  sei.  Der  Graf  ordnete  an,  Stephani  weiter  zu  entlasten.  Als  am  12.
Februar  1616  die  Grafenwitwe  Anna  von  Nassau-Dillenburg  starb,  mit  der
Stephani  in  bestem  Verhältnis  stand,  war  er  nicht  mehr  in  der  Lage,  die  Begräbnisfeier
  zu  leiten;  die  Traueransprache  für  die  ehemalige  Landesherrin  hielt  der  Weilburger
  Pfarrer  Philipp  Adam  Beutler20.  Am  14.  August  1616  starb  schließlich  der
alte  Generalsuperintendent,  nachdem  er  seinem  Sohn  Martin  gegenüber  öfter  von
seinem  nahe  Tode  gesprochen  hatte.  56  Jahre  hatte  er  als  Pfarrer  Dienst  getan,  45
Jahre  hatte  er  die  Nassauische  Landeskirche  geleitet21.  Als  gemäßigter  Lutheraner
hatte  er  die  Reformation  in  Nassau-Saarbrücken  theologisch  begleitet  und  stets  für
Ausgleich  gesorgt;  als  Superintendent  hat  er  die  Gemeinden  visitiert  und  mit  sicherer
  Hand  die  notwendigen  Reformen  umgesetzt.  Laurentius  Stephani  gehört  zu  den
bedeutendsten  Gestalten  der  Reformationsgeschichte  im  südwestdeutschen  Raum.
Von  den  Söhnen  studierten  Johann  Magnus,  Martin22  und  Jakob  in  Wittenberg23,
Johannes  Magnus  zuvor  auch  in  Marburg24.  Johann  Magnus  war  derjenige,  der  im
Ottweilerschen  dem  Vater  die  nötige  Unterstützung  verschaffte.  Um  1566  in  Krofdorf
  geboren,  hatte  er  1579  die  Schule  in  Hornbach  besucht  und  nach  seinem  Studium
  die  Pfarrstelle  in  Wiebelskirchen  von  1590  bis  1594  geführt.  Dann  wechselte
er  auf  die  Stelle  nach  Ottweiler,  wo  er  1629  starb.  Er  hatte  als  Inspektor  der  Synode
  von  1594  bis  1629  gedient.  Sein  Sohn  Johann  Lorenz2^  wurde  ebenfalls  Pfarrer
in  Ottweiler;  seine  Tochter  Anna  Margarethe  heiratete  den  Ottweiler  Pfarrer  Lambertus
  Schellenberger.
2.2 Die  Familie  Keller
Nach  Stephani  war  die  nächste  zentrale  Gestalt  der  Nassau-Saarbrückischen
Kirchengeschichte  in  der  zweiten  Pfarrergeneration  Johann  Georg  Keller  der
Ältere26,  der  als  Superintendent  der  Landeskirche  von  1614  bis  1632  Vorstand.  Um

211  Katalog  der  Fürstlich  Stolberg-Stolbergschen  Leichenpredigten-Sammlung,  Bd.  111,
Leipzig  1930,  S.  178.
21  Vgl.  Menzel,  Nassau  (wie  Anm.  14),  S.  434.
Martin  Stephani  war  von  1628  bis  1640  Pfarrer  in  Krofdorf;  vgl.  Sinemus,  Stephani  (wie
Anm.  2),  S.  352.
23  Eintrag  28.  April  1589  Johannes  Magnus  Stephani,  Gleiburgensis  Hassus;  Eintrag  2.
Oktober  1595  Martinus  Stephani,  Rhenanus;  Eintrag  16.  Oktober  1595  Jacobus  Stephani,
Weilburgensis  Rhenanus;  vgl.  Rotscheidt,  Nachtrag  (wie  Anm,  9),  S.  352.
"4  Eintrag  5.  Dezember  1586  Joannes  Magnus  Stephani,  Leipergensis;  vgl.  Rotscheidt,
Nachtrag  (wie  Anm.  9),  S.  352.
Johann  Lorenz,  geb.  ca.  1590  in  Wiebelskirchen,  Studium  1610  in  Gießen,  1615  Ordination
  in  Saarbrücken,  1615  bis  1619  Pfarrer  in  Ottweiler,  1620-1629  in  Schiffweiler,  1629
angeblich  auch  in  Dörrenbach,  1639  bis  zum  Tod  Morschheim/Pfalz;  vgl.  Georg  Biundo,
Die  evangelischen  Geistlichen  der  Pfalz  seit  der  Reformation  -  pfälzisches  Pfarrerbuch
(Genealogie  und  Landesgeschichte  15),  Neustadt  an  der  Aisch  1968,  Nr.  5543.
26  Vgl.  Hans  BÖRST/Fritz  KiRCHNER/Karl  Rüg,  Die  evangelischen  Geistlichen  in  und  aus
der  Grafschaft  Nassau-Saarbrücken  von  Beginn  der  reformatorisehen  Bewegung  bis  zum
Jahre  1635,  in:  Zeitschrift  für  die  Geschichte  der  Saargegend.  23/24  (1975/65),  S.  39-93,
hier  S.  60f.

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